Die Welt durch «One Belt, One Road» verbinden
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Die Welt durch «One Belt, One Road» verbinden

Die Initiative «One Belt One Road» wurde ursprünglich 2013 vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping ins Leben gerufen, später zur «Belt and Road Initiative (BRI)» umbenannt und ist als die grösste Infrastrukturinitiative in Asien und darüber hinaus bekannt.

Infrastructure will promote international trade between economies.

Gu Shu, President der Industrial and Commercial Bank of China, ICBC1

Was ist «One Belt One Road» (OBOR)?

Diese Initiative umfasst zwei Teile, den «Silk Road Economic Belt» (Wirtschaftsgürtel der Seidenstrasse) und die «21st Century Maritime Silk Road» (Maritime Seidenstrasse des 21. Jahrhunderts). Der Umfang und die Tragweite der «One Belt One Road»-Initiative sind mit geschätzten Investitionsausgaben für Projekte in Höhe von USD 4 Billionen2 in nahezu 65 Ländern3 beispiellos in der modernen Geschichte. Die Initiative ist wohl einer der ambitioniertesten wirtschaftlichen und diplomatischen Pläne Chinas seit der Gründung der Volksrepublik. McKinsey schätzt, dass die OBOR-Initiative ca. 65 % der Weltbevölkerung, ungefähr ein Drittel des weltweiten BPI und ca. ein Viertel aller in der Welt bewegten Waren und Dienstleistungen4 betreffen wird.

OBOR wurde von Präsident Xi Jinping zur Verlängerung der chinesischen Wirtschaftsboom Ära und zur Überbrückung der derzeitigen Infrastrukturlücken in Asien und darüber hinaus geplant.

Der World Pensions Council (WPC) schätzt, dass Asien ohne China in den nächsten zehn Jahren jährlich bis zu USD 900 Milliarden an Infrastrukturinvestitionen benötigen wird, was einem aktuellen Ausgabendefizit von 50 %5 entspricht. Dementsprechend sind die potenziellen Projektchancen für OBOR enorm, wobei hier nur das Potenzial in Asien berücksichtigt wird; die das Potenzial wäre noch grösser, wenn man bedenkt, dass sich die OBOR-Initiative bis nach Kontinentaleuropa erstreckt.

Breite Palette an Projektchancen

Der Einbezug eines Projektes wird in fünf Kategorien unterteilt: 1) Politikberatung; 2) Infrastrukturkonnektivität; 3) Investitions- und Handelsförderung; 4) Finanzkooperation und 5) zwischenmenschlicher Austausch. Bis heute gibt es jedoch keine klare Definition, welche Projekte sich als OBOR-Projekte qualifizieren. Breite Aufnahmekriterien bedeuten, dass sich alle mit den fünf Kategorien beschäftigenden und entlang der geplanten Routen befindlichen Projekte als OBOR-Projekte grundsätzlich qualifizieren würden. Die Vielzahl der Möglichkeiten sollte sich in einer größeren Projektanzahl für Investoren widerspiegeln.

Laut einem Bericht von Deloitte sind die beiden grössten Risikokategorien, die Anleger an Investitionen in Infrastrukturprojekten hindern, politische und regulatorische Risiken.6 Der Einbezug staatlicher Gelder bei derartigen Infrastrukturprojekten sollte die Anreize von Regierung, Entwicklern und anderer Projektbeteiligten aufeinander abstimmen und somit die verbundenen Projektrisiken reduzieren. Bisher haben mehr als 200 Unternehmen7 Kooperationsvereinbarungen für Projekte an den OBOR-Routen unterzeichnet.

Staatliche Finanzierung reduziert Risiken

Es gibt drei Hauptquellen für die OBOR-Finanzierung: Policy-Banken, den Silk Road Fund (Seidenstrassen-Fonds) und die Asian Infrastructure Investment Bank, die zusammen Hunderte Milliarden US-Dollar für die Finanzierung oder Mitfinanzierung dieser Projekte bereitgestellt haben. Die beiden grössten Policy-Banken sind die China Development Bank (CDB) und die Export-Import Bank of China (ExIm Bank). Der Seidenstrassen-Fonds wurde 2014 von der chinesischen Regierung mit einem Anfangs-kapital von USD 40 Milliarden gestartet.

Ermutigt von der historischen Performance von OBOR-Projekten hatte der Fonds per Juni 2017 16 Verträge unterzeichnet und sich zu Investitionen von USD 6,8 Milliarden verpflichtet. Laut Euromoney lag der Anteil an Non-Peforming Loans am Kreditbestand von OBOR-Projekten der China Development Bank in 49 aufeinanderfolgenden Quartalen unter 1 %. Zusätzlich erfolgt bei den meisten internationalen Kooperationsprojekten die Rückzahlung von Kapital mit Zinsen auf relativ zuverlässige Weise und die Qualität der Anlagen ist stabil.8 Bei dem im Mai 2017 in Beijing abgehaltenen OBOR Forum wurde zusätzliches Kapital für den Seidenstrassen-Fonds versprochen. Neben den zweckgebundenen Darlehen der CDB und Exlm Bank hat China weitere USD 14,5 Mia. Kapital für den Seidenstrassen-Fonds9 zugesagt, was Präsident Xis Engagement für die OBOR-Initiative nochmals unterstreicht. Davon sollten an der OBOR-Initiative beteiligte Unternehmen profitieren und somit positive Signale an Anleger senden. Zum besseren Verständnis von OBOR-Projekten und deren Gestaltung stellen wir den «China Pakistan Economic Corridor» als Beispiel vor:

Der China Pakistan Economic Corridor (CPEC, Wirtschaftlicher Korridor China Pakistan)

Dank der historisch stabilen Freundschaft zwischen den beiden Ländern und dem starken militärischen Engagement auf der pakistanischen Seite ist Pakistan einer der grössten Nutzniesser von Chinas Auslandsinvestitionen. Der China Pakistan Economic Corridor wird allgemein als das Aushängeschild der «One Belt One Road»-Initiative betrachtet. Die CPEC-Projekte werden mit USD 46 Milliarden bewertet, wobei sich die Investitionen auf vier Bereiche verteilen: Hafen von Gwadar, Infrastrukturentwicklung, Industriekooperation und Energieprojekte.

Beim CPEC selbst handelt es sich um einen Visionsplan für den Bau einer 3218 Kilometer langen Route, die Xinjiang in China mit dem Hafen von Gwadar in Pakistan verbinden soll. Das Projekt umfasst den Bau von Schnellstrassen, Bahnlinien und Fernleitungen. Die tatsächlichen Kosten des Projekts werden auf ca. USD 75 Milliarden10 geschätzt. Die CPEC-Projekte sollten dem Land ein ausländisches Direktinvestitions-Äquivalent von 17 % des pakistanischen BIP des Jahres 2015 bringen. Deloitte schätzt weiter, dass aufgrund des CPEC zwischen 2015 und 2030 700’000 direkte Arbeitsplätze geschaffen werden.

Karachi-Peshawar Hauptverbindung (ML-1)

Die pakistanische Eisenbahn soll Investitionen in Höhe von bis zu USD 5 Mia. für den Ausbau und die Bereitstellung neuer Eisenbahninfrastruktur in ganz Pakistan anlocken. Eines der Projekte entlang der geplanten Route ist die Karachi-Peshawar Main Line (ML-1), welche eine Gesamtlänge von 1687 Kilometern misst. Sie dient als die wichtigste Passagier- und Güterstrecke in Pakistan, auf der sich 75 % des landesweiten Güter- und Passagierverkehrs abspielt. Die chinesischen Investitionen bei diesem Verbindungsausbau werden auf USD 8 Milliarden11 geschätzt, wobei Pakistan Railway das Projekt als Priorität im Rahmen des CPEC vorstellte. Die Vorarbeiten für die Karachi-Peshawar Rail Line sollten im März 201812 beginnen. Der Spatenstich wurde jedoch aufgrund von Uneinigkeit zur Finanzierung auf unbegrenzte Zeit verschoben; es wird jedoch gehofft, dass die Arbeiten später in diesem Jahr noch beginnen können.13 Nach ihrer Fertigstellung wird die Haupteisenbahnstrecke Karachi-Peshawar Reisegeschwindigkeiten bis zu 160 km/h erlauben. Pakistan soll als Tor zu zentralasiatischen Ländern, einschliesslich Afghanistan und Usbekistan, fungieren und Sri Lanka, Iran und Xinjiang verbinden. Pakistans strategische Position ist für die wirtschaftliche und diplomatische Expansion Chinas in Zentralasien wichtig. Wir sind daher der Meinung, dass diese Projekte im Hinblick auf ihren Erfolg äusserst aufmerksam von der chinesischen Regierung beobachtet werden wird.

Karot Hydropower-Projekt

Das Stromdefizit hat in Pakistan 4500 MW14 erreicht. Das Defizit ist aufgrund niedriger Wasserstände in Staudämmen und dem von Smog ausgelösten Tropfsystem angestiegen. Derzeit werden 9000 MW Strom erzeugt, während 13’500 MW benötigt werden. Im Rahmen des CPEC-Projektzweigs gibt es insgesamt 21 Energieprojekte mit einem geschätzten Wert von USD 34,5 Milliarden, die zur Überbrückung von Pakistans Stromdefizit dienen sollen. Ein Beispiel ist das Karot Hydropower-Projekt.

Das Karot Hydropower-Projekt soll von «One Belt-One Road» finanziert werden. Der Spatenstich zu diesem Projekt erfolgte am 10. Januar 2016; das Projekt soll bis 2020 fertiggestellt sein. Ziel des Projekts ist der Bau einer Steinschütt-Gewichtsstaumauer mit einer Kapazität von 720 MW. Im Rahmen des Projekts wird eine Beton-Gewichtsmauer mit einer Höhe von 95,5 Metern und einer Kronenlänge von 320 Metern gebaut. Hierfür wird eine geschätzte Investition von USD 1,65 Milliarden veranschlagt, wovon die IFC USD 100 Millionen15 beisteuert. Drei weitere bekannte Darlehensgeber sind die China Development Bank, China ExIm Bank und der Seidenstrassen-Fonds. Die Fertigstellung des Karot Hydropower-Projekts wird Pakistans Strommangelproblem erheblich mildern. Der Karot-Damm soll in fünf Jahren betriebsbereit sein und jährlich Nettoenergie in Höhe von 3174 Gigawattstunden16 generieren, wodurch ca. 3 Millionen Privatkunden in Pakistan mit erschwinglicher, sauberer Energie versorgt werden könnten.

Fazit

Die globale Infrastrukturinvestitionslücke wurde in jüngsten Diskussionen politischer Entscheidungsträger mehr als deutlich gemacht. Präsident Trump hatte den ehrgeizigen Plan, USD 1,5 Billionen17 für die Reparatur und den Ausbau der amerikanischen Infrastruktur bereitzustellen, und in Europa sagte Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, einmal: «In Europa sind die Steuersätze hoch und die Staatsausgaben konzentrieren sich auf die laufenden Ausgaben. Eine ‹gute› Konsolidierung setzt niedrigere Steuern und eine Konzentration der niedrigeren Staatsausgaben auf Infrastruktur und andere Investitionen voraus.»18 Auf beiden Kontinenten wird vor allem über die Erneuerung bestehender Infrastruktureinrichtungen gesprochen, wobei die damit verbundenen Investitionen enorm sind. Allein in Asien liegen die Investitionsmöglichkeiten angesichts des Bevölkerungswachstums und der Instandhaltung der bestehenden Infrastruktur über den derzeitigen Erwartungen. Somit gilt OBOR als der weltweit grösste jemals erstellte Infrastrukturplan. Wir sind zudem der Meinung, dass die Risiken durch Einbezug staatlicher Unterstützung und chinesischer Policy-Banken an diesen Projekten verringert werden. Zudem ist die Beteiligung des chinesischen Präsident Xi an der OBOR-Initiative «too big to fail», auch angesichts der Anstrebung einer stärkeren Position Chinas auf der politischen und wirtschaftlichen Weltbühne.