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Aktien schlagen Cash – wirklich?

Hendrik Bessembinder interpretiert die Wertentwicklung amerikanischer Aktien seit 1926 in einer aktuellen Studie. Diese zeigt, warum eine breite Aktienstreuung mehr kann, als nur Risiken zu reduzieren und wieso eine aktive Vermögensverwaltung vorteilhaft ist.

Eine aktuelle Studie von Hendrik Bessembinder, die demnächst im renommierten Journal of Financial Economics veröffentlicht wird, untersucht die Wertentwicklung amerikanischer Aktien seit 1926. Der Autor gibt darin drei interessante Denkanstösse.

Erstens wirft er die Frage auf, ob US-Aktien risikolose Geldmarktanlagen tatsächlich geschlagen haben. Denn die gesamte Überschussrendite der US-Titel wurde gemäss der Bessembinder-Studie nur von den vier Prozent der erfolgreichsten Aktien erzielt! Die restlichen 96 Prozent erzielten gesamthaft keine Überschussrendite. Anders formuliert: Hätte man 1926 vier Prozent in die erfolgreichsten Aktien investiert und für die restlichen 96 Prozent Geldmarktanlagen gehalten, dann hätte man heute exakt die gleiche Summe verdient, wie jemand, der 1926 100 Prozent in den Aktienindex investiert hat. Die erstaunliche Folgerung des Autors: Breite Aktienstreuung dient nicht nur der Risikoreduktion, sondern gibt auch die Gewissheit, dass die vier Prozent Gewinner tatsächlich im Portfolio vertreten sind.

Aktien bringen nicht immer höhere Zinsen

Zweitens stellt Bessembinder fest, dass nur 42.6 Prozent der Aktien, die er untersucht hat, langfristig den risikofreien Zinssatz schlagen. Auch das ist eine Indikation dafür, dass Aktien pauschal noch keine gute Investition darstellen, sondern eben nur die ausgewählten erfolgreichen Titel. Kurz gesagt: Aktive Vermögensverwaltung eröffnet gute Chancen, Mehrwert zu schaffen.

Drittens erscheint mir folgendes Gedankenspiel interessant: Angenommen, Sie hätten bereits 1926 gewusst, dass General Motors (GM) 2009 Konkurs anmelden und die Aktie damit ihren ganzen Wert verlieren wird. Wäre es dann die beste Strategie gewesen, auf GM-Aktien zu verzichten? Nein, denn GM hat über die Jahrzehnte 64 Milliarden US-Dollar in Dividenden ausgezahlt und zählt damit zu den erfolgreichsten Aktien der US-amerikanischen Geschichte – trotz der Komplettabschreibung am Ende.

Trends zu verfolgen erhöht die Gewinnchancen

Die «Moral» der Studie? Eine diszipliniert-aktive Vermögensverwaltung besitzt bessere Erfolgsaussichten als ein zufälliger oder ein «Buy-and-Hold»-Ansatz. Doch die Studie macht deutlich – ironischerweise –, dass der Trend vieler Manager zur Portfoliokonzentration ein Holzweg sein könnte. Warum? Das erklärt eine Studie von Inalytics: Ihr zufolge ist die durchschnittliche Anzahl von Titeln in aktiven Aktienfonds in den letzten zehn Jahren von 121 auf 61 gefallen. Das eigentliche Risiko solcher Versuche, durch Selektivität die «Gewinner» höher zu gewichten, besteht darin, die wirklichen Superstars der Börse zu verpassen.

Laut Bessembinders Untersuchung halten erfolgreiche Vermögensverwalter eben nicht den Markt minus «Verlierer», sondern besser den Markt plus «Gewinner»! Es geht darum, proaktiv zu gewährleisten, dass man nicht neue Trends verpasst, nur weil sie noch nicht indexiert sind.