Aktuelle Themen Dakota Access Pipeline (DAPL)

Dakota Access Pipeline (DAPL)

Angesichts der öffentlichen Aufmerksamkeit und Kritik bezüglich der Dakota Access Pipeline (DAPL) ist es der Credit Suisse ein Anliegen, auf Fragen zur Involvierung der Bank einzugehen und unsere Position darzulegen.

Man hört und liest immer wieder, dass die Credit Suisse beim Bau der Dakota Access Pipeline eine wichtige Rolle spiele. In welcher Form ist die Bank in die Finanzierung von DAPL involviert?

Die Credit Suisse ist nicht an der Projektfinanzierung der Dakota Access Pipeline beteiligt. Entsprechende Vorwürfe, wonach die Credit Suisse an der Projektfinanzierung beteiligt sei, sind deshalb falsch und werden von der Bank entschieden zurückgewiesen.

Wie zahlreiche andere Banken unterhält die Credit Suisse Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen, die am DAPL-Projekt beteiligt sind. Zu den Unternehmen gehören Energy Transfer Equity mit den Tochterfirmen Energy Transfer Partners und Sunoco Logistics. Die Geschäfte umfassen die Vergabe von Krediten, Ausgabe von Wertschriften (Notes) und Beratungsmandate.

Energy Transfer Equity, ihre Töchter und Sunoco Logistics betreiben in den USA für die Landesversorgung wichtige Infrastrukturanlagen wie Öl- und Gas-Pipelines von insgesamt mehr als 100'000 Kilometern Länge und ein Tankstellennetz in mehreren Bundesstaaten.

Das von Banken und Investoren bereitgestellte Kapital wird für diese Aktivitäten eingesetzt. So sind gegenwärtig ca. 20 Infrastrukturprojekte in verschiedenen Bundesstaaten in Planung (Pipelines, Gasaufbereitungsanlagen, Verteilerstationen usw.) oder im Bau.

Und doch wird die Credit Suisse immer wieder mit der DAPL in Verbindung gebracht. Was ist die Position der Bank dazu? Welche Reaktionen der Öffentlichkeit auf DAPL gibt es?

 

In Zusammenhang mit DAPL wurde von Greenpeace eine Kampagne lanciert, die in den Schweizer Medien teilweise aufgegriffen wurde.

Die Kampagnenführer mussten in der Zwischenzeit gewisse Aussagen zur Beteiligung der Credit Suisse korrigieren – so insbesondere den Vorwurf der direkten Projektfinanzierung und die Höhe der gesamthaft an Energy Transfer Equity und deren Tochterunternehmen vergebenen Kreditsumme.

Wir haben Verständnis für unterschiedliche Standpunkte und stehen im Dialog mit diversen Anspruchsgruppen, in diesem konkreten Falle beispielsweise mit NGOs, Netzwerken und der betroffenen indigenen Bevölkerung.

Auch zur Dakota Access Pipeline ist die Credit Suisse mit NGOs und Netzwerken im Gespräch, unter anderem mit Greenpeace und Vertretern der betroffenen indigenen Bevölkerung. Dennoch sollte diese Diskussion sachlich und basierend auf korrekten Fakten geführt werden, und nicht aufgrund falscher Anschuldigungen.

Was heisst das konkret? Welche Treffen und Gespräche mit Anspruchsgruppen gab es zur Dakota Access Pipeline?

Seit Dezember 2016 haben verschiedene persönliche Treffen und Telefongespräche zwischen Vertretern der Credit Suisse und Greenpeace, anderen NGOs und Netzwerken, sowie Vertretern der Standing Rock Sioux stattgefunden. Zudem hat die Credit Suisse bezüglich DAPL 40 Briefe von Kunden und 2'000 E-mails, welche im Rahmen der Greenpeace-Kampagne an den CEO der Credit Suisse gesendet worden waren, beantwortet.

Am 4. April 2017 trafen sich internationale Entscheidungsträger aus verschiedenen Funktionen der Credit Suisse mit einer Delegation der Standing Rock Sioux in Zürich, um über Bedenken hinsichtlich der Dakota Access Pipeline und die Rolle der Credit Suisse zu sprechen.

Es war ein offener, transparenter Austausch und die Diskussion fand in konstruktiver Atmosphäre statt. Für die Bank war es wertvoll, im persönlichen Gespräch die Sichtweise der Standing Rock Sioux zu erörtern. Die Credit Suisse hielt im Dialog fest, dass sie die Besorgnis über die Dakota Access Pipeline ernst nimmt und diese bei der Weiterentwicklung der geltenden bankinternen Richtlinien berücksichtigen wird. 

Im Sinne unseres längerfristigen Nachhaltigkeitsauftrages werden wir auch weiterhin mit Greenpeace und ähnlichen NGOs und Netzwerken den aktiven Austausch suchen.

Verschiedene Banken haben in der Zwischenzeit von weiteren Krediten für das am DAPL-Projekt beteiligte Firmenkonglomerat Abstand genommen (ABN Amro, Bayrische Landesbank und BNP Paribas). Weshalb hält die Credit Suisse an den Geschäftsbeziehungen fest?

Die genannten Firmen waren – im Gegensatz zur Credit Suisse – direkt in die Finanzierung der Dakota Access Pipeline involviert. Wie beschrieben fand im Falle von Energy Transfer Equity vorschriftsgemäss eine ausführliche Due Diligence statt, in der die Transaktionen gutgeheissen wurde. Vor diesem Hintergrund wollen wir für unsere Kunden ein professioneller und verlässlicher Partner sein.

Die Credit Suisse nimmt die Besorgnis über die Dakota Access Pipeline (DAPL) ernst und wird diese bei der Weiterentwicklung der geltenden bankinternen Richtlinien berücksichtigen.

Rund um dieses Projekt ist es gemäss Medienberichten schon zu Gewalteinsatz gekommen – auch seitens der Behörden. Wie stellt sich die Credit Suisse dazu?

Im Widerstreit unterschiedlicher Standpunkte billigt die Credit Suisse unter keinen Umständen Gewalt. Die Credit Suisse nimmt die von Nichtregierungsorganisationen geäusserten Vorwürfe ernst. Die Credit Suisse verfolgt die Situation aufmerksam und nimmt diese gegebenenfalls auch mit dem Kunden auf.

Weshalb engagiert sich die Credit Suisse überhaupt in Geschäften aus sensitiven Branchen?

Die Credit Suisse ist einer verantwortungsvollen Geschäftsführung verpflichtet. Dabei entspricht es nicht unserer Politik, eine mögliche Zusammenarbeit mit Kunden pauschal zurückzuweisen, weil sie in bestimmten Industrien tätig sind.

Im Falle der Öl- und Gasindustrie ist es so, dass Unternehmen häufig eine volkswirtschaftlich zentrale Rolle bei der Rohstoff- und Energieversorgung einnehmen. Zudem sind sie nicht selten wichtige Arbeitgeber in wirtschaftsschwachen Regionen. Andererseits ist es naheliegend, dass Projekte und Tätigkeiten solcher Unternehmen zum Teil erhebliche Auswirkungen auf Klima, Biodiversität, Wasser oder die Einwohner eines bestimmten Gebietes haben können.

Wie prüft die Credit Suisse potentielle Risiken im Zusammenhang mit möglichen Geschäftsbeziehungen?

Um Risiken zu erkennen und zu handhaben, unterzieht die Credit Suisse mögliche Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen im Öl- und Gassektor und anderen umweltsensitiven Branchen einer umfassenden Prüfung. Dazu haben wir sektorspezifische Weisungen erlassen, die auf den Richtlinien von internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen oder der Weltbank basieren.

Falls Grund zur Annahme besteht, dass eine mögliche Transaktion oder Kundenbeziehung ein nicht tragbares Risiko darstellen oder nicht mit unseren bestehenden Verpflichtungen vereinbar sein könnte, prüft die Credit Suisse die Angelegenheit im Rahmen eines bankweit standardisierten Reputational Risk Review Process (RRRP).

Welches Ergebnis ergab die Analyse der Risiken im Zusammenhang mit den Unternehmen, die hinter DAPL stehen?

Die Beteiligung an Transaktionen mit Energy Transfer Equity wurde im RRRP eingehend geprüft und direkte Gespräche mit Vertretern des Unternehmens geführt. Dabei wurde auch über die Dakota Access Pipeline gesprochen und die Themen Pipelinesicherheit, Reaktion bei Unfällen, Schutz von Biodiversität und Lebensräumen und Konsultation mit lokalen Gemeinschaften, einschliesslich der indigenen Bevölkerung, vertieft diskutiert. Es wurden auch die regulatorischen Genehmigungsverfahren, welche ein Projekt wie die Dakota Access Pipeline auf einzelstaatlicher und nationaler Ebene in den USA durchlaufen muss, angesprochen.

Auf der Basis einer zufriedenstellenden Einschätzung wurden Geschäftsbeziehungen mit dem Unternehmen bewilligt.

Hingegen hat die Credit Suisse bewusst entschieden, sich nicht an der Projektfinanzierung der Dakota Access Pipeline zu beteiligen.