News und Insights

Bildung im Wandel der Zeit

Unserer Auffassung nach werden die Vermittlung arbeitsmarktrelevanter Fähigkeiten sowie professionelle und berufliche Bildung für die gefragtesten Berufszweige für EdTech-Unternehmen der Schauplatz des nächsten Konkurrenzkampfes sein.

Einige Menschen stecken sehr viel Zeit in ihre Ausbildung – ist es das wert? Ich selbst habe mehr als 20 Jahre Ausbildung genossen, von der Grundschule bis zur Promotion. Diese Jahre gehören zu den besten meines Lebens. Man lernt jeden Tag etwas Neues, schliesst dabei Freundschaften und ist vor allem noch jung und sorglos. Doch war die Zeit gut investiert, wenn es darum geht, den bestbezahltesten Job zu ergattern? … und geht es hierbei nur ums Geld? Vielleicht nicht.

Meiner Ansicht nach bereitet eine derart lange Ausbildungszeit nicht nur viel Freude, sondern ist auch ein echter Luxus. Wie jedes andere Luxusgut auch, ist es höchst exklusiv. Ich selbst wuchs in der ehemaligen Sowjetunion auf und hatte das Glück, von grosszügigen staatlichen Subventionen zu profitieren. Ich hatte nicht nur die Möglichkeit, völlig kostenfrei zu studieren, sondern bezog zusätzlich eine monatliche Beihilfe für meine Lebenshaltungskosten, die ausreichte, um regelmässig meine Eltern mit dem Flugzeug zu besuchen; oder den Nachtzug zu nehmen, um den ersten McDonalds in Russland zu sehen ... aber das ist eine andere Geschichte.

Die meisten Menschen – abgesehen von den «ewigen Studenten»1, die mancherorts nach wie vor von der Grosszügigkeit der dortigen Bildungssysteme profitieren dürfen – haben das Ziel, so schnell wie möglich einen Arbeitsplatz zu bekommen, Geld zu verdienen und die in ihrer Studienzeit aufgelaufenen Schulden abzuzahlen.

Die Höhe der Studienschulden ist tatsächlich erheblich, wenn man beispielsweise bedenkt, dass die Ausbildungskosten in den USA dem Büro für Arbeitsstatistik2 zufolge innerhalb der letzten 40 Jahre um mehr als das Zwölffache gestiegen sind – viermal so stark wie die Inflation. Infolgedessen haben Absolventen in den USA im Durchschnitt 30’000 US-Dollar Schulden. Was dabei am bedenklichsten ist: 41 % dieser jungen Menschen sind unterbeschäftigt3.

Das alte Modell der Bildung im Jugendalter weicht dem lebenslangen Lernen

Einer der Gründe für die hohe Unterbeschäftigung der US Absolventen ist, dass sie sich nicht die relevanten Fähigkeiten angeeignet haben, die sie für die Ausübung einer spezifischen Tätigkeit benötigen. Dazu steht beispielsweise in McKinseys Studie America’s Future of Work4: «Workforce skills have been a growing concern in the United States for many years. Now technology demands new and higher-level skills, including more critical thinking, creativity, and socioemotional skills. The skills needed in fast-growing STEM5 roles, in particular, are continuously evolving. The old model of front-loading education early in life needs to give way to lifelong learning. Training and education can no longer end when workers are in their twenties and carry them through the decades.»

Die Notwendigkeit zur Entwicklung beschäftigungsrelevanter Kompetenzen ist hinreichend bekannt, weshalb sie auch als Punkt 4.4 im vierten UN-Ziel für nachhaltige Entwicklung festgehalten ist: «By 2030, substantially increase the number of youth and adults who have relevant skills, including technical and vocational skills, for employment, decent jobs and entrepreneurship.» Konkret wird gefordert: «Beyond work-specific skills, emphasis must be placed on developing high-level cognitive and non-cognitive/transferable skills, such as problem solving, critical thinking, creativity, teamwork, communication skills and conflict resolution, which can be used across a range of occupational fields.»6

Nicht nur die Art der Fähigkeiten, sondern auch das Profil des Arbeitsmarktes und die Nachfrage nach bestimmten Berufen unterliegen ständiger Veränderung. Auf der einen Seite gehen durch Automatisierung Stellen im Büro, der Produktion, bei Lebensmitteldienstleistungen und im Einzelhandel verloren.7 Andererseits steigern demografische Entwicklungen wie insbesondere die alternde Bevölkerung beispielsweise die Nachfrage nach qualifizierten medizinischen Fachkräften, einer der gegenwärtig am schnellsten wachsenden Berufszweige in den USA.

Grafik 1. McKinsey-Prognose für potenzielles Beschäftigungswachstum in den USA, 2017 bis 2030

Quelle: McKinsey Global Institute (2019). The future of work in America: People and places, today and tomorrow. Stammt von https://www.mckinsey.com/featured-insights/future-of-work/americas-future-of-work.

Kompetenzen, lebenslanges Lernen und Berufsausbildung sind der nächste Wettbewerbsschauplatz

Unserer Auffassung nach werden die Vermittlung arbeitsmarktrelevanter Fähigkeiten sowie professionelle und berufliche Bildung für die gefragtesten Berufszweige das nächste Wettbewerbumfeld für EdTech-Unternehmen darstellen.

So hat beispielsweise einer der Wegbereiter des EdTech-Sektors in den USA, Chegg Inc, jüngst die kompetenzbasierte Online-Lernplattform ‘Thinkful’ übernommen. Konkret auf die Tatsache verweisend, dass 85 % aller ‘Thinkful’-Absolventen innerhalb von sechs Monaten nach Abschluss ihres Programms eine Anstellung in ihrem Studienfeld gefunden haben, sagte Cheggs Geschäftsführer8: «Students are increasingly looking to improve their professional opportunities by learning the most relevant job skills, either while in school or soon after. Adding Thinkful courses to our suite of Chegg Learning Services will enable us to empower students to obtain in-demand, high-quality job skills, for the fastest-growing job categories, with affordable prices. Thinkful has achieved strong revenue growth of greater than 30% year-over-year because it has focused on going directly to students and helping them gain the most valuable skills for today's workforce.»

Chegg will continue to expand [its] offerings and make it easier for students to accelerate their path from learning to earning. Students are increasingly looking to improve their professional opportunities by learning the most relevant job skills, either while in school or soon after

Dan Rosensweig, Geschäftsführer von Chegg9

Ein anderes Unternehmen, 2U Inc, macht ihr strategisches Ausrichtungsziel noch deutlicher. Mit der Übernahme des Kurzkurs-Anbieters ‘GetSmarter’ im Jahr 2017 und des Bootcamp-Anbieters ‘Trilogy’ im Jahr 2019 bietet das Unternehmen nun das ganze Spektrum an: Von ein- bis zweimonatigen Kursen in der Preisspanne von 1’000 bis 5’000 US-Dollar über rund sechsmonatige Bootcamps für 10’000 bis 20’000 US-Dollar bis hin zu vollständigen Abschlüssen, die bis zu drei Jahre in Anspruch nehmen und 200’000 US-Dollar oder mehr kosten können.

Das Interessante daran ist, dass die Vorteile einer solchen Strategie jetzt deutlich werden: Der Umsatz für die Kurzkurse wächst verglichen mit den herkömmlichen Abschlüssen mehr als doppelt so schnell10. Ist das der Anfang vom Ende des traditionellen Bildungssystems, wie wir es kennen?

Bild 1. Das Gesamt-Kursangebot von 2U Inc im Hinblick auf Dauer und Kosten

Quelle: Credit Suisse, basierend auf 2U Inc. Ergebnispräsentation 2. Quartal 2020 und Transkript der Investoren-Telefonkonferenz10

Risiken

  • Kein Kapitalschutz: Die Anleger können das in dieses Produkt investierte Kapital ganz oder teilweise verlieren.
  • Politische Entwicklungen in Bezug auf das Bildungswesen könnten sich äusserst negativ auf den Edutainment-Sektor auswirken.
  • Ein Engagement in kleineren Unternehmen kann zu verstärkter kurzfristiger Volatilität führen und ein Liquiditätsrisiko verursachen.
  • Eine höhere Konzentration in spezifischen Sektoren kann gelegentlich die Anlegergunst verlieren.
  • Eine Faktororientierung hinauf einen Wachstumsanlagestil mit einer besonderer Übergewichtung in Small- und Mid-Cap-Aktien bedingt Risiken.
  • Da der Fokus bei diesem Fonds auf hochinnovativen Unternehmen liegt, kann die Volatilität deutlich erhöht sein. Engagement in Schwellenländern kann die Volatilität zusätzlich erhöhen.

Bleiben Sie informiert mit unseren monatlichen Updates

Abonnieren