Schweiz: Breiter abgestützter Aufschwung
Schweiz

Schweiz: Breiter abgestützter Aufschwung

Die Schweizer Wirtschaft wird 2017 voraussichtlich um 1.5 Prozent expandieren. Immer mehr Exportsektoren gewinnen ihre Wettbewerbsfähigkeit zurück, wogegen es der Binnenwirtschaft nach wie vor an Wachstumsimpulsen mangelt. Die Inflation dürfte in den positiven Bereich drehen, weshalb wir damit rechnen, dass die Schweizerische Nationalbank ihre Fremdwährungskäufe im Laufe des Jahres reduzieren wird.

Dynamisches Exportwachstum

Das Exportwachstum beschleunigt sich, und die Unternehmen vermelden eine dynamische Nachfrage aus den USA, Deutschland, Skandinavien und Grossbritannien. Im Gegensatz dazu ist die Nachfrage aus den Schwellenländern nach wie vor verhalten. Unser Einkaufsmanagerindex (PMI), ein Mass der Wirtschaftsaktivität im verarbeitenden Gewerbe der Schweiz, erreichte im Januar 2017 einen hohen Wert von 54,6 Punkten und deutete auch auf einen robusten Auftragseingang hin.

Derweil zeigt die Binnenwirtschaft eine schwächere Dynamik, weil es den Haushalten an Optimismus fehlt. Allerdings sollte sich der Privatkonsum – nicht zuletzt dank der Zuwanderung – weiterhin gut behaupten. Zudem rechnen wir auch nicht mit einer beschleunigten Zunahme der Ausrüstungsinvestitionen. Die lebhaftere Nachfrage und die günstigen Refinanzierungskosten werden durch eine hohe politische Unsicherheit in Bezug auf die Unternehmenssteuerreform und die Einwanderungspolitik aufgewogen. Wir prognostizieren daher für 2017 ein geringfügig schwächeres Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen. Unter dem Strich erwarten wir, dass das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) 2017 – wie schon 2016 – um 1,5 Prozent zunehmen wird.

SNB dürfte Interventionen zurückfahren

Wir erachten den CHF gegenüber dem EUR zwar nach wie vor als überbewertet, das Deflationsrisiko hat aber nachgelassen, sodass sich die Inflation unseres Erachtens 2017 wieder in den positiven Bereich beschleunigen sollte. Wir erwarten eine Durchschnittsinflation von 0,5 Prozent, nach –0,4 Prozent im Jahr 2016.

Vor diesem Hintergrund und angesichts des Umstands, dass die Schweiz vom US-Finanzministerium auf die Liste potenzieller Wechselkursmanipulatoren gesetzt wurde und die Schweizerische Nationalbank (SNB) eine weitere kontinuierliche Verlängerung ihrer Bilanz infolge von Devisenmarktinterventionen wohl lieber vermeiden würde, glauben wir, dass die Schweizer Währungshüter im Verlauf des Jahres 2017 weniger aktiv an den Devisenmärkten intervenieren werden und einen stärkeren CHF tolerieren könnten.

Allerdings rechnen wir zum aktuellen Zeitpunkt nicht damit, dass die SNB ihre Fremdwährungskäufe explizit und unvermittelt einstellen wird. Darüber hinaus würde einer raschen CHF-Aufwertung infolge einer plötzlichen Zunahme der Risikoabneigung an den Finanzmärkten unserer Einschätzung zufolge wohl mit umfassenderen Devisenmarktinterventionen begegnet.

Solider Auftragseingang

Solider Auftragseingang

Letzter Datenpunkt: Januar 2017.

Quelle: Datastream, Credit Suisse/IDC

Dank einer soliden externen Nachfrage haben die Auftragseingänge die höchsten Niveaus seit der sprunghaften CHF-Aufwertung im Januar 2015 erreicht. Die Schweizer Exportindustrie sollte in den nächsten Monaten von einer besseren konjunkturellen Dynamik in Europa und den USA profitieren. Gemäss unseren Erwartungen sollte das reale Exportwachstum (Waren und Dienstleistungen) 2017 4,5 Prozent betragen und damit ähnlich stark sein wie 2016. 

Fremdwährungskäufe durch die SNB

Fremdwährungskäufe durch die SNB

Letzter Datenpunkt: Januar 2017.

Quelle: Datastream, Credit Suisse/IDC

Wegen des Brexit-Votums im Juni und der US-Präsidentschaftswahlen im November war die SNB 2016 am Devisenmarkt besonders aktiv. Wir erwarten, dass sie ihre Fremdwährungskäufe 2017 reduzieren wird, sofern an den Finanzmärkten keine grösseren Schocks auftreten. Allerdings wird die SNB ihren Zins für Giroguthaben unseres Erachtens bei –0,75 Prozent belassen.