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Anlegen im November: Unsere Einschätzungen in Kürze

Die Sicht der Credit Suisse auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Wirtschaft und Finanzmärkte und die Implikationen für Anleger. Trotz Turbulenzen bleiben die Aussichten auf die globale Wirtschaft positiv. Schwellenländer-Aktien erscheinen unterbewertet.

Korrekturen schaffen selektive Opportunitäten

Die Aktienmärkte haben stark auf die Unsicherheiten in den US-chinesischen Handelsbeziehungen sowie den jüngsten Zinsanstieg reagiert. Die Aussichten für das globale Wirtschafts- und Gewinnwachstum beurteilen wir weiterhin positiv. Nach dem Zinsanstieg stufen wir Staatsanleihen auf Neutral hoch. Hingegen erachten wir globale Real-Estate-Investment-Trusts (REITs) weiterhin als anfällig.

Bei den Aktien setzen wir einen Schwerpunkt bei den Schwellenländern, die unterbewertet erscheinen. Neben dem IT-Sektor haben wir auch eine positive Sicht auf den umklassifizierten Kommunikationssektor, der neu auch Werte aus dem Social-Media-Bereich enthält.

Konjunktur: Solider Schweizer Aktienmarkt stützt Privatkonsum

In den Industrieländern bleibt das Wirtschaftswachstum solide. In der Eurozone und den USA ist die Konsumentenstimmung aufgrund der sich verbessernden Arbeitsmarktlage weiterhin gut und stützt den Privatkonsum. In mehreren Schwellenländern hat die Dynamik als Folge der knapperen Liquidität des US-Dollars jedoch abgenommen.

Während der Schweizer Exportboom etwas abflaut, verbessert sich die Lage am Schweizer Arbeitsmarkt zusehends. Seit über zwei Jahren sinkt die Arbeitslosenquote und befindet sich nun auf ähnlich tiefem Niveau wie in früheren Aufschwungsphasen. Die Beschäftigung steigt nicht nur in staatsnahen Branchen, sondern mittlerweile auch im Privatsektor. Die gute Arbeitsmarktlage sollte den Privatkonsum stützen.

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Starkes Beschäftigungswachstum im Schweizer Privatsektor

Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Zinsen: Ultralockere Geldpolitik in Europa bis Herbst 2019

Obwohl die Eurozone und besonders die Schweiz über ihrem Potenzial wachsen, werden die Europäische Zentralbank (EZB) und die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Negativzinsen vorerst nicht antasten, nicht zuletzt aufgrund handels- und europapolitischer Unsicherheiten.

Wir erwarten, dass beide erst im Herbst 2019 einen ersten Zinsschritt vornehmen. Die Preisstabilität scheint weder in der Schweiz noch in der Eurozone gefährdet. Die SNB will vermeiden, mit einer frühzeitigen Zinserhöhung eine erneute Franken-Aufwertung auszulösen. Die US-Notenbank dürfte im Dezember sowie 2019 ihre Zinsen weiter anheben.

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Der Zinsunterschied zwischen Europa und den USA nimmt weiter zu

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Währungen: Euro-Franken-Kurs dürfte in enger Spanne bleiben

Der Euro-Franken-Kurs hat sich im vergangenen Monat etwas erholt. Die Spannungen um das italienische Budgetverfahren lasteten aber weiterhin auf dem Euro. Solange die politischen Diskussionen dominieren, sehen wir nur begrenztes Aufwärtspotenzial für das Währungspaar Euro/Franken.

Auf längere Sicht dürfte jedoch die Wachstumsstabilisierung in der Eurozone, verbunden mit der erwarteten Normalisierung der EZB-Geldpolitik, den Euro unterstützen. Auf zwölf Monate rechnen wir daher damit, dass der Euro-Franken-Kurs wieder in Richtung 1.20 tendiert.

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Bessere Wirtschaftsdaten dürften das Währungspaar unterstützen

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Aktien: Diversifikation dank defensiven Schweizer Sektoren

Wir behalten unsere positive Einschätzung für den Schweizer Aktienmarkt bei. Erstens gehen wir auch hier von einer positiven Gewinndynamik aus. Zweitens erachten wir die eher defensiven Schweizer Werte im Vergleich zu anderen Märkten als bessere Diversifikation, sollten sich die Rückschläge an den globalen Aktienmärkten entgegen unserer Erwartung wiederholen.

Mittelfristig stützt die von uns erwartete leichte Franken-Abwertung die Schweizer Aktien. Auch der Small und Mid-Cap-Bereich sollte sich von den jüngsten Rückschlägen erholen.

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Höhere Gewinnerwartungen für Schweizer Aktien für 2019

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Rohstoffe: Weitere Erholung erwartet

Die Rohstoffpreise haben sich in den letzten Wochen erholt. Wir sehen weiteren Spielraum nach oben, da die Preise unseres Erachtens noch immer ein zu pessimistisches Szenario für die Weltwirtschaft einkalkulieren.

Rohstoffspezifische Fundamentaldaten und die Dynamik der Terminkurven deuten auf ein eher knappes Angebot, während die Anleger vorsichtig positioniert sind. Positive Rollrenditen und erhöhte Versorgungsrisiken unterstützen die Ölpreise. Wirtschaftliche Impulse aus China dürften Industriemetalle stützen und Deckungskäufe könnten Edelmetalle stärken.

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Gold leidet unter starkem US-Dollar

Quelle: Bloomberg, Credit Suisse

Immobilien: Mietwohnungen bleiben im Fokus

In den vergangenen zwölf Monaten wurden Baubewilligungen für 49’000 Wohnungen erlassen – fast gleich viel wie in der Vorjahresperiode. Hingegen zeigen die Bewilligungen für Einfamilienhäuser (–8.7 Prozent) und Eigentumswohnungen (–4.4 Prozent) weiterhin einen rückläufigen Trend.

Dieser Trend ist unter anderem dafür verantwortlich, dass die Wohneigentumspreise wieder deutlich anziehen. Da es beim Bau von Mietwohnungen (+3.5 Prozent) weiterhin keine Anzeichen einer Abschwächung gibt, sollte der Abwärtsdruck bei den Mieten hingegen anhalten.

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Produktion von Wohneigentum weiterhin rückläufig

Quelle: Baublatt, Credit Suisse