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Anlegen im Mai: Unsere Einschätzungen in Kürze

Die Sicht der Credit Suisse auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Wirtschaft und Finanzmärkte und die Implikationen für Anleger. Angesichts der Sorgen um Handelskonflikte und Unsicherheiten bezüglich des Kurses der Notenbanken bleiben die Schwankungen an den Finanzmärkten hoch.

Nach der jüngsten Aktienmarktschwäche aufgrund der geopolitischen Spannungen rücken nun die Berichtssaison zum 1. Quartal 2018 und damit die guten Fundamentaldaten der Unternehmen in den Fokus. Wir bleiben deshalb bei Aktien übergewichtet. Schwellenländeraktien scheinen uns besonders attraktiv. Bei Aktien der USA wie auch der Eurozone ist die Strategie nun neutral.

Innerhalb der Sektoren bevorzugen wir IT-, Finanz-, Energie- und Telekomtitel. Anleihen bewerten wir weiterhin neutral mit einer Präferenz für Schwellenländeranleihen in Lokalwährung und Wandelanleihen. Von inflationsgeschützten Anleihen und Finanzanleihen erwarten wir jedoch keine Outperformance mehr. Wir schliessen auch unsere Übergewichtung bei globalen Immobilienaktien. Innerhalb des Segments werden Schweizer Immobilientitel untergewichtet.

Handelsstreitigkeiten beinträchtigen nicht wesentlich

Einige vorauslaufende Indikatoren haben jüngst zwar nachgegeben, und die andauernden Handelsstreitigkeiten bergen durchaus Abwärtsrisiken für den Wirtschaftsausblick. Fundamental präsentiert sich die globale Wirtschaftslage aber nach wie vor robust: Weltweit profitieren Konsumenten von soliden Arbeitsmärkten, die Unternehmen investieren wieder vermehrt, und der internationale Handel gewinnt sogar an Schwung. Gleichzeitig bleibt die Kerninflation vergleichsweise niedrig und sollte im Jahresverlauf nur leicht nach oben tendieren.

Aufholjagd der MEM-Industrie

2018 dürften die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) sowie die chemische Industrie zu den grössten Gewinnern im Exportgeschäft gehören. Diese Branchen litten zuvor am meisten unter der Aufwertung des Schweizer Frankens und der schleppenden Konjunktur in Europa. Nun profitieren sie dafür umso stärker von der Franken-Abwertung und dem Boom im nahen Ausland.

Die Pharmaindustrie – der Wachstumsgarant in den Krisenjahren – hat demgegenüber an Schwung eingebüsst. Ablaufende Patente fallen hierbei stärker ins Gewicht als Konjunktur und Wechselkurs.

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Schweizer Exportwachstum: Nicht mehr nur Pharma

Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse

Zinsen: Neuer Fed-Chef, unveränderter Kurs

Die US-Notenbank (Fed) hat das Zinsniveau unter ihrem neuen Chef Jerome Powell weiter angehoben. Die Währungshüter erhöhten im März den Schlüsselsatz um einen Viertelpunkt. In Anbetracht der durch Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen zusätzlich stimulierten Konjunktur erwarten wir 2018 drei weitere Leitzinserhöhungen in den USA.

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ihr Wertpapierkaufprogramm im September beenden und ihre Leitzinsen ab 2019 anheben. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird wohl 2019 an der Zinsschraube zu drehen beginnen.

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US-Notenbank erhöht Leitzins weiter

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Währungen: Euro-Franken-Kurs im Aufwärtstrend Richtung 1.20

Der zuletzt rasche Anstieg vom Verhältnis von Euro zu Schweizer Franken könnte zwar etwas an Schwung verlieren – der Aufwärtstrend sollte sich aber in den kommenden Monaten fortsetzen. Der Franken bleibt gemäss unseren Berechnungen gegenüber dem Euro immer noch leicht überbewertet.

Risiken wie globale Handelsquerelen oder die harzige Regierungsbildung in Italien scheinen den Euro-Franken-Kurs derzeit kaum zu belasten, vermutlich weil der Wirtschaftsausblick in der Eurozone positiv bleibt. Das auch global gute Wirtschaftsumfeld und die tiefen Zinsen mindern die Nachfrage nach dem «sicheren Hafen» Franken.

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Euro-Franken-Kurs unter 1.20 weiter günstig bewertet

Quelle: Bloomberg, Credit Suisse

Aktien: Neutrale Einschätzung gegenüber USA und Eurozone

Die leichte Konjunkturabschwächung und Schlagzeilen zum internationalen Handel haben die Aktienmarktvolatilität im letzten Monat hoch bleiben lassen. Wir glauben jedoch, dass sich die unseres Erachtens starke Berichtsaison für das 1. Quartal 2018 positiv auf Aktien auswirken sollte.

Weil auch US-Unternehmen weiterhin eine starke Gewinndynamik zeigen sollten, haben wir unsere Einschätzung gegenüber US-Aktien auf Neutral angehoben. Aktien der Eurozone sollten eine ähnliche Performance zeigen. Schwellenländeraktien bleiben unser bevorzugtes Segment.

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Euro-Aufwertung belastet Aktien im Euroraum

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Rohstoffe: Aufwärtspotenzial bei Industriemetallen

Die Rohstoffpreise reagierten nervös auf die jüngsten geopolitischen Spannungen und Handelsstreitigkeiten. Der Preis von Rohöl (Brent) stieg wieder auf über 70 US-Dollar pro Fass, obwohl die Lager derzeit nicht knapp sind. Rekordhohe Long-Positionen am Markt reflektieren jedoch Sorgen über mögliche Lieferunterbrüche.

Anleger kauften auch Gold, aber die Preise reagierten nur wenig. Wir erwarten hier eine anhaltende Seitwärtsbewegung. Bei den Industriemetallen sehen wir hingegen dank der saisonal stärkeren Nachfrage in China zumindest temporär einen Preisanstieg.

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Höhere Preise für Industriemetalle

Quelle: Bloomberg, Credit Suisse

Immobilien: Tragbarkeitshürde bei Wohneigentum bleibt hoch

Ein Wohneigentümer mit durchschnittlichem Einkommen musste 2017 für eine neue Wohnung mittleren Standards 18.6% seines Einkommens für Hypothek, Amortisationszahlung und Unterhalt aufwenden. Trotzdem bleibt vielen Haushalten der Zugang zu Wohneigentum verwehrt. Neben den Kapitalanforderungen stellt die regulatorisch vorgegebene kalkulatorische Tragbarkeit eine hohe Hürde dar. 2017 hätte ein Durchschnittshaushalt kalkulatorisch 38.4% seiner Einkünfte für eine neue Eigentumswohnung aufwenden müssen – ein Wert, der deutlich über der kritischen Schwelle von 33% liegt.

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Tragbarkeit von Wohneigentum

Für Durchschnittshaushalt in % des Einkommens unter folgenden Parametern: Neubau, 1% Unterhalt, 80% Belehnung, Amortisation auf 2/3 innert 15 Jahren
Quelle: Credit Suisse