Blockchain Challenge
News und Insights

DLT-Anwendungen für die Unternehmenswelt

Studierende der Universität Basel haben im Auftrag von Credit Suisse Asset Management Lösungsansätze zur Vereinfachung der Know-Your-Customer-Verfahren entwickelt. Experten in der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) und Vertreter der Wirtschaft waren tief beeindruckt.

Wie lässt sich die Legitimation neuer Kunden vereinfachen? Eine Frage, die alle Banken beschäftigt. Diese sind verpflichtet, für jede neue Kundenbeziehung ein Know-Your-Customer-Verfahren (KYC-Verfahren) durchzuführen, um dadurch Geldwäscherei zu bekämpfen. Für Finanzinstitute stellen diese Verfahren einen nicht unerheblichen Aufwand dar und auch der Zeitaufwand für einen KYC-Prozess ist gross.

Durch sogenannte «Smart Contracts» ermöglicht Ethereum das Verfassen von Programmen, die dank der DLT-Technologie garantiert exakt wie programmiert ausgeführt werden und dabei erst noch global verfügbar sind. Die dadurch realisierte garantierte Ausführung von Programmcode ermöglicht vielfältige neue Anwendungen.

Im Rahmen der Blockchain Challenge können sich Unternehmen als interessanter Arbeitgeber positionieren und erhalten zudem ein
DLT-Konzeptpapier – im Idealfall sogar mit ersten Implementierungsvorschlägen – zu der eigenen Fragestellung.

Prof. Dr. Fabian Schär, Geschäftsführer des Center for Innovative Finance (CIF) und Initiant der Blockchain Challenge

Redundanzen vermeiden

Da aus regulatorischen Gründen KYC-Verfahren nicht abgekürzt oder vereinfacht werden können, suchte das Team von Studierenden im Auftrag von Credit Suisse Asset Management nach einem DLT-basierten Verfahren, um Redundanzen zu vermeiden. Die Studierenden Kolja Sander, Stéphane Vez, Yeliz Cay und Janneke de Snaijer haben sich im Rahmen der Blockchain Challenge mit dieser Problematik befasst.

Die Systemarchitektur musste dabei so ausgelegt werden, dass keine vertraulichen Kundendaten mit dem Netzwerk geteilt werden und dessen Nutzer nicht auf Kundenbeziehungen weiterer beteiligter Banken schliessen können. Um in einem marktwirtschaftlichen Umfeld zu bestehen, musste das Konzept ausserdem ein adäquates Zahlungs- und Anreizsystem vorsehen.

Sicherheit durch Smart Contracts

Die Studierenden setzten bei ihrem Lösungsansatz auf Smart Contracts und Multisig-Protokolle. Die Anonymität wird über den kreativen Einsatz von hierarchisch-deterministischen Schlüsselsystemen und einer Zertifizierungsstelle sichergestellt. Darauf aufbauend skizzierte das Team die Architektur eines Permissioned Ledger, in dem die einzelnen Teilnehmer jeweils einen eigenen Knoten betreiben. Die im Rahmen des KYC notwendigen Funktionen werden durch eine Vielzahl von miteinander verknüpften Smart Contracts bereitgestellt. Alle Funktionen sind dabei hinter einem Main Smart Contract abstrahiert, wodurch dieser als zentrale Schnittstelle zwischen dem System und externen Clients fungiert. Diese modulare Systemarchitektur ermöglicht sowohl eine einfache Aktualisierung des Systems als auch die rasche Implementation neuer Funktionen.

Transparenz in der Supply Chain

Etwas anders gelagert war die Aufgabenstellung, für die Novartis eine intelligente Lösung suchte: Hier galt es, ein Verfahren zu finden, mit dem Lieferanten und Lieferketten besser überprüft werden können, um dadurch die Einhaltung von Richtlinien sicherzustellen, ohne dass dazu die Identitäten von Subunternehmen offengelegt werden müssen. Die heutigen, zentralisiert verwalteten Zertifikate können diesen Nachweis nicht immer einwandfrei erbringen. Das Aufdecken von Fehlverhalten und die Rückverfolgung einzelner Firmen sind zudem nur mit hohem Aufwand möglich.

Die zwei Masterstudenten Julius Lüttin und Florian Gronde erarbeiteten deshalb ein Konzept, um ein verantwortungsbewusstes Verhalten aller Firmen der Supply Chain sicherzustellen bzw. überprüfen zu können. Ein Fokus lag dabei auf der besseren Einbindung von Zulieferern zweiter und weiterer Stufen. Die Bandbreite solcher Subunternehmen ist gross und reicht von Produzenten  von Vorprodukten bis hin zu Reinigungsfirmen. Diese Unternehmen kennen multinationale Firmen meistens nicht.

Diskret dank DLT

Die zwei Masterstudenten Julius Lüttin und Florian Gronde sind die stolzen Gewinner der Blockchain Challenge. Sie haben für  Novartis ein Konzept entwickelt, mit dem Teilnehmer der Supply Chain ihr verantwortliches Handeln beweisen können, ohne strategisch kritische Informationen offenlegen zu müssen.

Das erarbeitete Konzept realisiert nun eine automatische Abfrage und Weiterleitung von Zertifikaten. Sogenannte «Self-Sovereign Identities» ermöglichen dabei eine dezentrale Administration dieser Zertifikate. Darauf aufbauend können die Teilnehmer der Supply Chain jetzt mittels Zero-Knowledge-Proofs ihr verantwortliches Handeln beweisen, ohne strategisch kritische Informationen ihrer Konkurrenten offenlegen zu müssen.

Das Konzept der beiden Masterstudenten fiel so überzeugend aus, dass sie den mit CHF 10’000 dotierten ersten Preis der Blockchain Challenge entgegennehmen durften. Weiter ausgezeichnet wurden das «Team Port of Switzerland» für sein dezentrales Digitalisierungskonzept zur Hafeninfrastruktur sowie das «Team BearingPoint» für seine Plattform zur transparenten und kosten-effizienten Abwicklung von Bauausschreibungen.

Optimale Verknüpfung von Theorie und Praxis

Die im Rahmen der Blockchain Challenge erreichte Verknüpfung von Theorie und Praxis ist bisher einmalig. So können Studierende das in den Vorlesungen erlernte Wissen auf reale Problemstellungen anwenden und wichtige Kontakte zu Unternehmen knüpfen. Teilnehmende Unternehmen wiederum profitieren vom enormen Know-how der Studierenden im Bereich der Distributed-Ledger-Technologie, erhalten innovative Lösungsansätze für die von ihnen definierte Fragestellung und können sich in einem attraktiven Umfeld als potenzieller Arbeitgeber positionieren.

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