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Fliegen war noch nie so sicher

Das Gefährlichste an einer Flugreise ist die Autofahrt zum Flughafen, heisst es oft. Ist es nicht verrückt, mit über 300 Personen an Bord, 50 Tonnen brennbarem Treibstoff und über 100 Tonnen Metall mit bis zu 300 km/h über eine enge Straße zu rasen? Und in einer engen Röhre bei Nacht und Nebel auf einem schmalen Asphaltband zu landen, das gerade so für den Bremsweg ausreicht?

Wie die Praxis zeigt, es funktioniert erstaunlich gut: Egal ob in London bei Nebel, in New York bei viel Luftverkehr oder in Dubai in der Hitze: Der zivile Luftverkehr hat zahlreiche Verfahren entwickelt, mit denen er den alltäglichen Gefahren begegnen kann. Im Luftverkehr gilt immer «Safety First»!

2019 war für die zivile Luftfahrt das drittsicherste Jahr der Geschichte

«Menschen bei Flugzeugunglück ums Leben gekommen»: Solche Schlagzeilen beherrschten in früheren Jahren gefühlt alle paar Wochen die Medien. Inzwischen sind sie zum Glück äusserst selten geworden, Fliegen war in der letzten Dekade so sicher wie noch nie zuvor. Das Branchenportal Aviation Safety Network schreibt dem Jahr 2019 insgesamt 20 Unfälle mit insgesamt 283 Toten zu und betitelt das Jahr als drittsicherstes nach Anzahl der Opfer1. Laut UN-Luftfahrtorganisation ICAO beförderten Fluggesellschaften weltweit über 4.5 Milliarden Flugpassagiere und damit mehr als 14-mal so viele wie 1970. Wie die Abbildung 1 zeigt, hat sich einerseits das Passagieraufkommen vervielfacht, andererseits ist die Zahl der Todesfälle deutlich gesunken. Das Bundesamt der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hat ausgerechnet, dass es 1970 pro 265’000 Starts einen Toten zu beklagen gab. Heute ist dies rechnerisch nur noch bei 16 Millionen Starts der Fall. Mit anderen Worten, eine Flugreise ist rund 61 Mal sicherer geworden als noch in den 1970er-Jahren2.

Abbildung 1: Anzahl Todesfälle in der zivilen Luftfahrt und Entwicklung des weltweiten Passagieraufkommens3

Quelle: BDL (2020): Wie sicher war Luftverkehr im Jahr 2019?, URL: https://www.bdl.aero/de/publikation/wie-sicher-war-luftverkehr-im-jahr-2019/, 31.1.2020.

In der Luftfahrt wird jedes Unglück, jeder Beinahe-Unfall und jede Unregelmäßigkeit gemeldet und untersucht. Nach Ermittlung der Ursachen werden geeignete Schlüsse gezogen. Zur Sicherheitskultur im Luftverkehr gehört die Überzeugung, dass man niemals ausgelernt hat. Daraus folgt, jeder Vorfall macht den Luftverkehr noch ein Stück sicherer, weil daraus stets Konsequenzen gezogen werden.

Eine Flugreise ist rund 61 Mal sicherer geworden als noch in den 1970er-Jahren.

Die wichtigsten Treiber für die stark verbesserte Flugsicherheit ist neben der Redundanz und Wartung der Systeme (siehe nächster Abschnitt) die verbesserte und weniger störanfällige Flugzeugtechnik, Weiterentwicklungen in der Flughafeninfrastruktur und Luftraumüberwachung sowie in der Perfektionierung bei Gepäck-, Passagier und Frachtkontrollen4.

Redundanz und Wartung der Systeme

Bei der Flugzeug-Konstruktion ist die Flugsicherheit eine Komponente, welche sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche zieht. In den Bauvorschriften wird bis ins letzte Detail vorgegeben, welchen Anforderungen zu genügen ist. Erwähnenswert ist dabei die Redundanz: Alle wichtigen Teile, seien es komplexe elektronische Systeme, Steuerungsinstrumente oder sogar einzelne Schrauben, sind mindestens doppelt ausgelegt, in besonderen Fällen sogar dreifach: Beim Ausfall eines Bestandteils muss daher sichergestellt werden, dass die verbleibenden noch funktionierenden Systeme die Flugfähigkeit sicherstellen können. Jede einzelne, noch so kleine Schraube ist genau für ihren Anwendungszweck spezifiziert und muss von den Aufsichtsbehörden zertifiziert werden. Fällt eines aus oder ist beschädigt, so kann es nur durch dasselbe identische Bauteil ersetzt werden. Lösungen "mal eben schnell aus Grosshandel" sind weder zugelassen noch wird auch nur der Hauch eines Gedankens in diese Richtung verschwendet.

Die Wartung eines Flugzeuges ist sehr aufwendig und oft umständlich. Jede Airline legt basierend auf Empfehlungen des Herstellers und abhängig von der eigenen Nutzung der Flugzeuge den Aufsichtsbehörden einen Wartungsplan zur Genehmigung vor. Wird dieser akzeptiert, bildet er die Grundlage für die Planung aller Wartungsereignisse. Dabei gibt es zwei Formen5:

  • Sehr viele Flugzeugteile haben eine fixe Lebensdauer. Da genau überwacht wird, wann ein Bestandteil eingebaut worden ist, kann jederzeit nachvollzogen werden, wie lange es schon benutzt wurde. Ist die Lebensdauer abgelaufen, so wird es ausgebaut6.
  • Die zweite Maßnahme ist die sehr genaue Kontrolle von Flugzeugteilen, die nicht oder nur schwer ausgebaut werden können. Diese Kontrollen umfassen nicht nur Sichtkontrollen - hier werden vielfältige Technologien genutzt, wie etwa eine Kamera, womit, in einem langen dünnen Schlauch integriert (Boroskop), sonst unzugängliche Hohlräume betrachtet werden können. Mit Wirbelstrom- oder Ultraschallverfahren können auch kleinste Metallrisse entdeckt werden. Und wenn das Flugzeug auf Böcke gestellt wird, kann sogar der Flug simuliert und das Fahrwerk ein- und ausgefahren werden.

Neue Herausforderung: Drohnen

Zu den neuen Herausforderungen der kommerziellen Luftfahrt gehört das unbemannte Fliegen. Die Drohnentechnologie birgt enormes Potenzial und Nutzen, doch damit diese Chancen realisiert werden können, müssen diese sicher in den bestehenden Luftraum integriert werden. Das zeigte sich Ende 2018 in London, als der Flughafen Gatwick durch einen missbräuchlichen Drohnen-Einsatz stundenlang lahmgelegt wurde. Rund 1’000 Flüge wurden aus Sicherheitsgründen gestrichen oder umgeleitet, mehrere Zehntausend Passagiere sassen fest oder mussten Umwege in Kauf nehmen7.

Eine der grössten Bedenken ist, was bei einer Fehlfunktion passieren könnte. So fiel im Januar 2019 wegen eines Kurzschlusses eine von der Schweizer Post betriebene Drohne aus rund 60 Meter Höhe in den Zürichsee. Wenige Monate später stürzte ein weiteres Fluggerät desselben Operateurs ungebremst in den Wald nahe Zürichberg neben spielende Kinder. Der Notfallschirm, der den Sturz des rund zehn Kilogramm schweren Objektes hätte bremsen sollen, um etwaige Fussgänger zu schützen, wurde dabei abgetrennt und flatterte nutzlos über den Bäumen; niemand hörte den Alarmton. Der Unfallbericht legte gravierende Mängel offen und zeigte, dass die Sicherheit sträflich vernachlässigt worden war: Das Verbindungsseil zum Fallschirm wurde von einer scharfen Drohnenkante beschädigt. Der Ruck, den der sich öffnende Fallschirm verursachte, führte zum Riss des Seils. Dieser Konstruktionsfehler wurde von niemanden bemerkt. Somit flogen derart ungesichert die Drohnen monatelang über den Köpfen der Zürcher Bevölkerung8.

Fondsrisiken

Kein Kapitalschutz: Anleger können den in dieses Produkt investierten Betrag ganz oder teilweise verlieren.

  • Der Schwerpunkt auf Unternehmen im Bereich Schutz und Sicherheit kann zu signifikanten Engagements in einem bestimmten Sektor/einer bestimmten Region führen.
  • Das Engagement in Small und Mid Caps kann zu einer höheren kurzfristigen Volatilität führen und Liquiditätsrisiken in sich bergen.
  • Aufgrund der Möglichkeit eines erhöhten Engagements in Schwellenländern kann der Fonds durch politische und wirtschaftliche Risiken in diesen Ländern beeinträchtigt werden.
  • Aktienmärkte können volatile sein, besonders kurzfristig.

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