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Klimagerecht bauen

Auch der Klimawandel führt dazu, dass die sommerlichen Temperaturen in Städten ins Unerträgliche steigen. Eine intelligente Bauweise, geeignete Materialien und städteplanerische Massnahmen können das Lokalklima positiv beeinflussen, den Hitzestau vorbeugen und CO2 einsparen.

Der Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen führt weltweit zu klimatischen Veränderungen. Das von Verbrennungsmotoren ausgestossene CO2 ist massgeblich für den Klimawandel verantwortlich.

Die Schweiz ist vom Klimawandel besonders stark betroffen. Heutzutage ist es hier fast zwei Grad wärmer als in der Zeit zwischen 1850 und 19001. Bereits heute ist die Hitze spürbar, die Städte und Ballungszentren in den Sommermonaten fest im Griff hält. Zukünftig könnten die Temperaturen im Sommer gemäss pessimistischen Prognosen um bis zu 4,5 Grad höher liegen als gewohnt.

Global gesehen sind die Temperaturen gegenüber der vorindustriellen Zeit um 1,1 Grad Celsius gestiegen. Für Reto Knutti, Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich, steht fest:

Gelingt es der Menschheit, den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad zu stabilisieren, können wir die Auswirkungen technologisch und wirtschaftlich bewältigen.

Gelinge dies nicht und stiegen die Durchschnittstemperaturen um vier oder sogar fünf Grad, werde die Welt in 100 Jahren komplett anders aussehen als heute, warnt der Forscher.

Vorboten der neuen Warmzeit sind Extremwetter-Ereignisse, die häufiger auftreten und immense Schäden bei Infrastruktur und Gebäuden nach sich ziehen.

Jüngste Beispiele sind die Hitzewellen im Juni und Juli 2019, sowie der trockene Sommer 2018 in Europa, der in der Landwirtschaft hohe Schäden verursachte. Weitere Konsequenzen der Erderwärmung sind der Anstieg des Meeresspiegels, Überschwemmungen sowie der Mangel an Süsswasser, so genannter Wasserstress.

Nicht zuletzt macht sich durch Dürren und Hitze eine erhöhte Waldbrandgefahr bemerkbar. Wie die Grenzen zwischen Wasser und Land verschieben sich längerfristig auch klimatische Zonen. Das gemässigte Klima Westeuropas bleibt davon nicht verschont.

Von traditionellen Bauweisen lernen

Der Immobiliensektor ist für etwa ein Drittel des globalen Energiebedarfs und für gut einen Fünftel der weltweit ausgestossenen Treibhausgase verantwortlich2.

Städteplaner und Architekten rund um den Globus arbeiten an neuen, energiesparenden Bauweisen und Technologien, die Bewohner und Gebäude vor extremen Bedingungen schützen. Drei solche Beispiele zeigen sich im Nahen Osten: Während in Abu Dhabi gläserne Hochhäuser nach westlichem Vorbild in den Himmel ragen und Unmengen an Energie für ihre Kühlung verschlingen, soll nur 30 Kilometer entfernt mit «Masdar City» eine Modellstadt für ökologisches Bauen entstehen, die mithilfe von Sonnen- und Windenergie autark funktionieren soll.

Beim Wiederaufbau von Aleppo in Syrien ziehen Experten der «World Heritage Studies» vor allem traditionelle Bauweisen und -stoffe in Betracht, wie etwa Lehm, der tagsüber Wärme speichert und diese nachts wieder abgibt. Auch schmale Gassen, die so konzipiert sind, dass sie einerseits Schatten spenden und andererseits einen permanent kühlenden Luftstrom erzeugen, werden eingeplant. Kleine Fenster führen zu angenehmen Innenraumtemperaturen und Brunnen in Innenhöfen zu Verdunstungskälte. Dieses alte Bauwissen hat sich über Jahrhunderte konserviert und bewährt sich auch heute noch als klimagerecht.

Singapurs so genannte Supertrees sind Teil des nachhaltigen Stadtentwicklungsprojekts Gardens by the Bay. Die pflanzenbewachsenen Stahlgerüste sind bis zu 16 Stockwerke hoch und dienen unter anderem der Aufzucht von seltenen Pflanzen.

Luftzirkulation und Grünflächen

Können europäische Städte von den gut 2’500 Kilometer entfernten Beispielen lernen? Ebenso wie in Wüstenregionen müssen Gebäude in Zentraleuropa extremen Temperaturschwankungen zwischen Winter und Sommer standhalten. Steigende Temperaturen und Luftschadstoffwerte beeinträchtigen nicht nur die Gesundheit, sondern verringern auch die Produktivität. Bereits heute liegen die Temperaturen in Schweizer Städten im Sommer bis zu zehn Grad höher als im Umland. Moderne Stadtplanung und nachhaltiges Bauen können einen wesentlichen Beitrag zu einem angenehmen Lokalklima leisten. Das Zauberwort lautet: Verdichtung. Denn jedes neue Gebäude strahlt Wärme ab und benötigt Energie.

Durch eine verdichtete Bauweise kann mehr Raum für die Luftzirkulation geschaffen und als Grün- oder Wasserflächen genutzt werden. Diese wiederum spenden nicht nur Schatten, sondern wirken durch den Verdunstungseffekt kühlend und reinigen die Luft von Schadstoffen. Ein weiterer Vorteil von Grünflächen zeigt sich darin, dass sie im Gegensatz zu versiegelten Flächen keine Hitze speichern und nachts wieder abgeben, was Städte am Abkühlen hindert. Gerade in Metropolen setzt sich der Bepflanzungstrend in der Vertikalen fort. Eindrückliche Beispiele sind etwa der «Bosco Verticale» in Mailand, auf dessen Balkonen und Fassade gut 900 Bäume wachsen, oder die «Supertrees» in Singapur.

CO2-effiziente Gebäude

Neben dem Bepflanzungs- und Luftzirkulationskonzept sind es auch die Gebäude selbst, die durch ihr grosses Energiesparpotenzial in der Lage sind, das Mikroklima positiv zu beeinflussen. Die Wahl geeigneter Baumaterialien verbessert die Isolation der Häuser und reduziert die Wärmeabstrahlung der Gebäudehüllen. Gerade Lehm, der in Wüstengebieten verbaut wird, feiert in unseren Breitengraden ein Comeback.

Ebenso tragen ein bewusster Einsatz von Glas als Tageslichtquelle und eine effiziente Technik und Gebäudeautomation dazu bei, Beleuchtungs-, Heiz- und Lüftungskosten zu minimieren. Global Real Estate setzt nachhaltige Materialien ein, Grün- und Wasserflächen kommen zum Einsatz sowie klimafreundliche Systeme wie etwa Solaranlagen und Wärmepumpen.

Anlagen mit Weitsicht

Als Immobilieneigentümer verfolgt Global Real Estate einen nachhaltigen Ansatz im Umgang mit Liegenschaften. Nachhaltige Überlegungen bezüglich Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt fliessen in die Beziehungen, Geschäftspraktiken und in den gesamten Lebenszyklus von Immobilien ein.

Im Gespräch mit Prof. Dr. Reto Knutti

Reto Knutti, Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich, hat als Autor massgeblich an den letzten Berichten des Weltklimarats IPCC mitgewirkt. Für ihn kommt der Immobilienwirtschaft eine Schlüsselrolle bei der Senkung der globalen CO2-Emissionen zu.

Herr Knutti, das Klima ist in aller Munde. Weshalb erst jetzt?

Der Mensch ist für den weltweiten Temperaturanstieg hauptverantwortlich. Die Millennials sorgen sich um ihre Zukunft, machen mobil und geben dem Thema, von dessen Auswirkungen sie direkt betroffen sind, eine gesellschaftliche Bedeutung wie nie zuvor. Es ist unumgänglich, dass wir die CO2-Emissionen senken.

Wie lässt sich dies erreichen?

Das grösste Einsparpotenzial ist beim Strassenverkehr, der für rund 30 % aller CO2-Emissionen verantwortlich ist. Gleichzeitig müssen wir massiv in erneuerbare Energien investieren. Es braucht ein Zusammenspiel zwischen Einsparungen und dem Einsatz sauberer Energien.

Bei Immobilien ist es einfach, etwas fürs Klima zu tun.

Wie könnte eine CO2-reduzierte Welt aussehen?

Ein denkbares Szenario ist die Umstellung des Verkehrs auf E-Mobilität sowie auf synthetische, aus der Atmosphäre gewonnene Kraftstoffe für Flugzeuge. Die Substituierung der fossilen Brennstoffe in der Industrie und Landwirtschaft ist schwieriger. Dort wäre die Sequestrierung des COeine Möglichkeit. Dabei wird der Atmosphäre CO2 entzogen und im Gestein entsorgt. Noch ist die Technologie nicht in grossen Mengen verfügbar und zu teuer. Sie könnte aber in Zukunft an Bedeutung gewinnen.

Was kann die Immobilienwirtschaft tun?

Die Immobilienwirtschaft ist für einen Fünftel der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Gleichzeitig ist es nirgendwo so einfach, einen Beitrag zum Klima zu leisten, wie bei Liegenschaften. Ich denke dabei an Isolierungen und Heizungen.

Können Investoren Einfluss auf die Klimaentwicklung nehmen?

Sicher, und es gab noch nie so viele Möglichkeiten wie heute. Orientieren können sich die Anleger an den verschiedenen Nachhaltigkeits-Labels. Die Einsicht, dass sich Nachhaltigkeit auszahlt, hat sich heute durchgesetzt. Leider wird allerdings noch nicht überall danach gehandelt.

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