Lachendes Mädchen mit Portemonnaie und der ersten eigenen Viva Kids Maestro-Karte
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Die erste eigene Maestro-Karte

Eine Maestro-Karte bringt viele Vorteile, wie zum Beispiel Bargeld abheben oder bequem an der Kasse bezahlen. Aber wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt, Kindern den Umgang mit diesem Zahlungsmittel beizubringen? Und worauf gilt es zu achten? Dr. Christoph Mattes, Dozent für Soziale Arbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz, erklärt im Interview, wie Eltern Kinder auf die erste Maestro-Karte vorbereiten können.

Dr. Christoph Mattes.

Dr. Christoph Mattes

Dozent für Soziale Arbeit

Herr Dr. Mattes, heutzutage ist das Bezahlen mit digitalem Geld in Form von Karten ja kaum noch wegzudenken – sogar mit dem Smartphone kann man schon bezahlen. Warum sollten Eltern ihre Kinder auf den Umgang mit diesen Zahlungsmitteln vorbereiten?

Der Umgang mit Zahlungsmitteln muss nicht nur theoretisch gelernt werden. Es geht darum, Wissen im Alltag anzuwenden und entsprechende Kompetenzen einzuüben. Dabei spielen die Eltern eine wichtige Rolle: Sie begleiten ihre Kinder über eine lange Zeit im Alltag und haben die Aufgabe und die Möglichkeit, wichtige Fragen mit ihren Kindern zu besprechen. Auch aus Studien wissen wir, dass beim Thema Geld die Eltern sehr wichtige Ansprechpersonen für ihre Kinder sind – und das weit über die Volljährigkeit hinaus.

Wie können Eltern ihren Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Maestro-Karte beibringen?

Primär indem Eltern selber verantwortungsvoll damit umgehen und als Vorbild agieren. Eltern sollten in der Familie offen zeigen, dass man die Finanzen stets im Blick behalten muss. Wenn Kinder erleben, dass Eltern die Zahlungen auf dem Bankkonto anschauen und rekonstruieren, was sie mit der Karte bezahlt haben und ob die Buchungen stimmen, werden Kinder automatisch für Karten und Konten sensibilisiert. Kinder aktiv am Finanzleben ihrer Familie zu beteiligen, ist generell eine gute Schule. Aus Studien wissen wir, dass die Bewältigung von knappen Finanzen in Familien leichter fällt, wenn dies offen mit den Kindern besprochen wird und Kinder in Entscheidungen einbezogen werden – zum Beispiel mit Blick auf die Frage, an welcher Stelle die Familie sparen kann.

Nehmen wir an, Sie würden Ihrem Kind eine Maestro-Karte aushändigen. Wie würden Sie dabei vorgehen?

Ich glaube, es ist wichtig aufzuzeigen, dass die Plastikkarte wertvoll ist – auch wenn diese auf den ersten Blick nicht so erscheint. Wir sollten daher versuchen, eine gewisse Sorgfalt zu vermitteln, die für die Chancen und auch Risiken sensibilisiert. Dafür müssen wir uns die Zeit nehmen, Kindern zu erklären, was die Karte alles kann und wofür wir sie selber brauchen. So können Kinder verstehen, dass man mit der Maestro-Karte sorgfältig umgehen soll. Und eigentlich bereiten wir Kinder auch durch unser Vorleben darauf vor. Unsere Kinder bekommen zum Beispiel mit, wenn meine Frau und ich die Zahlungen des Kontos durchgehen: Was waren die Ausgaben im laufenden Monat? Was muss noch bezahlt werden? So lernen sie, dass man die Kontobewegungen im Blick behalten sollte.

Woran können Eltern erkennen, dass Ihr Kind bereit ist für die erste eigene Maestro-Karte? Ab welchem Alter kann man Kindern den Umgang mit der Karte zutrauen?

Es ist schwer, ein genaues Alter zu bestimmen. Kinder sind sehr unterschiedlich und haben auch ihre jeweils eigene Affinität zum Thema Finanzen. Für eine eigene Maestro-Karte sehe ich vier Punkte als Voraussetzungen erforderlich:

  1. Kinder sollten sich für das Thema Geld und Finanzdienstleistungen interessieren. Der antreibende Impuls sollte nicht durch die Eltern kommen.
  2. Kinder müssen verstehen, wie ein Bankkonto funktioniert, welche Möglichkeiten es bietet und welche Kosten anfallen.
  3. Kinder sollten so weit sein, dass sie eine Maestro-Karte im Alltag brauchen und einsetzen. Das hängt typischerweise davon ab, was sie alles mit ihrem Sackgeld bezahlen müssen.
  4. Eltern sollten sich dafür interessieren, wie ihre Kinder mit der Karte umgehen. Es ist wichtig, dass sie nachfragen, was Kinder mit ihrer Maestro-Karte machen oder wie sie mit dem Bankkonto zurechtkommen. Dabei soll es in erster Linie nicht um eine Kontrolle der Kinder gehen, sondern um ein aufmerksames Interesse der Eltern, wie ihre Kinder die Karte verwenden. Aus der Verschuldungsforschung wissen wir, wie wichtig es für junge Menschen ist, dass sich Eltern für ihre Finanzen interessieren und im Auge behalten, was mit den zur Verfügung gestellten Finanzdienstleistungen gemacht wird.

Gibt es im Umgang mit der Maestro-Karte Gefahren, die Eltern besonders beachten sollten?

Bei den Gefahren der Maestro-Karte bin ich eher zurückhaltend. Wichtig ist es, einen klaren Überblick über die eigenen Finanzen zu haben. Das wird oft als mühsam bezeichnet – ist es aber nicht. Seine Ausgaben im Griff zu haben und zu wissen, dass man nicht zu viel Geld ausgibt, vermeidet Stress und erspart allen das seltsame Gefühl im Bauch bei der Frage «Spuckt der Geldautomat noch etwas aus oder nicht?».