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Anlegen im Juni: Unsere Einschätzungen in Kürze

Die Sicht der Credit Suisse auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Wirtschaft sowie Finanzmärkte und die Implikationen für Anleger. Der Ausblick für die globale Konjunktur sowie Aktien – und neu auch für Rohstoffe – ist positiv. Das Wirtschaftswachstum dürfte im zweiten Halbjahr überdurchschnittlich ausfallen.

Wir bestätigen unsere Übergewichtung von globalen Aktien und setzen nun neben Schwellenländern neu auch bei Grossbritannien einen Schwerpunkt. Zudem empfehlen wir Energie-, Finanz-, Technologie- und Telekommunikationstitel, bleiben aber bei Industrieaktien vorsichtig.

Im Anleihensegment erwarten wir eine schwache Performance von Staatsanleihen und bevorzugen stattdessen selektiv Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen und Wandelanleihen. Zu guter Letzt sind wir neu positiv in Bezug auf Rohstoffe (insbesondere Industriemetalle).

Konjunktur: Schweizer Industrie nahe der Kapazitätsgrenze

Das Wachstumstempo der Weltwirtschaft hat sich jüngst zwar etwas verlangsamt, wobei der kalte Winter die Wirtschaftsaktivität beidseits des Atlantiks zusätzlich bremste. Der Ausblick bleibt aber positiv: Die Haushalte sollten dank steigender Löhne und verbesserter Arbeitsmarktlage rege konsumieren und die Unternehmen investieren wieder.

Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Schweiz befindet sich in klar expansivem Terrain und widerspiegelt eine solide Industriekonjunktur. Der genaue Blick auf die PMI-Umfrage zeigt bereits Zeichen von Engpässen: So steigen die Einkaufspreise, und es hat selten länger gedauert als heute, bis bestellte Ware eintrifft. Im April haben Unternehmen deshalb wieder vermehrt Personal eingestellt und Bestellmengen sowie Lager aufgestockt. Die hohe Auslastung der Kapazitäten sollte auch die Investitionstätigkeit beleben.

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Schweizer Wirtschaft: Deutliche Zeichen von Knappheit

Quelle: procure.ch, Credit Suisse

Zinsen: SNB ist der EZB bei der Normalisierung voraus

Die US-Notenbank (Fed) ist bei der Normalisierung der Geldpolitik am weitesten fortgeschritten: Sie verringert langsam ihre Bilanzsumme und erhöht die Zinsen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat das Bilanzwachstum zwar gedrosselt, wird ihre Obligationenkäufe aber wohl erst im Dezember beenden und mit dem ersten Zinsschritt bis Mitte 2019 zuwarten.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wiederum vergrössert ihre Bilanz bereits seit knapp einem Jahr nicht mehr aktiv. Den ersten Zinsschritt erwarten wir im März 2019.

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Nur noch die EZB und die BoJ erhöhen ihre Bilanzsumme

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Währungen: Dollarstärke wohl nur kurzfristiger Natur

Bessere Wirtschaftsdaten in den USA als in Europa liessen den US-Dollar zuletzt aufwerten. Wir erwarten aber, dass sich die Wirtschaftsdynamik bald wieder angleichen wird. Zudem geht der Markt für die USA von zwei bis drei Zinsschritten aus, während die Zinserwartungen in Europa noch verhalten sind. Eine Verschiebung der Erwartungen könnte dem Euro Auftrieb geben.

Gleichzeitig geht vom steigenden US-Haushaltsdefizit Gegenwind für den US-Dollar aus. Wir erwarten, dass sich US-Dollar/Schweizer Franken über 12 Monate auf 0.94 abwertet.

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Schwächere Wirtschaftsdynamik hat den Euro belastet

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Aktien: Ausblick bleibt insgesamt positiv

Als Folge des soliden Gewinnwachstums konnten sich die Aktien weltweit von ihren Jahrestiefs erholen. Dazu beigetragen hat neben dem positiven Einfluss der US-Steuerreform auch ein vielerorts kräftiges Umsatzwachstum.

Innerhalb der Aktien setzen wir weiterhin bei den (asiatischen) Schwellenländern einen Schwerpunkt. Daneben erwarten wir neu auch für den britischen Aktienmarkt eine Outperformance, da dieser mit einem Übergewicht im Finanz- und Energiebereich stark von den von uns bevorzugten Sektoren geprägt wird.

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Solides Gewinnwachstum selbst ohne Steuereffekt

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Rohstoffe: Zyklische Rohstoffe mit weiterem Aufwärtspotenzial

Zeichen einer Konjunkturbeschleunigung und geopolitische Spannungen haben zu einem weiteren Anstieg der Rohstoffpreise geführt. Wegen der Konflikte in Nahost, vor allem der Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran seitens der USA, erreichten die Energiepreise neue Jahreshöchststände.

Auch wenn es zu keiner markanten Verknappung am Ölmarkt kommt, dürfte die Unsicherheit vorerst hoch bleiben. Grundsätzlich sollten die Rohstoffpreise, besonders zyklische Industriemetalle, aufgrund der wieder anziehenden Industrietätigkeit gestützt bleiben.

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Robustes Wachstumsumfeld stützt Rohstoffe

Quelle: Bloomberg, PMIPremium, Credit Suisse

Immobilien: Preise für Schweizer Wohneigentum steigen weiter

Im 1. Quartal 2018 verzeichneten die Wohneigentumspreise einen Zuwachs von 3.0 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Preisdynamik liegt jedoch noch immer unter dem langfristigen Mittel. Am stärksten fällt das Plus rund um Zürich, Luzern, Basel, Bern und Lausanne aus.

Dank der guten konjunkturellen Lage, den weiterhin tiefen Hypothekarzinsen sowie einer rückläufigen Bautätigkeit erwarten wir auch in den kommenden Quartalen ein Plus. Dieses dürfte aber etwas tiefer als die jüngsten Zahlen ausfallen.

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Preise für Schweizer Wohneigentum steigen seit Mitte 2017

Quelle: Wüest Partner, Credit Suisse