Anlegen im Juni: defensive Schweizer Aktien übergewichten
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Anlegen im Juni: unsere Einschätzungen in Kürze

Die Sicht der Credit Suisse auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Wirtschaft und Finanzmärkte und die Implikationen für Anleger. Trotz guten Chancen auf eine baldige Erholung der Konjunktur sind Rückschläge an den Märkten nicht ausge­schlos­sen. Für Anleger lohnt sich ein Blick auf Schweizer Aktien.

Defensives Aktienübergewicht beibehalten

In den letzten Wochen hat sich an den Märkten viel Anlagebedarf angestaut, da bisher weitaus nicht alle Anleger an der Erholung teilgenommen haben. Dies stützt die Aktienkurse. Investoren müssen aber jederzeit mit schlechten Nachrichten und Rückschlägen rechnen. In diesem Umfeld bietet sich besonders der defensive Schweizer Heimmarkt an, um eine Aktien-Übergewichtung zu implementieren. Auch Hartwährungsanleihen der Schwellenländer und hochverzinsliche Unternehmensanleihen sind zurzeit attraktiv. Im tieferen Risikobereich sind darüber hinaus Investment-Grade-Anleihen interessant, da die Zinsaufschläge noch ansehnlich sind und die Kurse von den Zentralbanken gestützt werden.

Konjunktur: Nachholpotenzial beim Konsum wird nicht voll ausgeschöpft

Die globale Industrieproduktion erlebt den tiefsten Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Würde sich die chinesische Industrie nicht bereits wieder erholen, wäre der momentane Einbruch sogar ähnlich tief wie derjenige während der Grossen Depression der 1930er-Jahre. Allerdings werden die Lockdown-Massnahmen mittlerweile vielerorts gelockert, und Staaten sowie Zentralbanken stützen die Konjunktur. Entsprechend ist mit einer baldigen Erholung zu rechnen. Diese wird jedoch eher schleppend verlaufen.

Trotz Einbruch der Wirtschaftsleistung, rekordhohen Anträgen auf Kurzarbeit sowie steigender Arbeitslosigkeit haben die Schweizer Haushalte während des Lockdowns Geld gespart – im Durchschnitt schätzungsweise 2’000 Schweizer Franken. Dies, weil die Konsummöglichkeiten eingeschränkt waren, während der Staat und die Arbeitslosenkassen finanzielle Unterstützung bereitgestellt haben. Angesichts der weiterhin hohen Unsicherheit und der unterschiedlichen Betroffenheit dürfte aber vorerst nur ein Teil dieser Ersparnisse in den Konsum fliessen und ein noch geringerer in die Unternehmensinvestitionen.

Finanzmärkte: Schweizer Haushalte haben Nachholpotenzial in Sachen Konsum

Schweizer Haushalte konnten wegen der Zwangskonsumpause Geld sparen

Veränderung des Haushaltseinkommens während des zweimonatigen Lockdowns
Quelle: Credit Suisse

Zinsen: Die SNB sieht bis auf Weiteres von Zinssenkungen ab

Weltweit hat in der Corona-Krise keine Zentralbank mit Negativzinsen die Leitzinsen weiter gesenkt. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird dies nach wie vor nicht tun. Eine Zinssenkung würde im aktuellen Umfeld den Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken kaum reduzieren, umgekehrt aber die Banken belasten. Entsprechend bleiben Devisenankäufe die wichtigste Massnahme zur Schwächung der Währung. Gemäss unseren Schätzungen hat die SNB seit Anfang Jahr für 70 Milliarden Schweizer Franken Devisen gekauft – mehr als unmittelbar nach Aufhebung der Euro-Untergrenze 2015.

Finanzmärkte: Sichtguthaben der Banken bei der SNB steigen weiter

Einlagen der Banken bei der SNB steigen weiter an

Wöchentliche Veränderung der Sichtguthaben der Banken bei der SNB, in Mia. CHF
Letzter Datenpunkt: 15.5.2020
Quellen: Schweizerische Nationalbank, Credit Suisse

Währungen: SNB verhindert Aufwertung des Schweizer Franken

Der Schweizer Franken handelte zuletzt in einer engen Spanne gegenüber dem Euro. Der Euro-Wechselkurs bewegte sich nahe – aber nicht unter – der Marke von 1.05 Schweizer Franken. Die Devisenmarktinterventionen der SNB haben offensichtlich eine weitere Aufwertung des Schweizer Franken verhindern können. Angesichts seiner Überbewertung erwarten wir bei einem weiteren Abflauen der Viruspandemie und einer Erholung der globalen Wirtschaftsaktivität einen wieder etwas schwächeren Schweizer Franken.

Anlegen: Eurokurs bleibt stabil um 1.05 Schweizer Franken

Der Eurokurs bewegt sich nahe der Grenze von CHF 1.05 

Letzter Datenpunkt: 15.5.2020
Quellen: Datastream, Credit Suisse

Aktien: Schweizer Aktien sind weiterhin solid

Auch wenn die eher zyklischen Märkte in Erwartung einer wirtschaftlichen Erholung ihren Rückstand aufholen sollten, bleibt der defensive Schweizer Aktienmarkt attraktiv. Nicht zuletzt, weil sich der Pharmasektor weiter gut behaupten sollte. Global bietet der Technologiesektor Aufwärtspotenzial. Zum einen sind die Wachstumstreiber weiterhin intakt, zum anderen scheint die Bewertungsprämie in Anbetracht von höheren Wachstumsraten, Margen und Gewinnen momentan eher noch tief zu sein.

Aktien der IT-Branche bieten attraktive Chancen

IT-Aktien zeigen einen anhaltend positiven Trend

Relative Entwicklung gegenüber Weltaktien (1.1.2011 = 100)
Letzter Datenpunkt: 9.5.2020
Quellen: Datastream, Credit Suisse

Rohstoffe: Ölmarkt zeigt zunehmend Anzeichen einer Erholung

Nach den jüngsten Turbulenzen am Ölmarkt haben die Preise wieder etwas Boden gefunden. Produzenten haben begonnen, Produktionskürzungen zu implementieren, während die Nachfrage ihren Tiefpunkt wohl durchschritten hat. Ein gradueller Erholungsprozess sollte den Preis für Brent über die kommenden sechs bis zwölf Monate wieder auf über 40 US-Dollar ansteigen lassen. Gold profitiert weiterhin von den extrem tiefen Zinsen.

Anlegen: Ölpreise stehen vor Erholung

Ölpreise haben den Tiefpunkt durchschritten

Letzter Datenpunkt: 15.5.2020
Quellen: Bloomberg, Credit Suisse

Immobilien: Hypothekenzinsen bleiben weiterhin sehr tief

Nachdem sich die Zinssätze für Fix-Hypotheken als unmittelbare Folge der Corona-Krise kurzfristig sprunghaft erhöht hatten, sind sie in den letzten Wochen wieder gesunken. In den kommenden zwölf Monaten rechnen wir im Zuge einer etwas steileren Zinskurve mit einem leichten Anstieg der Zinssätze für Fix-Hypotheken. Dagegen dürften die Zinssätze von Libor-Hypotheken auf ihren Tiefstständen ver-harren. Somit bleiben die Zinsen historisch auf sehr tiefem Niveau, was nicht zuletzt die Preise von Eigenheimen stützen sollte.

Anlegen: Zinsen für Hypotheken bleiben sehr tief

Historisch tiefes Zinsniveau bei Hypotheken setzt sich fort

Letzter Datenpunkt: 18.5.2020
Quelle: Credit Suisse

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