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Anlegen im Dezember: Unsere Einschätzungen in Kürze

Die Sicht der Credit Suisse auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Wirtschaft und Finanzmärkte und die Implikationen für Anleger. Aufgrund des Wirtschaftswachstums und der Ertragssituation der Unternehmen heben wir globale Aktien zu einem Übergewicht an. Bei alternativen Anlagen empfehlen wir neu ein Übergewicht an Schweizer Immobilien, da diese vom positiven Wirtschaftsumfeld profitieren.

Seit dem Tiefpunkt im März 2009 hat sich der amerikanische S&P500 Index fast vervierfacht. Die Performance der europäischen Aktienmärkte und diejenige des Schweizer Aktienmarktes war nicht ganz so stark, aber auch hier war die Rally fulminant. Ob sich der Aufwärtstrend fortsetzt, lässt sich naturgemäss nicht mit Sicherheit sagen. Aber ein Blick auf die Haupttreiber von Aktienkursen stimmt zumindest vorsichtig optimistisch.

Erstens: Solange die Weltwirtschaft expandiert – und dies scheint uns sehr wahrscheinlich –, tendieren die Aktienmärkte nach oben. Zweitens: Solange sich die Gewinnmargen bei steigenden Umsätzen halten, werden Aktienkurse gestützt. Geringer Lohn- und sonstiger Kostendruck deuten darauf hin.

Aktien übergewichten trotz hoher Bewertung

Drittens: Solange die Notenbanken nicht stark auf die Bremse treten und die Zinsen rapide anheben müssen – moderate Inflation lässt ihnen Zeit –, ist der Gegenwind für Aktien begrenzt. Viertens: Solange die Anlegerstimmung gut, aber nicht euphorisch ist, was uns die Indikatoren zeigen, ist die Gefahr stärkerer Rückschläge begrenzt.

Allerdings: Die meisten Bewertungsmasse für Aktien befinden sich auf hohen Niveaus. Das schränkt das Potenzial für Kursgewinne auf die mittlere Frist ein.

Globale Wirtschaft steht vor starkem Jahresabschluss

Die globale Konjunktur ist weiterhin in einer äusserst robusten Verfassung. In den USA herrscht faktisch Vollbeschäftigung, und die Wirtschaft dürfte bei einer Umsetzung der Steuerreformpläne weiteren Stimulus erhalten. Das Wachstum der Eurozone ist ungebrochen stark und dürfte sich auch 2018 auf hohem Niveau halten.

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Das Wachstum hat sich jüngst beschleunigt

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Wachstum in der Schweiz beschleunigt sich

Die Erholung der Schweizer Industrie setzt sich fort. Der von uns in Zusammenarbeit mit procure.ch erstellte Einkaufsmanagerindex, der die Konjunkturstimmung in der Industrie misst, ist im Oktober auf den höchsten Stand seit dem kurzen Erholungsspurt von 2011 gestiegen.

Prall gefüllte Auftragsbücher und die trotz reger Produktion praktisch unveränderten Lagerbestände an Fertigprodukten weisen auf eine Fortsetzung des positiven Trends hin. Sogar der Personalbestand wurde im Oktober aufgestockt, wenn auch nach wie vor in eher verhaltenem Tempo.

Zinsen: Weitere Leitzinserhöhungen in den USA

Bis Ende 2018 rechnen wir mit vier Leitzinserhöhungen von jeweils 0.25 Prozentpunkten in den USA. Damit käme der Leitzins der US-Notenbank (Fed) auf über 2 Prozent zu liegen. In der Eurozone dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) noch bis September 2018 Anleihen kaufen.

Einige Monate später, voraussichtlich Anfang 2019, ist auch in der Eurozone mit einer Zinserhöhung zu rechnen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird nur dann ihren Leitzins vor der EZB anheben, wenn der Schweizer Franken deutlich über EUR/CHF 1.20 handelt und die Inflation spürbar anzieht.

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Die US-Dollar-Zinsen steigen graduell an

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Währungen: US-Dollar könnte zum Franken über Parität klettern

Sofern die positive Stimmung an den Finanzmärkten anhält, sollte der US-Dollar gegenüber dem Schweizer Franken etwas aufwerten können. Weiter steigende US-Zinsen würden den Franken ebenfalls belasten, nicht zuletzt weil die SNB mit einer Zinserhöhung vermutlich länger zuwarten wird.

Sollten die USA bei ihrer Steuerreform schnell Fortschritte erzielen und sich der US-Wirtschaftsausblick weiter aufhellen, dürfte der US-Dollar gegenüber dem Franken mittelfristig über die Paritätsmarke steigen. Gegenüber dem Euro wird der US-Dollar unseres Erachtens jedoch mittelfristig nachgeben.

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Steuerreform sollte US-Zinsen und US-Dollar stützen

Quelle: Bloomberg, FactSet, Credit Suisse

Aktien Global: Weiteres Aufwärtspotenzial

Trotz eher hohen Bewertungen sehen wir – nicht zuletzt nach der jüngsten Korrektur – weiteres Aufwärtspotenzial bei den Aktien. Haupttreiber sind die Beschleunigung des globalen Wirtschaftswachstums und die weiterhin guten Gewinnaussichten, die in der jüngsten Berichtssaison bestätigt wurden.

Regional bevorzugen wir weiterhin zyklische Märkte wie die Eurozone und Japan. Unsere Sektorstrategie haben wir ebenfalls stärker auf den Konjunkturaufschwung ausgerichtet, indem wir Industrieaktien neben Gesundheitswesen, Energie und Telekommunikationsdiensten zu unseren bevorzugten Sektoren hinzugefügt haben.

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Vorlaufindikatoren lassen starke Umsätze erwarten

Quelle: Bloomberg, FactSet, Credit Suisse

Rohstoffe: OPEC-Meeting im Fokus

Rohstoffe haben den Aufwind ins vierte Quartal mitgenommen. Die Erwartungen beim Erdöl scheinen nun aber zu optimistisch. Vor allem ist unsicher, ob die geförderten Mengen wirklich gesunken sind. Deswegen halten wir an einer neutralen Einschätzung fest.

Das OPEC-Meeting vom 30. November ist das nächste Ereignisrisiko, da der Markt eine weitere Verlängerung der Produktionskürzungen im nächsten Jahr erwartet. Edelmetalle schätzen wir nach wie vor als anfällig ein, da die Nachfrage von Verarbeitern zurzeit wenig Unterstützung bietet, falls die US-Realzinsen wie erwartet etwas steigen.

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Positionierung am Ölmarkt äusserst optimistisch

Quelle: Bloomberg, Credit Suisse

Immobilien: Indirekte Immobilienanlagen liegen 2017 hinter Aktien zurück

2016 konnten indirekte Schweizer Immobilienanlagen im Vergleich mit heimischen Aktien (SPI) und dem internationalen Immobilienindex FTSE EPRA/NAREIT eine Überrendite erzielen.

2017 haben sich die Schweizer Immobilientitel (Aktien: +7.5 Prozent, Fonds: +3.1 Prozent) jedoch deutlich schwächer entwickelt als der SPI (+18.6 Prozent) oder der FTSE EPRA/NAREIT (+10.3 Prozent). Weiterhin Unterstützung erhalten die Schweizer Immobilienanlagen seitens der tiefen Zinsen, die dafür sorgen, dass die Ausschüttungsrenditen der Fonds (2.7 Prozent) und Aktien (3.8 Prozent) vergleichsweise attraktiv bleiben.

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Indirekte Immobilienrenditen entwickelten sich jüngst eher schwach

Quelle: Datastream, Credit Suisse