Dialog Credit Suisse Sorgenbarometer 2016

Credit Suisse Sorgenbarometer 2016

Das Sorgenbarometer der Credit Suisse zeigt: In der Schweiz wächst der Optimismus. Das Vertrauen in die Akteure hat zugenommen, die Wirtschaftssituation wird positiv beurteilt – noch immer umtreiben die Schweizer aber die gleichen Hauptsorgen.

Seit 40 Jahren gibt das Sorgenbarometer der Credit Suisse Auskunft über die Stimmungslage der Schweiz. Im Jubiläumsjahr 2016 fällt auf: Die Hauptsorgen erscheinen weniger bedrohlich als auch schon, die Schweizerinnen und Schweizer sind optimistisch. Nach wie vor sind es die Themen Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit, Ausländer und Flüchtlinge und AHV sowie Altersvorsorge, welche die Bevölkerung am meisten bewegen.

Die Top-Sorgen der Schweizer 2016

Die wirtschaftliche Situation: Es ging nie besser

Auch wenn die Sorgen nicht einfach verschwunden sind, ihre eigene wirtschaftliche Situation haben die Schweizerinnen und Schweizer noch nie so positiv wie dieses Jahr beurteilt. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung stufen sie aktuell als gut oder sogar sehr gut ein, die wenigsten erwarten eine Verschlechterung. Die Beurteilung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage ist zwar ein wenig kritischer, aber ebenfalls optimistisch. Über die hohe Priorität, die dieses Thema geniesst, spricht im Interview Avenir-Suisse-Direktor Peter Grünenfelder.

Drei grosse Stärken

Hinsichtlich der grössten Stärken der Schweiz herrscht bei den Stimmbürgern ein breiter Konsens. In den letzten Jahren erreichten jeweils «Neutralität», «Schweizer Qualität» und «Bildung» die meisten Nennungen als eine von fünf Hauptstärken. Das ist auch 2016 der Fall – nur bei der Bildung geht der Wert leicht zurück.

Die wichtigsten Stärken der Schweiz

Breites Vertrauen

Den meisten Akteuren aus Politik und Wirtschaft wird von einer Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer das Vertrauen ausgesprochen – an der Spitze steht, wie 2015, das Bundesgericht. 2016 teilen sich den zweiten Platz der Ständerat und die Polizei. Aber auch Bundesrat, Verwaltung und Nationalrat sowie NGOs, Militär und die Schweizerische Nationalbank finden Mehrheiten, die ihnen vertrauen. Dasselbe gilt für Arbeitnehmer- wie Arbeitgeberorganisationen, für Banken und für die Medienlandschaft. Einen grossen Sprung nach oben gemacht hat zudem die EU: Auch wenn ein Beitritt für die allermeisten Befragten keine Option ist, scheint man ihr als Institution mehr zu vertrauen denn je. Das Verhältnis zu Europa – und den Wert von mehr Gelassenheit – thematisiert im Interview der neue Nationalratspräsident Jürg Stahl.

Nationalstolz und die Herausforderung Europa

Fast 9 von 10 Schweizerinnen und Schweizer sind stolz auf ihr Land – das sind nicht mehr ganz so viele wie im Rekordjahr 2015, es ist aber eine ähnlich deutliche Mehrheit wie in den Jahren davor. In der Politik sind es die Bundesverfassung und die Neutralität, die am meisten Stolz hervorrufen; in der Wirtschaft sind Uhrenindustrie und Forschung besonders beliebt.

Dennoch sehen sich die Schweizer und Schweizerinnen auch mit verschiedensten Herausforderungen konfrontiert: Ein seit Jahren wichtiges Thema ist das Verhältnis zu Europa, wo nach wie vor die Bilateralen Verträge hohen Zuspruch geniessen. Verschiedene Meinungen gibt es zum so genannten Brexit, dem geplanten Austritt Grossbritanniens aus der EU: Die meisten Stimmbürger sehen ihn als eher vorteilhaft für die Schweiz – eine Minderheit von etwas über einem Drittel befürchtet jedoch Nachteile. Noch gespaltener sind die Meinungen in Bezug auf das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP: Positive und negative Stimmen halten sich fast die Waage, und zur Frage, wie die Schweiz agieren soll, gibt es ganz verschiedene Ideen.

Ambivalenz hinsichtlich TTIP

Was die Zukunft bringt

Die Sorgen der Zukunft decken sich für die meisten Schweizerinnen und Schweizer mit den Sorgen der Gegenwart – und doch gibt es leichte Verschiebungen. Das Thema Altersvorsorge und AHV wird uns laut dem Sorgenbarometer in 10 Jahren am allermeisten beschäftigen. Und es ist auch das Problem, das laut den Befragten am dringendsten einer Lösung bedarf. Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt sieht zudem Nicole Burth Tschudi in ihrem Gastbeitrag, und der Zukunftsforscher Georges Roos zeichnet in einem Essay ganz allgemein ein überraschend düsteres Bild. Bei allem Optimismus also: Sich auszuruhen, dürfte keine Option sein.