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Anlegen im April: Unsere Einschätzungen in Kürze

Die Sicht der Credit Suisse auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Wirtschaft und Finanzmärkte und die Implikationen für Anleger. Der Kampf gegen das Coronavirus dürfte die Weltwirtschaft auch noch in den kommenden Monaten schwächen. In der Schweiz ist mit einer kurzen Rezession zu rechnen.

Bei Aktienkäufen ist Vorsicht geboten

Aufgrund der erheblichen Kursrückgänge liegt der Aktienanteil bei vielen Anlegern derzeit unter dem langfristig angestrebten Niveau. Es stellt sich somit die Frage, ob Anleger wieder Aktien kaufen sollten. Von aggressiven Aktienkäufen wird abgeraten. Jene Anleger, die über hohe Barbestände verfügen und eine wohl weiterhin hohe Volatilität verkraften, können ihre Aktienpositionen graduell aufzustocken. Dies sollte aber mit Bedacht erfolgen, denn weitere Verwerfungen an den Märkten sind keineswegs ausgeschlossen.

Konjunktur: Kurze Rezession scheint in der Schweiz unvermeidbar

Die Weltwirtschaft wird in den kommenden Monaten stark an Schwung verlieren. In China scheint die Talsohle nach einem überaus heftigen Wachstumseinbruch immerhin bereits erreicht. Auch in anderen asiatischen Ländern ist mit einer graduellen Erholung zu rechnen. Die Eurozone und die USA befinden sich noch in der ersten Phase des Abschwungs.

Das Schweizer Wirtschaftswachstum wird 2020 deutlich schwächer ausfallen als bis vor Kurzem erwartet. Neu gehen wir im Jahresdurchschnitt von einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 0.5 Prozent aus. Die Wirtschaft wird einerseits durch die Massnahmen gegen die Verbreitung des Virus unmittelbar getroffen. Gleichzeitig sinkt die Nachfrage als Folge der Verunsicherung und der globalen Wachstumsverlangsamung. Sofern der Ausnahmezustand nicht zu lange andauert und Massnahmen wie die Kurzarbeit greifen, sollte der wirtschaftliche Schaden aber begrenzt bleiben.

Die Coronakrise führt zu einer leichten Rezession

Schweizer BIP, real, Index: 1.Q 1981 = 100 (ab 1.Q 2020: Prognose Credit Suisse)
Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Credit Suisse

Obligationen: Zentralbanken lockern nicht bloss die Zinsschraube

Die Zentralbanken haben mit zielgerichteten Massnahmen auf die Verschlechterung der Wirtschaftslage und den Stress im Finanzsystem reagiert. In der Eurozone und in der Schweiz war der Spielraum aufgrund der bereits negativen Zinsen gering, weshalb Zinssenkungen nicht im Vordergrund standen. Die US-Notenbank wiederum hat den Leitzins massiv gesenkt, sodass dieser mittlerweile ebenfalls fast bei null liegt. Dementsprechend gehen wir davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank auch in Zukunft nicht an der Zinsschraube drehen wird.

US-Leitzins liegt fast bei null

Letzter Datenpunkt: 18.03.2020
Quelle: Datastream, Credit Suisse

Währungen: Der US-Dollar zeigt sich unkonstant

Nach einer Phase geringer Volatilität ist es über den letzten Monat zu heftigen Ausschlägen am Devisenmarkt gekommen. Zuerst hat der US-Dollar wegen der starken Zinssenkung der US-Notenbank beträchtlich an Boden verloren. Wegen der zunehmenden Marktturbulenzen ist dann die Nachfrage nach Liquidität in US-Dollar weltweit nach oben geschnellt und hat zu einer beträchtlichen Aufwertung der Währung geführt. Besonders die stark zyklischen Währungen haben an Boden verloren. Die Liquiditätsspritzen der US-Notenbank und eine Beruhigung an den Finanzmärkten sollten in den kommenden Wochen die Aufwertung des US-Dollars auch gegenüber dem Schweizer Franken stoppen.

Der US-Dollar ist auf Achterbahnfahrt

Letzter Datenpunkt: 17.03.2020
Quelle: Credit Suisse

Aktien: Der heftige Gewinneinbruch ist vorübergehend

Neben der von den meisten Marktteilnehmern klar unterschätzten Coronavirus-Pandemie hat die hohe Bewertung der Aktien Anfang Jahr die Anfälligkeit der Märkte stark erhöht. In der Zwischenzeit hat sich die Überbewertung der Aktien aber weitgehend abgebaut. Insbesondere gegenüber Obligationen sehen Aktien nun klar attraktiv aus. Auch wenn die Zinsen jüngst leicht gestiegen sind, haben sie im Vergleich zu den Aktiendividenden wesentlich an Attraktivität eingebüsst. Eine Erholung der Aktienmärkte ist daher zunehmend wahrscheinlich.

Relative Attraktivität von Aktien gegenüber Anleihen nimmt zu

Letzter Datenpunkt: 13.03.2020
Quelle: Bloomberg, Credit Suisse

Rohstoffe: Überangebotssorgen spitzen sich zu

Unterbrüche in der Industrieaktivität machen den zyklischen Rohstoffen zu schaffen. Hinzu kommen die unerwartete Auflösung der Kooperation zwischen Russland und der OPEC sowie der Kampf um Marktanteile am Ölmarkt. Die Preise leiden daher sowohl unter einem Nachfrage- wie auch einem Angebotsschock. Sie sind nun derart weit gesunken, dass eine Angebotsanpassung nötig wird. Kurzfristig bleiben die Risiken aber sehr hoch. Gold ist wegen Liquiditätsengpässen unter Druck geraten, sollte sich aber erholen, sobald es den Zentralbanken gelingt, die Engpässe zu beseitigen.

Die Ölpreise sind markant gefallen

Letzter Datenpunkt: 16.03.2020
Quelle: Datastream, Credit Suisse

Immobilien: Coronavirus bringt Unsicherheiten am Immobilienmarkt

Der Schweizer Immobilienmarkt wird wegen der Corona-Krise den einen oder anderen Rückschlag einstecken müssen. Vor allem das Retail- und das Hotelsegment sind stark betroffen. Die Erholung auf dem Büromarkt dürfte zudem gestoppt werden. Dagegen zeigt sich der Wohnungsmarkt dank tiefer Hypothekenzinsen, solider Finanzierung und tiefer Produktion sehr stabil, sodass keine Preiseinbrüche zu erwarten sind. Bei den Renditeliegenschaften stützt das tiefe Zinsniveau die Immobilienwerte trotz wieder rascher steigender Leerstände.

Immobilienpreise bleiben dank knappem Angebot stabil

Baugesuche und -bewilligungen für Eigentumswohnungen (EWG) und Einfamilienhäuser (EFH), gleitende 12-Monats-Summe
Letzter Datenpunkt: 02.2020
Quelle: Baublatt, Credit Suisse

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