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COVID-19 und qualitativ hochstehende Schwellenländeranleihen

Senior Portfolio Manager Andreas Fischer legt in unserem jüngsten Interview dar, wie Investment-Grade-Schwellenländeranleihen von der Krise betroffen sind und welche Chancen die aktuelle Situation für ein Engagement bietet.

In Ihrer Arbeit fokussieren Sie sich auf Anleihen aus Schwellenländern mit Investment-Grade-Rating. Was ist das genau?

Es handelt sich dabei um Unternehmensanleihen aus Schwellenländern, die von den grossen Ratingagenturen als solide eingeschätzt werden und somit mit einem guten Rating – einem Investment-Grade- oder IG-Rating – versehen werden. Das heisst in erster Linie, dass das Ausfallrisiko als sehr gering gilt. Ein solches Rating erlangen Unternehmen, die sorgfältig wirtschaften, über genügend liquide Mittel und ein robustes Geschäftsmodell verfügen und sich in einem stabilen Umfeld bewegen. Dies führt insbesondere dazu, dass Unternehmen aus Ländern mit einem niedrigen Rating gänzlich aus diesem Segment wegfallen.

Häufig handelt es sich dabei um Anleihen grosser Unternehmen, die einen Teil ihrer Umsätze überregional oder global erzielen, die aus Ländern mit zuverlässiger Marktstruktur und einem konstanten regulatorischen Umfeld stammen und die eine entsprechende Kredithistorie aufweisen. Viele dieser Unternehmen sind zu einem Teil auch im Staatsbesitz.

Wie hat sich COVID-19 auf dieses Segment ausgewirkt?

Die Pandemie kam für die Finanzmärkte genauso schnell und überraschend wie für die breitere Gesellschaft. Die Zeit für differenzierte Betrachtungen und Beurteilungen fehlte. Entsprechend wurde in breiten Kategorien gedacht und vieles über einen Leisten geschlagen. Konkret bedeutet dies Folgendes: Schwellenländer gelten als labiler und krisenanfälliger, da ihre Institutionen – Regierungen, Verwaltungen und Märkte – oft schwächer aufgestellt sind. Spreads (Renditeunterschiede, ein marktbestimmtes Mass des relativen Risikos) zu entsprechenden Anleihen aus Industrienationen stiegen also über sämtliche Regionen, Sektoren und Ratingkategorien sprunghaft an. Einerseits, weil die Risiken in den Schwellenländern plötzlich als deutlich höher eingeschätzt wurden. Andererseits, weil die grossen Zentralbanken der industrialisierten Welt – allen voran die US-Notenbank (Fed) – den lokalen Märkten schnell und aggressiv unter die Arme griffen und damit ein Signal der Entspannung sendeten.

Dass davon im Schwellenländersegment auch Anleihen mit hohem Rating – Investment-Grade eben – und Länder, welche die Pandemie schnell unter Kontrolle brachten, betroffen sind, eröffnet handfeste Chancen für Investoren.

Solche Anleihen bieten aufgrund ihres Kreditspreadaufschlages gegenüber Anleihen aus Industrieländern attraktive Opportunitäten.

Welche Chancen sehen Sie für Investoren in Investment-Grade-Schwellenländeranleihen?

Viele Anleger beurteilen IG-Schwellenländeranleihen vorab als Schwellenländeranleihen. Mit anderen Worten, sie sehen sie als Anleihen, welche mit den typischen Risiken der Schwellenländer behaftet sind. In vielen Fällen entsprechen sie qualitativ aber eher den IG-Anleihen aus Industrienationen. Wie diese werden sie von international tätigen, soliden Unternehmen emittiert. Einige sind zudem in Ländern domiziliert, welche die Krise gut bewältigen. Ich denke beispielsweise an Südkorea oder Singapur. Solche Anleihen bieten aufgrund ihres Kreditspreadaufschlags gegenüber Anleihen aus Industrieländern attraktive Opportunitäten. Zudem haben die aussergewöhnlichen Massnahmen der Fed und anderer Zentralbanken dazu geführt, dass sich die Kreditrisikoprämien von Anleihen aus Industrienationen stark reduzierten. Dies vergrösserte den Unterschied zwischen den beiden Segmenten weiter. Dieser Effekt wird nicht unbegrenzt anhalten. Es wird eine Angleichung geben, bei der die Bewertungen sich wieder den fundamental gerechtfertigten Niveaus annähern. IG-Schwellenländeranleihen dürften sich demnach gegenüber Anleihen aus Industrieländern erholen. Der Einstiegszeitpunkt ist jetzt also günstig.

Welche Unterschiede gibt es bezüglich Regionen oder Branchen? Stehen einige besser da als andere?

Auf der einen Seite waren und sind gewisse Länder oder Regionen stärker von der Krise betroffen als andere. In Lateinamerika etwa wütet die Pandemie nach wie vor, während viele asiatische Länder aufgrund ihrer einschlägigen Erfahrung mit Virusausbrüchen oder einer bestehenden kulturellen Affinität zu Gesichtsmasken COVID-19 erfolgreicher in die Schranken weisen konnten. Da diese, wie erwähnt, in einer etwas überstürzten Marktreaktion in einen Topf geworfen wurden, gibt es hier für den differenzierten Investor sicher Chancen. Auf der anderen Seite geht es auch um Absatzmärkte. Als Beispiel: China gehört zu den grössten Rohstoffabnehmern der Welt. Sobald dessen Wirtschaft wieder in Schwung kommt, werden sich die entsprechenden Lieferanten erholen. Branchen wie Metalle und Bergbau, Öl und Gas oder Industrieunternehmen dürften weltweit profitieren, wobei eine neuerliche Schwäche in der Weltwirtschaft hier auch wieder einen Dämpfer setzen kann.

Wir bevorzugen gezielt Regionen, Sektoren und auch einzelne Emittenten, die uns als besonders interessant erscheinen, sei es aus Bewertungssicht oder weil wir auf eine gezielte Erholung aufgrund bestimmter, eingegrenzter Faktoren bauen.

Wie können Sie diesen Aspekten in Ihrer Arbeit Rechnung tragen?

Wir erachten das Anlagesegment der IG-Schwellenländeranleihen im Vergleich zu ähnlichen Papieren aus entwickelten Märkten vor allem aus Bewertungsgründen allgemein als interessant für Investoren. Um aber die Unterschiede zwischen einzelnen Regionen oder Sektoren in einem Portfolio wirksam nutzen zu können, setzen wir auf aktives Management. Das heisst, wir bevorzugen gezielt Regionen, Sektoren und auch einzelne Emittenten, die uns als besonders interessant erscheinen, sei es aus Bewertungssicht oder weil wir auf eine gezielte Erholung aufgrund bestimmter, eingegrenzter Faktoren bauen.

Die Anlagekategorie der IG-Schwellenländeranleihen ist sehr heterogen. Sie beinhaltet etwa Emissionen von russischen Rohstoffgiganten, mexikanischen Automobilzulieferern und indonesischen Banken. Dass hier erhebliche Unterschiede in puncto Rendite- und Risikoerwartungen bestehen, leuchtet sofort ein.

Warum sollten Anleger ein Engagement in IG-Schwellenländeranleihen in Betracht ziehen?

Wie erwähnt, wurde diese Anlageklasse von der Coronakrise stark in Mitleidenschaft gezogen. Allerdings ist die Krise auch noch nicht ganz ausgestanden. Es ist mit weiteren Turbulenzen zu rechnen. Deshalb warten gewisse Anleger wohl auch weiter, was den Einstiegszeitpunkt für jene, welche die allfällige Volatilität nicht abschreckt, besonders günstig macht. Mit einem aktiven Ansatz lassen sich zudem gezielt die interessanteren Chancen wahrnehmen.

Es sprechen auch allgemeine Diversifikations- und Renditegründe für ein Engagement. Wir stellen nach wie vor fest, dass viele Investoren hier unterinvestiert sind. Wer dem schon immer abhelfen wollte und die entsprechenden Chancen für Rendite und Diversifikation wahrnehmen will, hat jetzt eine günstige Möglichkeit.

Risiken

  • Anleihen sind mit einem Ausfallrisiko verbunden. Wenn der Emittent in Verzug gerät oder liquidiert wird, können die Anleger das investierte Kapital ganz oder teilweise verlieren.
  • Anlagen unterliegen Marktschwankungen.
  • Anlagen in Schwellenländern bergen ein höheres Risiko als Anlagen in Industrieländern. Die Risiken der Schwellenländer umfassen ein gewisses Mass an politischer Instabilität, relativ unberechenbare Finanzmärkte und wirtschaftliche Wachstumsmuster, einen Finanzmarkt, der sich noch in der Entwicklungsphase befindet, und eine schwache Wirtschaft.
  • Es besteht keine Garantie für die Couponzahlungen bzw. den Wert der Anlagen bei Fälligkeit oder zu einem anderen Zeitpunkt.

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