Die Credit Suisse Ausstellung – Michelangelo & Sebastiano
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Die Credit Suisse Ausstellung – Michelangelo & Sebastiano

Der eine zählt zu den berühmtesten Künstlern der Kunstgeschichte, der andere wird eben erst wiederentdeckt: Michelangelo Buonarroti und Sebastiano del Piombo. Die National Gallery in London widmet der Freundschaft dieser beiden Ausnahmekünstler die Credit Suisse Ausstellung Michelangelo & Sebastiano. Die erste ihrer Art. Die Credit Suisse ist seit 2008 Partner der National Gallery und unterstützt die Ausstellung.

Michelangelo (1475–1564) ist jedem ein Begriff, Sebastiano del Piombo (1485–1547) nicht. Ausserhalb Italiens ist sein Name fast nur der Fachwelt bekannt. Die National Gallery in London ist im Begriff, diesen Missstand zu korrigieren. Noch bis am 25. Juni ruft sie den wenig bekannten Maler in der Ausstellung «Michelangelo & Sebastiano» einem breiten Publikum als ebenbürtigen Meister der Malerei, Freund und Arbeitspartner des berühmten Michelangelo in Erinnerung.

Im Alter von 26 Jahren zieht Sebastiano Luciani, bisher im Umkreis von Giorgone tätig, 1511 aus seiner Heimatstadt Venedig nach Rom und begegnet dort schon bald dem zehn Jahre älteren Michelangelo Buonarroti, der, obschon er sich primär als Bildhauer versteht, im Auftrag von Papst Julius II die Decken und Wände der Sixtinischen Kapelle ausmalt. Beide Künstler befinden sich im Wettstreit mit ihrem berühmten Kollegen Raffael und es entwickelt sich zwischen ihnen eine Freundschaft, die zu einer Reihe von gemeinsamen Werken führt. 

Die Hauptwerke im Fokus

Die Londoner Ausstellung rückt die drei wichtigsten Kooperationen der beiden Freunde ins Zentrum. Rein chronologisch an erster Stelle steht Sebastianos Pietà (1512-1516) aus San Francesco in Viterbo, eine Leihgabe des dortigen Museo Civico.

Als zweites folgt sein Altarstück Die Erweckung des Lazarus (1517–1519), gewissermassen das Gründungsgemälde der National Gallery, trägt es doch die Inventarnummer NG1 und wurde bereits 1824 als Teil einer Gruppe von Gemälden erworben, die als Grundstock für eine Nationalgalerie dienen sollten. Vom originalen Rahmen dieses Altargemäldes ist nur noch ein Fragment erhalten, das sich heute in der Kathedrale von Narbonne befindet. Sebastiano fand, sein Bild sei nur wirklich komplett, wenn es gerahmt präsentiert werde. Peter Schade, Leiter der Rahmungswerkstätte der National Gallery, hat daher eigens für diese Ausstellung einen neuen Rahmen geschaffen, der auf dem originalen Sockel basiert.

Die dritte grosse Zusammenarbeit betrifft die Wanddekorationen der Borgherini Kapelle von San Pietro in Montorio in Rom (1516–1524). Aus naheliegenden Gründen können diese nicht im Original gezeigt werden. Im Januar wurde daher unter Zuhilfenahme von hochauflösender Fotografie und 3D-Technik ein Faksimile der Kapelle hergestellt, das mit 90 Prozent der Originalgrösse in die Räumlichkeiten der National Gallery passt. Es vermittelt dem Ausstellungsbesucher nun einen hervorragenden Eindruck dieser dritten wichtigen Gemeinschaftsarbeit von Michelangelo und Sebastiano.

Auf Augenhöhe

Ein besonderes Augenmerk widmet die Ausstellung der Arbeitsteilung der beiden Freunde. «Ihre Partnerschaft wurde als idealtypische Synthese von florentinischem disegno – Michelangelo stellte Sebastiano Entwurfszeichnungen und Figurenstudien zur Verfügung – und venezianischem colorito wahrgenommen», erklärt Gabriele Finaldi, Direktor der National Gallery. Sebastiano galt zu seiner Zeit als einer der grössten Porträtisten. Entsprechend führte er die Entwürfe Michelangelos nicht einfach sklavisch aus. Vielmehr handelte es sich um eine Zusammenarbeit in gegenseitiger Wertschätzung, bei der beide ihre Stärken einbrachten, um Resultate zu erzielen, die mehr sind als die Summe ihrer Teile. Weder Michelangelo noch Sebastiano hätten die gemeinsamen Werke ohne den jeweils anderen zustande gebracht.

Entwurfszeichnungen erlauben es dem Besucher, einen Einblick in die Arbeitsweise und den kreativen Austausch zu erhalten. Einige davon zeugen von gemeinsamen Projekten, die nie verwirklicht wurden. Insgesamt sind rund 60 Werke zu sehen, darunter auch solche, die Michelangelo und Sebastiano vor ihrem ersten Zusammentreffen schufen. Sie sollen nähere Einsichten in die künstlerischen Temperamente beider Künstler sowie in ihren durch unterschiedliche Maltraditionen grundierten künstlerischen Hintergrund gestatten. Der Besucher erfährt so, von welchem Ausgangspunkt sie in ihre gemeinsamen Unternehmungen starteten.

Die Credit Suisse Ausstellung – Michelangelo & Sebastiano

Interview mit dem Kurator Matthias Wivel

Das Ende einer wunderbaren Freundschaft

Michelangelo weilt von 1516 bis 1534 in Florenz, wo er hauptsächlich in Diensten der Medici arbeitet, Sebastiano dagegen bleibt in Rom. Als ungezügelte Söldner von Kaiser Karl V die heilige Stadt im Jahr 1527 plündern und Clemens VII im Castel Sant'Angelo belagern, bleibt Sebastiano an der Seite seines päpstlichen Gönners. 1531 wird er als Belohnung für seine Loyalität mit dem Amt des päpstlichen Siegelbewahrers (piombatore) betraut, was ihm den Zunamen «del Piombo» einträgt, unter dem er seither bekannt ist. Noch immer pflegt er brieflichen Austausch mit seinem Mentor Michelangelo. Erst in den 30er Jahren entzweien sich die Freunde über der Frage, ob Michelangelos Jüngstes Gericht an der Westwand der Sixtinischen Kapelle in Öl oder als Fresko ausgeführt werden solle. Sebastianos letztes bekanntes Gemälde datiert von 1537, zehn Jahre später stirbt er in Rom. Michelangelo überlebt ihn um 17 Jahre. Die Freundschaft der beiden ist ein wenig bekanntes Kapitel der Kunstgeschichte, das nun dank der National Gallery neu aufgeblättert werden kann. 

Die Credit Suisse Ausstellung – Michelangelo & Sebastiano

Neurahmung: Die Erweckung des Lazarus