Das Zeitalter der Kryptofinanz
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Das Zeitalter der Kryptofinanz

Der Wirbel um Bitcoin und Blockchain – eine dezentrale Datenbank, in der Bitcoin-Transaktionen aufgeführt werden – hat etwas nachgelassen, doch die Kryptofinanztechnologie hat sich weiterentwickelt und Fehler ausgebügelt.

Christine Schmid: Erzählen Sie uns etwas über Monetas.

Johann Gevers: Die Idee für Monetas basierte auf meinem Wunsch, etwas zu tun, das die Welt besser funktionieren lässt. Ich habe lange und intensiv darüber nachgedacht, welche Technologie diesem Anspruch genügen könnte. Ich kam zum Schluss, dass das Finanzwesen im Zentrum unseres Systems steht. Es ist jedoch zu zentralisiert, was Risiken und Instabilität nach sich zieht und den gesellschaftlichen Fortschritt bremst, wie sich in der Finanzkrise 2008 zeigte. Zudem sind die damaligen Probleme noch nicht gelöst. Sie haben sich effektiv verschlimmert, wenn auch zurzeit eine gewisse – vorübergehende – Stabilität herrscht.

Johann Gevers

Johann Gevers 

Gründer und CEO von Monetas, Gründer von Crypto Valley sowie Gründer und Präsident der Digital Finance Compliance Association. Er ist Unternehmer mit über 20-jähriger Erfahrung in Wirtschaft, Finanz und Technologie. Er agiert als strategischer Berater für Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen, darunter auch für preisgekrönte Technologie-Start-ups. Gevers ist ein visionärer Vordenker im Fintech- Geschäft und wurde jüngst zu einem der 100 Top-Banker in der Schweiz erkürt.

Können Sie dies etwas ausführen?

Das heutige Finanzsystem ist zu zentralisiert, zu viel Macht ist in zu wenigen Händen konzentriert, was Missbräuchen Vorschub leistet. Wenn dieses Fintech System versagt, können die Schäden massiv sein. Bei Monetas konzipieren wir daher Technologien, die zur stärkeren Dezentralisierung des Finanzsystems und damit zu seiner Demokratisierung beitragen. Unsere Lösung gehört in die Kategorie der Kryptofinanztechnologie, die mit Verschlüsselungsalgorithmen private und sichere Transaktionen gewährleistet.

Wie sieht denn Ihre Lösung genau aus?

Unsere Technologie gibt dem Nutzer mehr Kontrolle. Es handelt sich um eine Vertragsplattform, die gewisse Nachteile bestehender Kryptofinanzlösungen umgeht und den Abschluss von Transaktionen in einem Bruchteil der Zeit und äusserst kostengünstig erlaubt. Dies ist vor allem im Detailhandel wichtig.

Die Idee für Monetas basierte auf meinem Wunsch, etwas zu tun, das die Welt besser funktionieren lässt.

Johann Gevers 

Kommen wir kurz auf bestehende Kryptofinanztechnologien zurück. Die meisten von uns wissen nicht, worum es dabei eigentlich geht.

Im Zentrum der Kryptofinanz steht die Erfindung einer wirklich digitalen Währung, die sich – anders als etwa physisches Bargeld oder digitale Musik – nicht kopieren oder fälschen lässt. Der damit ermöglichte Übergang von herkömmlichem Bargeld zu modernem digitalem Cash generiert enorme Effizienzgewinne. Laut der Bank of England wird er beispielsweise das Bruttoinlandprodukt (BIP) nachhaltig um 3 Prozent steigern. Das ist massiv, und in Entwicklungsländern wird dieser Effekt sogar noch höher ausfallen.

Wo steht die Blockchain in diesem Szenario?

Eine Blockchain ist eine dezentralisierte Datenbank, ein öffentliches Hauptbuch für digitale Transaktionen. Sie basiert auf einem Konsenssystem und ermöglicht es einer Vielzahl verschiedener Nutzer – beziehungsweise verschiedener Computer – rund um den Erdball, Transaktionen zu bestätigen, indem ein Konsens zu diesen gefunden wird. Wenn Sie eine Transaktion über ein Konsenssystem abwickeln, müssen all diese Computer über diese abstimmen und grünes Licht geben. Dies macht ein Konsenssystem widerstandsfähig gegenüber politischer Einflussnahme und Korruption. Es ist zudem gegenüber technologischen Fehlern wenig anfällig.

Wie lässt sich dies konkret nutzen?

Konsenssysteme wie Blockchains eignen sich gut, um umfassende Vermögenswerte oder wichtige Informationen sicher zu speichern. Handelsregister und Grundbücher, in denen der Besitz von Unternehmen und Immobilien eingetragen wird, sind ein gutes Beispiel. Sichere elektronische Stimmabgabesysteme sind ein weiteres.

Haben Blockchains auch Nachteile?

Betrieb und Unterhalt von Konsenssystemen sind sehr teuer. In der Bitcoin-Blockchain belaufen sich die Gesamtkosten einer Transaktion beispielsweise auf rund fünf US-Dollar. Das ist viel Geld. Wenn Sie zudem bei Starbucks oder im Lebensmittelladen einkaufen, wollen Sie an der Kasse nicht zehn Minuten bis mehrere Stunden warten, bis ein globales Netzwerk von Computern einen Konsens erzielt und die Transaktion genehmigt. Im Detailhandel ist ein effizientes, schnelles und günstiges System erforderlich, das Millionen von Transaktionen pro Sekunde abwickelt. Das Bitcoin-Netzwerk bewältigt maximal sieben Transaktionen pro Sekunde.

Was uns wieder zu Ihrer Vertragsplattform zurückbringt …

Richtig. Vertragsplattformen wie Monetas wickeln Transaktionen in Millisekunden ab, sodass sämtliche Transaktionen rund um den Erdball in Echtzeit vorgenommen werden können. Und die Kosten belaufen sich auf weniger als ein Zehntausendstel eines Rappens. Solche Plattformen sind daher für den Detailhandel ideal. In Verbindung mit Konsenssystemen bieten sie zudem das Beste aus zwei Welten: Sie speichern Vermögenswerte sicher in einem Konsenssystem und handeln diese effizient über eine Vertragsplattform.

Wie funktioniert die Monetas-Plattform?

Im Monetas-System brauchen sich lediglich die Transaktionsparteien zu einigen, um die Transaktion abzuschliessen. Anders als im Konsenssystem müssen sie nicht warten, bis sich Millionen nicht beteiligter Parteien in einem langsamen und teuren Prozess einigen. Die erste Anwendung der Monetas-Technologie ist ein mobiles Zahlungssystem. Jeder kann unsere Software kostenlos auf sein Mobiltelefon herunterladen und dann mit anderen Monetas-Nutzern Transaktionen tätigen. Die Nutzer laden an einem Kiosk, beim Geldautomaten oder bei einer Bank digitales Bargeld auf ihr Handy und können dann einfach mit diesem bezahlen. Unsere Plattform besticht zudem durch ihre Offenheit, sie ist nicht auf individuelle Anbieter oder Geräte beschränkt. Damit können Transaktionen mit jeder Gegenpartei vorgenommen werden – unabhängig von deren Mobilfunkanbieter oder deren Standortland. Sie benötigen nicht einmal ein Bankkonto. Unser System eignet sich deshalb hervorragend für jene 80 Prozent der Menschen in Afrika, die kein Bankkonto haben. Zudem sind unsere Transaktionen deutlich günstiger als jedes andere System auf dem Markt. Sie sind sogar günstiger (und sicherer) als solche mit physischem Bargeld. Physisches Bargeld verursacht in Industrieländern Kosten von rund 1 Prozent – 2 Prozent des BIP, und in Entwicklungsländern sind es sogar 5 Prozent – 7 Prozent. Der Übergang zu digitalem Cash wird unseren Volkswirtschaften daher enormen Auftrieb geben.

Wenn sie nur physisches Bargeld verwenden können, sind nur direkte Transaktionen von Angesicht zu Angesicht möglich.

Johann Gevers 

Ist Monetas bereits über das Prototypenstadium hinaus?

Wir haben in Südafrika mit Erfolg eine Pilotversion unserer Plattform lanciert. Unsere Partner sind mit den Resultaten sehr zufrieden und planen, die Plattform nun landesweit an über 1000 Standorten einzuführen und in weitere Länder Afrikas zu expandieren – für uns eine sehr spannende Zeit!

Wem werden Kryptofinanztechnologien künftig am meisten zugutekommen?

Die Konsumenten werden enorm profitieren. Die Technologien ermöglichen nutzerfreundliche Dienstleistungen, die alle heutigen in den Schatten stellen. Sie werden Transaktionen tätigen und ihr Geld sicher deponieren können, ohne sich an Passwörter erinnern und Schlüssel oder elektronische Karten herumtragen zu müssen. Und sie können all dies über ihr Mobiltelefon und (dank Back-ups in der Cloud) sicherer als im traditionellen Banking erledigen. Die Kryptofinanz eröffnet Milliarden von Menschen ohne Bankkonto Zugang zur Weltwirtschaft. Sie können somit Vermögen bilden und ihre Lebensqualität weit über das heute mögliche Mass hinaus verbessern.

Es sind also auch heute noch Menschen von der Weltwirtschaft ausgeschlossen?

Ja, Milliarden von Menschen – weltweit über die Hälfte der Erwachsenen – haben kaum oder keinen Zugang zu formellen Finanzdienstleistungen und tätigen alle Transaktionen mit Cash. Wenn sie nur physisches Bargeld verwenden können, sind nur direkte Transaktionen von Angesicht zu Angesicht möglich. Dies reduziert sie auf ein sehr kleines wirtschaftliches Netzwerk und beschränkt ihre Fähigkeit zur Vermögensbildung einschneidend. Arme bleiben folglich arm. Wer Vermögen bilden und seine Lebensqualität steigern will, muss an einem grossen wirtschaftlichen Netzwerk partizipieren. Selbst in armen Ländern hat heute praktisch jeder ein Mobiltelefon. Unsere Mobilplattform eröffnet allen Mobiltelefonbesitzern Zugang zu den weltweit fortschrittlichsten Finanzdienstleistungen, was ihre Fähigkeit zur Kapitalbildung dramatisch erhöht. Sie werden den Vermögenszuwachs nutzen, um ihre Gesundheit, Bildung und Lebensqualität im Allgemeinen zu verbessern.