Wie China den Weg an die Weltspitze schafft
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Wie China den Weg an die Weltspitze schafft

Nach den USA ist China bereits heute die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) erhöhte sich 2017 um 6,9 %. Auch für die kommenden Jahre ist überdurchschnittliches Wachstum angesagt.

China lässt niemand kalt. Die zweitgrösste Wirtschaftsmacht animiert Politiker, Politologen, Naturwissenschaftler, Unternehmer, Kulturschaffende und Medien der ganzen Welt zu Analysen, Fachbeiträgen und Meinungsäusserungen. Diese decken das ganze Spektrum von unverhohlener Kritik bis zur offenen Bewunderung ab. Was aber immer mitschwingt, ist der Respekt vor den in den letzten Jahrzehnten vollbrachten Leistungen. Die Zielstrebigkeit, mit der die Chinesen Spitzenpositionen in ganz unterschiedlichen Bereichen anpeilen oder schon erreicht haben, ist beeindruckend.

Ein Blick zurück

Als die Volksrepublik China im Jahr 1949 gegründet wurde, sah sich die Kommunistische Partei Chinas (KPC) einer Vielzahl gigantischer Probleme gegenüber. Die Landwirtschaft lag am Boden, das Bewässerungssystem war aufgrund brüchiger Dämme marode, die Transportinfrastruktur war prekär. Die von Mao Zedong ausgerufene Kampagne des «Grossen Sprungs nach vorn» endete in einer katastrophalen Hungersnot mit Millionen von Toten.

Die ebenfalls von Mao ausgerufene «Grosse proletarische Kulturrevolution» forderte abermals Millionen von Opfern und endete erst mit Maos Tod im Jahr 1976. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Volksrepublik vom Westen weitgehend isoliert. Erst nach dem Ende der Kulturrevolution wagte die Partei eine kontrollierte Öffnung des Landes.

Wie sich China in den folgenden 40 Jahren entwickelt hat, kann hier aus Platzgründen nicht näher dargestellt werden. Wir beschränken uns nachstehend auf drei Initiativen und Programme, die einen direkten Bezug zur Gegenwart aufweisen: «Die Neue Seidenstrasse», «Made in China» und «China Manufacturing 2025 (CM2015)».

Die Neue Seidenstrasse

Die Neue Seidenstrasse, auch «One Belt, One Road» oder «Belt and Road Initiative» genannt, treibt die chinesische Parteiführung um Staatspräsident Xi Jinping seit einigen Jahren um. Die Bezeichnung lehnt sich an die alte Seidenstrasse an, die China mit Zentralasien, dem Nahen Osten und Europa verband.

Vordergründig ist die Initiative ein gigantisches Infrastrukturprojekt, mit dem China den globalen Freihandel erleichtern will. Entlang der Neuen Seidenstrasse liegen über 60 Länder, in denen mehr als 60 % der Weltbevölkerung leben. Neben dem Bau von Strassen, Eisenbahnlinien und Häfen sieht die Initiative den Aufbau von Sonderwirtschaftszonen vor. Von der Neuen Seidenstrasse sollen neben China auch die Anrainerstaaten profitieren.

Viele Europäer stehen der Neuen Seidenstrasse skeptisch gegenüber. Sie werfen den Chinesen vor, das Mammutprojekt primär aus Eigennutz realisieren zu wollen. China, so die Vermutung, wolle sich durch die verbesserte Infrastruktur einen effizienten Zugang zu Ländern verschaffen, die künftig die Fertigungen billiger Massenprodukte übernehmen sollen. Von solchen Aktivitäten, die China den Titel «Werkbank der Welt» eintrugen, will sich das Land verabschieden und stattdessen einen industriellen «Up-grade» anstreben.

Zur Finanzierung wurde Ende 2014 der Silk Road Fund aufgelegt, ein staatlicher Invesmtentfonds. Eines der ersten finanzierten Projekte ist ein Wasserkraftwerk im Norden Pakistans. Weitere Kapitalgeber für Projekte der Neuen Seidenstrasse sind die China Development Bank, die Export-Import Bank of China und die Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB), in der auch die Schweiz Mitglied ist. Die AIIB wurde auf Initiative Chinas ins Leben gerufen und zählt unter anderem Indien, Russland, Indonesien, die Philippinen, Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Italien und die Niederlande zu den Gründungsmitgliedern.

Made in China 2025

Zur Finanzierung wurde Ende 2014 der Silk Road Fund aufgelegt, ein staatlicher Invesmtentfonds. Eines der ersten finanzierten Projekte ist ein Wasserkraftwerk im Norden Pakistans. Weitere Kapitalgeber für Projekte der Neuen Seidenstrasse sind die China Development Bank, die Export-Import Bank of China und die Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB), in der auch die Schweiz Mitglied ist. Die AIIB wurde auf Initiative Chinas ins Leben gerufen und zählt unter anderem Indien, Russland, Indonesien, die Philippinen, Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Italien und die Niederlande zu den Gründungsmitgliedern.

China Manufacturing 2025 (CM2015)

Die 2015 lancierte Initiative hat sich die gezielte Förderung von zehn ausgewählten Wirtschaftszweigen zum Ziel gesetzt. Dazu gehören diverse Segmente der IT-Wirtschaft, die Robotik, die Luftfahrt, der Bau von Bahnen, Elektrofahrzeugen, Landwirtschaftsmaschinen und Schiffen oder die Biotechnologie und Pharmaprodukte. Das Programm behandelt den zügigen Aufbau von einheimischem Wissen und Know-how als prioritär. Chinesische Unternehmen sollen bezüglich Qualität, Effizienz, Nachhaltigkeit und Innovation so fit gemacht werden, dass sie den besten Unternehmen Europas oder Amerikas die Stirn bieten können. Einheimische Unternehmen, die in dieses Raster passen, dürfen mit Steuerprivilegien und Subventionen rechnen. Ausländische Lieferanten dagegen haben dabei nicht selten das Nachsehen. Ihnen wird der Marktzutritt erschwert oder in bestimmten Fällen sogar ganz verweigert.

Das Streben nach Stabilität

Der Schwerpunkt der Politik Chinas dürfte sich im laufenden Jahr gemäss dem Investment Outlook 2018 der Credit Suisse von der Ankurbelung der Wirtschaft zur Begrenzung des Schuldenanstiegs verlagern. Das Wachstum könnte sich folglich nach dem überraschend starken Ergebnis von 2017 etwas verlangsamen, nicht zuletzt wegen der wahrscheinlichen anhaltenden Konsolidierung in Schlüsselindustriezweigen.

In der jüngsten Vergangenheit drückte sich das Streben der chinesischen Behörden nach Stabilität durch eine Verschärfung der Kapitalkontrollen und einen moderaten Anstieg der Geldmarktsätze aus. Dies hatte zur Folge, dass sich der RMB nach einem schwachen Jahr 2016 auf handelsgewichteter Basis 2017 etwas verteuerte und der Druck der Mittelabflüsse nachliess, während sich die Devisenreserven wieder erholten. Zwar dürfte nach Einschätzung der Autoren des Investment Outlook 2018 auch im laufenden Jahr eine restriktivere Politik verfolgt werden, aber die Kapitalkontrollen könnten etwas gelockert werden. Angesichts der relativ robusten chinesischen Fundamentaldaten sei nicht davon auszugehen, dass dies eine erneute Schwächephase des RMB auslöse. Die Währungsstabilität dürfte das Risiko protektionistischer Massnahmen gegen China und das Risiko eines erhöhten Drucks auf andere Schwellenmarktwährungen begrenzen.

Hut ab!

Man mag die Rahmenbedingungen, unter denen der wirtschaftliche Erfolg Chinas zustande gekommen ist, kritisch hinterfragen. Doch ohne jeden Zweifel hat der Zweck die Mittel geheiligt. Der Leistungsausweis der chinesischen Regierung ist unbestritten. Am derzeitigen globalen Bruttoinlandprodukt (BIP) von schätzungsweise USD 79,3 Billionen ist China bereits mit USD 11,9 Billionen oder 15 % beteiligt. Der Abstand zu den USA mit USD 19,4 Billionen (Anteil 24,5 %) nimmt stetig ab. Allein mit dem letztjährigen Wachstum von 6,9 % steigerte China das BIP um rund USD 750 Milliarden. Dieser Betrag ist höher als das gesamte BIP der Schweiz von rund USD 660 Milliarden.

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