Anlegen im Juni: unsere Einschätzungen in Kürze
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Anlegen im Juni: unsere Einschätzungen in Kürze

Die Sicht der Credit Suisse auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Wirtschaft und Finanzmärkte sowie die Implikationen für Anleger. Der fortschreitende Normalisierungsprozess der Wirtschaft erfreut, hat aber auch seine Tücken in Bezug auf die Finanzmärkte. Als Schutz vor erhöhter Volatilität hält die Credit Suisse ihre Aktienallokation vorerst neutral.

Zurückhaltung zum Schutz vor steigender Volatilität

Lieferengpässe und Basiseffekte führen derzeit zu höheren Inflationsraten, was unter Anlegern die Sorge vor einer unerwartet frühen Straffung der Geldpolitik weckt. Experten der Credit Suisse glauben zwar, dass diese Faktoren temporär sind und von den Zentralbanken ignoriert werden. Gleichzeitig erhöhen aber teils überzogene Aktienbewertungen das Risiko von Korrekturen zusätzlich. Die Credit Suisse bleibt daher bei der Aktienallokation neutral, um die Portfolios vor kurzfristig höherer Volatilität zu schützen. Um trotzdem von der Erholung zu profitieren, werden Staatsanleihen unter- und Rohstoffe übergewichtet sowie zyklische Aktienmärkte wie Spanien, Deutschland oder Grossbritannien bevorzugt.

Konjunktur: Schweizer Industrie im Erholungsboom

In den meisten Industrieländern werden dank Impffortschritt die Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus gelockert. Damit springt der Konsum quasi automatisch an. Gleichzeitig nimmt die Industrieproduktion weiter Fahrt auf. Die Lage gestaltet sich jedoch uneinheitlich. Zudem ist bei der Interpretation von Wirtschaftsindikatoren, die den heutigen Zustand mit demjenigen von vor einem Jahr vergleichen, Vorsicht geboten. Angesichts des damals markanten Einbruchs sind Rekordwerte rasch erreicht.

Die Erholung der Schweizer Industrie schreitet angesichts des Wiederanspringens der Weltwirtschaft und der überproportionalen Nachfrage nach Gütern derart rasch voran, dass verbreitet Knappheit auftritt, welche die Preise steigen lässt. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie notiert ebenso auf einem historischen Höchststand wie die Subkomponenten, mit denen die Preisentwicklung und die Lieferfristen gemessen werden. Der Kapazitätsaufbau verläuft indes schleppend – ein Zeichen gewisser Skepsis der Unternehmen hinsichtlich der Dauer des Booms.

Finanzmärkte: Einkaufsmanagerindex erreicht neuen Rekordstand

Industrie-PMI mit neuem Rekordstand

Letzter Datenpunkt: April 2021
Quellen: procure.ch, Credit Suisse

Zinsen und Obligationen: Eine Reduktion der Anleihenkäufe ist erst 2022 zu erwarten

Die Wirtschaftserholung facht die Erwartung an, dass die Zentralbanken ihre Anleihenkäufe reduzieren. Tatsächlich haben die Zentralbanken von Kanada (BoC), Grossbritannien (BoE) und Japan (BoJ) dies bereits getan. Global fällt das aber kaum ins Gewicht, weil 80 Prozent der Käufe auf die US-Notenbank (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) entfallen. Letztere hat ihre Käufe jüngst sogar aufgestockt und die Fed dürfte die derzeit höhere Inflation tolerieren. Eine substanzielle Reduktion der Anleihenkäufe – auch Tapering genannt – ist erst 2022 zu erwarten, Zinserhöhungen noch später.

Anlegen: noch keine Reduktion der Anleihenkäufe durch EZB und Fed

Noch keine Reduktion der Anleihenkäufe durch EZB und Fed

Letzter Datenpunkt: April 2021, danach Prognose Credit Suisse
Quellen: Haver Analytics, Credit Suisse

Währungen: wenig Aufwertungspotenzial des Euro zum Schweizer Franken

Der Schweizer Franken hat im vergangenen Monat einen Teil der Verluste des ersten Quartals gegenüber dem Euro wieder aufgeholt. Bis Ende Jahr dürfte sich der Schweizer Franken insgesamt nur leicht abschwächen. Zwar sollten «sichere Häfen» nun weniger nachgefragt sein als im Krisenjahr 2020 und der Euro dürfte Unterstützung von der Wirtschaftserholung in Europa erhalten. Angesichts der weiterhin sehr lockeren Geldpolitik der EZB und des möglichen Aufflammens politischer Unsicherheiten bleibt das Aufwertungspotenzial des Euro aber eher beschränkt.

Finanzmärkte: Entwicklung des Schweizer Frankens

Schweizer Franken dürfte sich bis Ende 2021 gegenüber dem Euro leicht abschwächen

Letzter Datenpunkt: 17.5.2021
Quellen: Bloomberg, Credit Suisse

Aktien: Unternehmen übertreffen Erwartungen

Die Berichtssaison zum ersten Quartal war überzeugend und die Mehrheit der Unternehmen konnte die Umsatz- und Gewinnerwartungen übertreffen. Vielerorts wurden die Erwartungen sogar weiter erhöht. Im derzeitigen Marktumfeld gelten ausgewählte zyklische und generell attraktiv bewertete Marktsegmente als interessant. Hierzu zählen weiterhin Finanzwerte sowie der Materialsektor, aber auch britische, deutsche und spanische Aktien. Ebenso sehen Experten der Credit Suisse bei Small Caps wie auch bei gewissen Energiewerten weiteres Potenzial.

Aktien: Erholung der Unternehmensgewinne

Die Unternehmensgewinne erholen sich

Letzter Datenpunkt: 10.5.2021
Quellen: Factset, Credit Suisse

Rohstoffe: Erholung dauert an – Renditepotenzial nimmt ab

Die Rohstoffpreise haben jüngst weiter zugelegt, da sich die Wirtschaft nach wie vor in einer rohstoffintensiven Wachstumsphase befindet. Rohstoffengagements bieten aus Anlegersicht weiterhin Diversifikationsvorteile und einen gewissen Inflationsschutz. Gleichzeitig schmälert die markante Preiserholung vorwärtsblickend das künftige Renditepotenzial. Der Goldpreis ist dank wieder tieferer US-Realzinsen angesprungen. Da aber mittelfristig mit einem Anstieg der Realzinsen zu rechnen ist, scheint das Potenzial für Gold sehr beschränkt.

Anlegen: Anstieg der Rohstoffpreise setzt sich fort

Anstieg der Rohstoffpreise hat sich fortgesetzt

Letzter Datenpunkt: 14.5.2021
Quellen: Bloomberg, Credit Suisse

Immobilien: Hypothekenzinsen steigen zaghaft

Mit dem Impffortschritt und den Lockerungen der Corona-Massnahmen dürfte sich die Schweizer Wirtschaft deutlich erholen. Trotzdem wird vorerst kein Zinsschritt durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) erwartet. Als Folge von höheren Inflationserwartungen haben sich jedoch die Zinssätze für Fix-Hypotheken mit längeren Laufzeiten seit Jahresbeginn spürbar erhöht. In den kommenden zwölf Monaten ist mit einem weiteren leichten Anstieg um 5 bis 20 Basispunkte zu rechnen.

Finanzmärkte: leicht höhere Zinssätze bei Fix-Hypotheken

Leicht höhere Zinssätze bei Fix-Hypotheken

Letzter Datenpunkt: 17.5.2021
Quelle: Credit Suisse

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