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Warum die Börsen immer noch Potenzial nach oben haben

2018 hat viele Anleger ernüchtert. Nichts scheint so leicht zu sein wie im letzten Jahr. Doch während viele Anleger bereits pessimistisch gestimmt sind, schwimmen wir lieber gegen den Strom. Lesen Sie sechs Gründe , weshalb der Aktienbullenmarkt noch länger andauern kann.

1. Hase und Igel: Der Langsame kommt schneller ans Ziel

Es gibt Anleger, die in jedem Quartal eine Wertsteigerung erwarten. Aber erfolgreiche Vermögensverwaltung funktioniert anders. Anlagerisiken kann man durch Diversifikation und Geduld in Rendite übersetzen.

Ein Beispiel: Der SMI hat seit Jahresbeginn fünf Prozent, Schweizer Anleihen haben ein halbes Prozent verloren. Ein 50/50-Portfolio der zwei Anlagen läge seit Jahresbeginn folglich um 2.75 Prozent im Minus. Doch unsere ausgewogenen Schweizer-Franken-Anlageportfolios haben ein Plus erwirtschaftet. Woher rührt dieser Unterschied? Es ist das unscheinbare Geheimnis der Diversifikation. Der geduldige, diversifizierte Anleger («der Igel») hat erneut besser abgeschnitten als Meister Lampe.

2. Unterschätzte Weltwirtschaft

Unterschätzen Sie nicht die wirtschaftliche Macht von sechs Milliarden Konsumenten und einer Milliarde Unternehmen, die tagtäglich für ihr wirtschaftliches Fortkommen kämpfen. Sie ist stärker als so mancher geopolitische Sturm. Die jüngste Verlangsamung der Einkaufsmanagerindizes ist nicht Vorläufer einer Rezession, sondern Ausdruck einer gesunden Weltwirtschaft, in der Lagerbewirtschaftung möglichst kapitalschonend erfolgt.

Für die Schweizer und für die Weltwirtschaft erwarten wir im zweiten Halbjahr eine leichte Beschleunigung. Diese Entwicklung wird sichtbar in steigenden Zinsen, steileren Zinsstrukturkurven wie auch in steigenden Rohstoffnotierungen.

Wahrscheinlich erleben wir das «Peak-Oil-Szenario» nicht.

Burkhard Varnholt, CIO Credit Suisse (Schweiz) AG

3. Wenn das Öl knapp wird

Eine Frage, die ich oft zum Thema Energie höre: «Wann geht uns das leicht zu fördernde Öl aus?» Meine Antwort: Immer langsam. Wahrscheinlich erleben wir dieses «Peak-Oil-Szenario» nicht. Die Ära fossiler Energieträger wird enden, wenn andere Quellen unseren Energiehunger sättigen werden. Das ist ein Grund, weshalb wir Energieaktien gegenüber Energie-Futures als Anlage vorziehen. Der zweite Grund: Die wahrscheinlich eintretende Angebotsverknappung von Öl aus dem Iran, aus Venezuela und möglicherweise auch aus dem Irak könnte sich für die Inhaber von Energieaktien als wirtschaftlicher Segen erweisen.

4. Steigende Zinsvolatilität ist positiv für Aktien

Nicht Inflation, sondern ein Anstieg der Realzinsen drückt gegenwärtig die Zinsen aufwärts. Das ist ein wichtiger Unterschied. Steigende Realzinsen laufen in acht von zehn Fällen steigenden Aktienbörsen um jeweils drei bis sechs Monate voraus. Denn erstens schmälern steigende Realzinsen die relative Attraktivität von Anleihen. Zweitens indizieren sie – im Unterschied zu steigenden Inflationserwartungen – gesundes Wirtschaftswachstum.

400

Milliarden USD Dividenden stehen 2018 in den USA bevor.

5. Rekordhohe Aktienrückkäufe und Dividenden

Gemäss der US-Zentralbank verfügen amerikanische Unternehmen über knapp drei Billionen US-Dollar Liquidität im Ausland. Ein grosser Teil davon dürfte dank der amerikanischen Steuerreform bald repatriiert und anschliessend über Aktienrückkäufe oder Dividenden in den Aktienmarkt zurückfliessen. Gemäss den aktuellen Geschäftsberichten steht 2018 ein Rekordjahr mit über 600 Milliarden Dollar Aktienrückkäufen und über 400 Milliarden Dollar Dividenden bevor. Wenn Sie bedenken, dass diese Rekordsumme von umgerechnet einer Billion Schweizer Franken fast vollständig in eigene Aktien investiert wird, dann wird anschaulich, weshalb Anleger nicht gegen solche Kaufwellen wetten sollten.

6. Gewinne schlagen Bewertungen

Viele Anleger überrascht, dass Kurs-Gewinnverhältnisse (KGVs) heute tiefer als zu Jahresbeginn liegen. Doch der Grund dafür ist einfach. In den USA zum Beispiel sind die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 im ersten Quartal um stolze 25 Prozent auf 1’200 Milliarden Dollar im ersten Quartal gestiegen. Dennoch liegt der S&P 500 nur zwei Prozent im Plus.

In der Schweiz sind die meisten Gewinne im ersten Quartal 2018 ebenfalls gestiegen – doch der SMI liegt immer noch fünf Prozent unter seinem Niveau vom Jahresbeginn. Durch diese Differenz von Kursen und Gewinnen sind die Risikoprämien von Aktien deutlich attraktiver geworden.

Überschätzte geopolitische Risiken

Woher also rührt der diesjährige Stimmungsumschwung an den Börsen? Neben Zinsen und einer Normalisierung der Konjunktur verunsichert vor allem die Geopolitik viele Anleger. Handelskrieg, Schuldenspirale oder ein italienischer Exit aus der Eurozone – um nur drei Stichwörter zu nennen.

Doch so sehr jedes dieser Risiken ein veritabler «schwarzer Schwan» mit globalen, negativen Konsequenzen ist, so leicht fällt es, seine Eintrittswahrscheinlichkeit zu überschätzen. Besonders, weil in den Medien Angst bekanntlich Auflage macht. Bis sie wieder verschwinden, bleiben Diversifikation und Geduld das bewährteste Mittel, auch mit solchen Unwägbarkeiten umzugehen.