Neue Option: 1e-Vorsorgepläne
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1e-Vorsorgepläne in der 2. Säule werden attraktiver

Eine Änderung des Freizügigkeitsgesetzes dürfte den 1e-Vorsorgeplänen der Pensionskassen zum Durchbruch verhelfen. National- und Ständerat haben eine Gesetzesänderung beschlossen, die mehr Eigenverantwortung und zusätzliche Anlagemöglichkeiten für die Versicherten beinhaltet.

Die meisten Menschen verwahren den grössten Teil ihres Vermögens in ihrer Pensionskasse. Aber erst seit 2006 können sie bei den verschiedenen Anlagestrategien im überobligatorischen Bereich mitreden. Diese Möglichkeit eröffnet sich allerdings erst ab einem versicherten Jahreslohn von CHF 127’980, sofern es die Vorsorgeeinrichtung zulässt. Man spricht von 1e-Vorsorgeplänen, weil sie sich auf den Artikel 1e in der Verordnung über die berufliche Vorsorge (BVV2) beziehen. Wegen gesetzlicher Hürden war die Nachfrage bisher allerdings noch gering.

Gesetzlich garantierter Betrag beim Austritt entfällt

Konkret heisst das Folgendes: Bis anhin sah das Freizügigkeitsgesetz vor, dass man beim Austritt aus der Pensionskasse in jedem Fall einen gesetzlich garantierten Mindestbetrag erhält. Wenn nun aber eine vom Versicherten gewählte Anlagestrategie zu einem Verlust führte, musste die Pensionskasse das Loch füllen, zulasten aller Versicherten der jeweiligen Pensionskasse. Es ist nicht verwunderlich, dass sich diese Lösung bei den Vorsorgeeinrichtungen nur in geringem Mass durchgesetzt hat.

Doch das wird nun anders. Ende 2015 hat die vereinigte Bundesversammlung eine Änderung des Freizügigkeitsgesetzes beschlossen. Angenommen wurde die Motion dazu sowohl vom National­ als auch vom Ständerat bereits im Jahr 2008. Doch erst 2016 wurde der entsprechende Gesetzestext dazu umgesetzt, und der Bundesrat hat die ebenfalls notwendige Anpassung der zugehörigen Ausführungsverordnung BVV2 nun per 1. Oktober 2017 in Kraft gesetzt.

Neue Option: 1e-Vorsorgepläne

Neuer Schutz durch risikoarme Anlagevariante

Mit dieser Anpassung muss eine Pensionskasse ihren 1e-Kunden zum Zeitpunkt des Austritts nur noch den effektiven Wert des in Wertschriften investierten Vorsorgeguthabens mitgeben. Und damit die Versicherten auch weiterhin in den Genuss eines Schutzes kommen, müssen die Kassen mindestens eine Variante mit risikoarmer Anlagestrategie in ihrem Angebot haben. Dazu muss die Vorsorgeeinrichtung über die Risiken und Kosten informieren, was von den Versicherten schriftlich bestätigt werden muss.

Laut Branchenvertretern wird die 1e-Vorsorgelösung damit wesentlich attraktiver. Experten sind der Meinung, dass mit der steigenden Eigenverantwortung und den lukrativeren Anlagemöglichkeiten nun auch das Interesse an dieser Vorsorgelösung zunehmen wird.

Strategie kann angepasst werden

Die hohe Flexibilität macht die 1e-Vorsorgepläne attraktiv. Ob man eine konservative Anlagestrategie oder eine riskantere mit höheren Renditechancen wählt – die Strategie kann mehrfach gewechselt und den aktuellen Lebensumständen angepasst werden. Je nach Vorsorgeeinrichtung ist eine Auswahl aus bis zu zehn verschiedenen Anlagestrategien möglich. Bei einem kürzeren Anlagehorizont vor der Pensionierung bietet sich beispielsweise der Wechsel in risikoärmere Anlagen an. Ebenso individuell kann der Versicherte im Rahmen des Gesetzes und des Pensionskassenreglements seinen Arbeitnehmerbeitrag und die Risikoleistungen bestimmen – etwa zur Absicherung der Familie im Todesfall oder bei Erwerbsunfähigkeit.