Anlegen im August: Übergewichtung von Aktien verfrüht
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Anlegen im August: unsere Einschätzungen, kurz und knapp

Die Sicht der Credit Suisse auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Wirtschaft und der Finanzmärkte und die Implikationen für Anleger. Die Lockerungen der COVID-Massnahmen fördern die Erholung der Schweizer Wirtschaft. Diese Erholung dürfte Unternehmensgewinne und langfristige Zinsen steigen lassen.

Mit Geduld und Umsicht beim Anlegen durch den Sommer

Auch wenn die Langfristzinsen jüngst gesunken sind, erwarten die Experten der Credit Suisse infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs für die kommenden Monate einen Wiederanstieg und halten daher am Untergewicht für Staatsanleihen fest. Die Erholung dürfte auch zu ungewöhnlich starkem Wachstum bei den Unternehmensgewinnen führen und so die derzeit erhöhten Aktienbewertungen zunehmend rechtfertigen. Im Moment scheint der Optimismus unter den Anlegern aber noch überzeichnet, sodass eine Übergewichtung von Aktien verfrüht sein dürfte. Mit dem Einsatz von überschüssigen liquiden Mitteln sollten Investoren lieber warten, bis sich taktisch bessere Gelegenheiten ergeben.

Konjunktur: Schweizer Mobilität bleibt pandemiegeprägt

Die Massnahmen werden vielerorts gelockert. Diese Lockerungen führen unmittelbar zu einer wirtschaftlichen Erholung. Dementsprechend ist dieses Jahr mit einem Anstieg des globalen Bruttoinlandprodukts um hohe 6,1 Prozent zu rechnen. Derweil haben Basiseffekte im Vergleich zum Vorjahr, Störungen in den Lieferketten und ein Nachfrageschub nach Gütern die Inflation jüngst auf hohe Werte schnellen lassen, insbesondere in den USA. Dieser Aufwärtsdruck sollte jedoch kontinuierlich nachlassen.

Die Schweizer Wirtschaft erholt sich rasant. Bis zum Ende der Pandemie und bis zur vollständigen Normalisierung dürfte es aber eine Weile dauern. So unterscheidet sich das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung nach wie vor von demjenigen von vor der Krise. Besonders markant sind die Abweichungen im öffentlichen Verkehr und beim Pendeln. Ein Blick auf die Länder, die der Schweiz beim Impffortschritt und bei den Lockerungen voraus sind, lässt vermuten, dass dies auch noch einige Zeit so bleiben wird.

Konjunktur: Schweizer Mobilität von Pandemie geprägt

Schweizer Mobilität bleibt von der Pandemie geprägt

Quelle: Google COVID-19 Community Mobility Report, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 27.6.2021

Zinsen und Obligationen: EZB würde höhere Inflation tolerieren

Wie die US-Notenbank (Fed) hat auch die Europäische Zentralbank (EZB) ein neues Inflationsziel. Neu soll die Inflation im Durchschnitt über die Zeit bei 2 Prozent liegen und nicht mehr «nahe, aber unter 2 Prozent». Das neue Ziel erlaubt es somit der EZB, ein temporäreres Überschiessen der Inflation zu tolerieren. Seit der physischen Einführung des Euro ist die Kerninflation (ohne Nahrungsmittel und Erdöl) in der Eurozone jedoch anhaltend tief. Um ihr neues Ziel zu erreichen, muss die EZB somit wohl noch länger an ihrer Tiefzinspolitik festhalten.

Zinsen und Obligationen: anhaltend tiefe Inflation in der Eurozone

Anhaltend tiefe Inflation in der Eurozone

Quelle: Datastream, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: Juni 2021

Währungen: vorübergehende Schwäche des Euros

Der Euro hat jüngst gegenüber dem Schweizer Franken wieder etwas an Terrain verloren. Diese Schwächephase sollte aber nur vorübergehend sein: Wir gehen weiterhin davon aus, dass sich der Euro gegenüber dem Schweizer Franken bis Ende des Jahres wieder etwas erholt. Sichere Häfen wie der Schweizer Franken dürften im Zuge der wirtschaftlichen Erholung und der generellen Normalisierung weniger nachgefragt sein. Die bis auf Weiteres enge Zinsdifferenz zwischen dem Schweizer Franken und dem Euro setzt dem Aufwertungspotenzial des Euro indes enge Grenzen.

Finanzmärkte: Erholung des Euro gegenüber dem Franken erwartet

Erholung des Euro gegenüber dem Franken erwartet

Quelle: Bloomberg, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 17.7.2021

Aktien: massiv höhere Unternehmensgewinne als im Vorjahr

In den kommenden Wochen wird sich der Fokus der Aktienanleger auf die Berichtssaison zum zweiten Quartal 2021 richten. Gemäss Umfragen des Datenanbieters FactSet geht die Mehrheit der Analysten davon aus, dass die Gewinne um mehr als 80 Prozent höher sein werden als im von der Pandemie belasteten Vorjahresquartal. Zum positiven Ergebnis werden voraussichtlich sämtliche Sektoren beitragen, wobei das Gewinnwachstum in den zyklischen Sektoren, wie bereits im ersten Quartal, am deutlichsten ausfallen sollte.

Aktien: erwarteter Gewinnwachstumsbeitrag pro Sektor

Erwarteter Gewinnwachstumsbeitrag pro Sektor

Quelle: FactSet, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 7.7.2021

Rohstoffe: Volatilität kehrt zurück

Die Rohstoffpreise haben jüngst wieder stärker geschwankt, und die darin reflektierte Nervosität dürfte Bestand haben. Mit einer Abschwächung der Industrieaktivität sollte der Druck auf die Lieferketten etwas abnehmen. Gleichzeitig hat die fehlende Einigung der Mitgliedstaaten der OPEC+ am Juli-Treffen zu Verunsicherung geführt. Diese bringt die Experten dazu, die positive Sicht auf Öl aufgrund eines verringerten Risiko-Rendite-Profils zu neutralisieren. Gold zeigt sich jüngst ebenfalls sprunghaft, wobei die Erwartungen bezüglich der Fed-Politik massgebend bleiben.

Anlegen: Rohstoffpreise mit Schwankungen

Rohstoffpreise mit Schwankungen

Quelle: Bloomberg, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 9.7.2021

Immobilien: Wohneigentum bleibt für Junge oft ein Traum

Zahlreiche Umfragen weisen darauf hin, dass Wohneigentum auch bei jüngeren Erwachsenen hoch im Kurs steht. Dieser Wunsch ist jedoch aufgrund des erreichten hohen Preisniveaus und der strikten Finanzierungshürden immer schwieriger umzusetzen. So sind heute rund 80 Prozent der 35-Jährigen Mieter und damit tendenziell mehr als früher. Für die Generationen Y und Z bedeutet dies, dass ihr Traum vom Eigenheim vielfach ein Wunsch bleiben wird, der sich erst im fortgeschrittenen Alter realisieren lässt.

Immobilien: Junge Erwachsene wohnen mehrheitlich zur Miete

Junge Erwachsene wohnen mehrheitlich zur Miete

Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: 2019

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