Anlegen im Mai: Aktien lohnen sich trotz Unsicherheiten
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Anlegen im Mai: Unsere Einschätzungen in Kürze

Die Sicht der Credit Suisse auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Wirtschaft und Finanzmärkte und die Implikationen für Anleger. Die Corona-Krise führt global zu einschneidenden Einbrüchen des BIP. Doch Aktien bleiben trotz aller Unwägbarkeiten attraktiv.

Schweizer Aktien und globale Anleihen

Trotz hoher Volatilität hat sich eine leichte Übergewichtung von Aktien in den Portfolios seit Ende März gelohnt. Da auf kurze Sicht allerdings weiterhin mit enttäuschenden Makro- und Gewinndaten gerechnet werden muss, besteht das Risiko vorübergehender Rückschläge. In diesem Umfeld dürfte sich der defensive Schweizer Aktienmarkt weiterhin gut entwickeln. Durch ihre beispiellosen liquiditätszuführenden Massnahmen konnten die Notenbanken ausserdem die Ausfallrisiken von riskanteren Krediten kurzfristig verringern. Neben Schwellenländeranleihen in Hartwährung sind neu auch High-Yield-Unternehmensanleihen attraktiv.

Konjunktur: kurze, aber tiefe Rezession in der Schweiz

Weltweit sind über 186 Länder von der Coronavirus-Pandemie betroffen. Die Massnahmen zur Eindämmung des Virus lasten schwer auf der Industrie und dem Dienstleistungssektor. Für 2020 muss mit einem Rückgang des globalen Bruttoinlandprodukts (BIP) von etwa 2 Prozent gerechnet werden. Regierungen rund um den Erdball greifen zu präzedenzlosen Mitteln, um die Einkommensausfälle von Unternehmen und Haushalten zu kompensieren. Das wird auch die weltwirtschaftliche Erholung stützen, wenn die Lockdown-Massnahmen gelockert werden.

Mit dem Beginn der Lockerungen sollte sich auch die Schweizer Wirtschaft wieder zu erholen beginnen. Die durch den Lockdown bedingte Rezession ist aber tiefer als bislang prognostiziert, und die Erholung dürfte vor allem in den auslandorientierten Branchen langsamer ausfallen als erwartet. Entsprechend haben wir unsere Prognose für das Wirtschaftswachstum 2020 von bisher –1 Prozent auf –3,5 Prozent revidiert. Für 2021 erwarten wir zwar wieder eine Erholung von 3,5 Prozent, doch das macht den Einbruch im Jahr 2020 nicht gänzlich wett.

Finanzmärkte: Schweizer BIP erholt sich erst 2021 wieder von dem Einbruch

Schweizer BIP steht ab 2021 vor einer Erholung

Reales BIP, Index 1. Quartal 2007 = 100; ab 2020: Prognosen Credit Suisse
Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Credit Suisse

Zinsen: Zentralbanken gehen zielgerichtet vor

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat mit zielgerichteten Massnahmen auf die Verschlechterung der Wirtschaftslage und den Stress im globalen Finanzsystem reagiert. Sie kauft Devisen, um eine weitere Aufwertung des Schweizer Franken zu verhindern, und stellt Liquidität in US-Dollar und Schweizer Franken im Interbankenmarkt zu Verfügung – unter anderem zur Unterlegung der staatlich verbürgten COVID-19-Kredite für KMU hierzulande. Nicht im Fokus stehen hingegen bis auf Weiteres Zinssenkungen.

Finanzmärkte: Banken lagern immer mehr Guthaben bei der SNB

Banken lagern immer mehr Guthaben bei der SNB

Wöchentliche Veränderung der Sichtguthaben der Banken bei der SNB, in Mio. CHF
Letzter Datenpunkt: 27.04.2020
Quelle: Schweizerische Nationalbank, Credit Suisse

Währungen: Euro steht unter Druck

Obwohl die Nachfrage nach US-Dollar-Liquidität von der US-Notenbank (Fed) mittlerweile gestillt wurde und auch die US-Wirtschaft vom Coronavirus hart getroffen wurde, hat der US-Dollar weiter aufgewertet. Die enorm hohen Emissionen von US-Staatsanleihen scheinen viel globales Kapital anzuziehen. Im Gegensatz dazu hat der Euro gelitten – insbesondere darunter, dass für die Staatsschulden in der Eurozone eine gemeinsame Haftung fehlt. Die jüngsten Hilfsmassnahmen für Italien und andere schwächere EU-Mitglieder sollten jedoch die Risikoeinschätzung gegenüber dem Euro verbessern und die Währung stützen.

US-Dollar legt an den Finanzmärkten weiter an Wert zu

US-Dollar legt weiter an Wert zu

Letzter Datenpunkt: 21.04.2020
Quelle: Credit Suisse

Aktien: Aktienmärkte erholen sich weltweit

Die globalen Aktienmärkte haben sich deutlich von ihren Tiefstständen erholt, insbesondere dank der sehr umfangreichen Konjunkturpakete. Dieser Aufwärtstrend sollte weiterhin anhalten, obwohl die Märkte nicht zuletzt wegen weiterer Dividendenkürzungen und Gewinnwarnungen auch in den kommenden Wochen volatil bleiben dürften. Chancen dürften sich insbesondere in den Sektoren Gesundheit und IT bieten, deren Produkte und Leistungen derzeit besonders gefragt sind.

Aktien machen Verluste teilweise wett

Aktien machen Verluste teilweise wett

Letzter Datenpunkt: 17.04.2020
Quelle: Datastream, Credit Suisse

Rohstoffe: Ölpreis dreht ins Negative, Volatilität bleibt hoch

Am Ölmarkt hat sich Historisches ereignet, als die WTI-Preise für die Lieferung im Mai in den negativen Bereich sanken. Ursache dafür war, dass aufgrund des aktuellen Überangebots alle Lagerkapazitäten aufgebraucht waren. Der massive Preissturz sollte aber die Produktionskürzungen beschleunigen. Wenn sich die Nachfrage im Laufe des zweiten Halbjahres langsam erholt, dürfte der Lageraufbau gestoppt werden und die Preise dürften sich wieder stabilisieren. Bis auf Weiteres werden die Märkte aber sehr nervös bleiben.

Anlegen: Rohölpreis rutscht in den Negativbereich

Rohölpreis rutscht in den Negativbereich

Letzter Datenpunkt: 20.04.2020
Quelle: Bloomberg, Credit Suisse

Immobilien: Schweizer Wohnungsmarkt ist ein stabiler Anker

Auch der Immobilienmarkt wird sich der Pandemie nicht entziehen können. Mit einer Verkaufswelle bei Wohneigentum ist jedoch in keiner Weise zu rechnen. Denn im Vergleich zur Miete bleibt das Eigentum hierzulande die günstigere Option, und die fiskalpolitischen Massnahmen des Bundes dürften die Einkommensausfälle der Haushalte begrenzen. Zudem wird die überwiegende Mehrheit der Eigentümer ihre Hypothekenschuld auch weiterhin bedienen können, wurden sie doch bei der Kreditvergabe auf drei- bis viermal höhere Zinskosten geprüft.

Hypothekenkosten bleiben in der Schweiz auf tiefem Niveau

Hypothekenkosten bleiben in der Schweiz auf tiefem Niveau

Letzter Datenpunkt: 2019
Quelle: Credit Suisse, Schweizerische Nationalbank, Bundesamt für Wohnungswesen

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