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Anlegen im Juni: Unsere Einschätzungen in Kürze

Die Sicht der Credit Suisse auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Wirtschaft und Finanzmärkte und die Implikationen für Anleger. Aktien bleiben trotz Erhitzung des Handelsstreits attraktiv. Doch die Schweizer Industrie stagniert.

Globale Aktien weiterhin übergewichtet

Wir behalten unsere Übergewichtung globaler Aktien mit einer Präferenz für Schwellenländer und die USA bei. Letztere erlauben eine Partizipation am globalen Wachstum des Technologiesektors und sollten sich im gegenwärtigen Umfeld geopolitischer Spannungen als robust erweisen.

Auch favorisieren wir weiterhin Schwellenländeraktien, wobei deren Potenzial für Schweizer Anleger durch den von Positiv auf Neutral gestuften Ausblick auf lokale Schwellenländerwährungen begrenzt sein dürfte. Der Cash-Anteil bleibt reduziert. Bei den übrigen Anlageklassen halten wir uns an die langfristige neutrale Gewichtung.

Konjunktur: Schweizer Industrie stagniert

Trotz der Schwäche der globalen Industrieproduktion hat sich das Bruttoinlandprodukt in den Industrieländern im 1. Quartal 2019 robust entwickelt. Dafür verantwortlich war primär die Konsumnachfrage, die vom Stellenaufbau und Lohnwachstum im Dienstleistungssektor getragen wurde. Sofern der Handelsstreit nicht weiter eskaliert, sollte die Industrieproduktion nach Abschluss des Lagerabbaus, der derzeit läuft, wieder auf den Wachstumspfad einbiegen.

Der Schweizer Einkaufsmanagerindex (PMI) rutschte im April erstmals seit 2015 unter die Wachstumsschwelle. Wie vor gut vier Jahren ist auch Anfang 2019 die Ursache dafür in Europa zu finden. Während die Industrie 2015 aber in erster Linie an preislicher Wettbewerbsfähigkeit einbüsste, nachdem die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufgehoben hatte, ist die aktuelle Nachfrageschwäche aus der Eurozone weniger auf einen starken Schweizer Franken zurückzuführen, sondern eher auf die geringe Industrieaktivität in Europa.

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Schweizer PMI rutscht unter Wachstumsschwelle

Quelle: procure.ch, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: April 2019

Obligationen: Markt mit selektiven Möglichkeiten

Schweizer Obligationen bieten für Phasen erhöhter Risiken nach wie vor eine gewisse Absicherung, allerdings weisen grosse Teile des Marktes nur marginal positive Renditen auf. Insgesamt erachten wir in allen Märkten eine sorgfältige und angemessene Auswahl für nötig.

Dies gilt nicht nur für Unternehmens-, sondern auch für Schwellenländeranleihen. Letztere bieten nach wie vor interessante Renditen, allerdings ist bei der Selektion der Einfluss sowohl des Emittentenprofils als auch des jeweiligen Länderrisikos zu berücksichtigen.

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Leitzinsen in den USA deutlich höher als in Europa

Quelle: Bloomberg, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 05.05.2019

Währungen: Neutraler Ausblick für Hauptwährungen

Die Volatilität an den Währungsmärkten hat aufgrund der politischen Spannungen zugenommen, bleibt aber für die meisten Währungspaare auf einem relativ tiefen Niveau. Entsprechend haben wir einen neutralen Ausblick für Euro und US-Dollar und US-Dollar und Schweizer Franken.

Für Schwellenländerwährungen gehen wir zu einer neutralen Haltung über, da die Wirtschaftsaussichten etwas gemässigter ausfallen. Daneben haben wir auch die Beurteilung von Britischen Pfund und Schweizer Franken auf Neutral zurückgestuft, da die Unsicherheiten über den Ausgang des Brexit-Prozesses vorübergehend zugenommen haben.

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Bessere Wirtschaftsdaten dürften Euro und US-Dollar unterstützen

Quelle: Datastream, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 15.05.2019

Aktien: Auch Schweizer Titel bleiben attraktiv

Wir bleiben gegenüber Schweizer Aktien neutral eingestellt und erachten das Aufwärtspotenzial nach der bisher starken Kursentwicklung vorerst als begrenzt. Bessere Chancen attestieren wir im aktuellen Umfeld den USA und ausgewählten Schwellenländern.

Diese haben einen grösseren geldpolitischen Spielraum und eine weniger defensive Sektorenzusammensetzung als der Schweizer Markt. Gerade die USA dürften von der soliden Binnenwirtschaft, einer geringeren Abhängigkeit vom Aussenhandel und nicht zuletzt vom starken IT-Sektor profitieren.

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Schweizer Unternehmen sind stark exportorientiert

Quelle: OECD, World Bank, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 2017

Rohstoffe: Rückschlag wegen neuer Handelsrisiken

Rohstoffpreise erlitten als Folge des neu aufgeflammten Handelskonflikts einen Rückschlag. Die zyklischen Industriemetalle sind besonders anfällig auf Wachstumsrisiken in China. Der Ölpreis hielt sich aufgrund anhaltender Versorgungsrisiken besser, die Reaktion der OPEC auf die jüngste Angebotsverknappung wird aber für die kurzfristige Ölpreisentwicklung wichtig sein.

Aufgrund der Unsicherheiten ist unsere Haltung derzeit neutral. Erhöhte geopolitische Risiken sprechen für Gold, die anhaltende Stärke des US-Dollar stellte bis anhin jedoch ein Hindernis dar.

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Rohstoffe eng mit Chinas Konjunktur verbunden

Quelle: Bloomberg, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: April 2019

Immobilien: Hohes Angebot lastet auf Schweizer Mieten

Über 5 Prozent aller Mietwohnungen stehen leer. Die Angebotsziffer bewegt sich damit weiterhin im Bereich des höchsten Niveaus der vergangenen 13 Jahre. Ausserhalb der besten Lagen in den Agglomerationen hat sich die Marktmacht daher von den Vermietern auf die Mieter verlagert.

Um längere Leerstände zu vermeiden, müssen Erstere zunehmend die Mietpreisschraube lockern. Gemäss Wüest Partner sanken die Mieten ausgeschriebener Wohnungen im 1. Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahresquartal um 1.9 Prozent.

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Über 5 Prozent der Mietwohnungen auf Portalen ausgeschrieben

Quelle: Meta-Sys AG, Wüest Partner, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 1.Q 2019

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