Soziale Unternehmer: Das Meer profitiert von innovativen Ideen.
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Soziale Unternehmer: Das Meer profitiert von innovativen Ideen.

Marisa Drew, CEO Impact Advisory and Finance Department der Credit Suisse, im Gespräch mit Javier Goyeneche, Gründer der nachhaltigen Modefirma Ecoalf.

Javier Goyeneche, einer aktuellen Studie zufolge wird es im Jahr 2050 mehr Plastik in den Ozeanen geben als Fische. Was können wir tun, damit es nicht so weit kommt?

Zuallererst müssen wir in Bildung investieren. Den Menschen muss die Ernsthaftigkeit der Situation bewusst werden und sie brauchen Informationen. Wenn wir in Schulen gehen und den Kindern erzählen, was wir tun, begreifen sie es sofort. Bisweilen fragen sich die Menschen: «Welchen Planeten wollen wir unseren Kindern überlassen?» Aber die eigentliche Frage lautet doch: «Welche Kinder wollen wir dem Planeten überlassen?»

Wie kamen Sie eigentlich dazu, Ihr Unternehmen zu gründen, das aus recycelten Materialien modische Kleidung herstellt?

1995 gründete ich eine Modefirma, die ich 2008 verkaufte. Danach hatte ich keine Lust mehr auf Mode. Ich wollte in den Nachhaltigkeitsbereich. Zwei Jahre lang suchte ich nach einem geeigneten Projekt in Spanien, jedoch ohne fündig zu werden. Dann beschloss ich, selber etwas auf die Beine zu stellen und Mode – eine Branche, in der ich mich auskenne – mit Nachhaltigkeit zu kombinieren. In jener Zeit kam mein Sohn Alfredo auf die Welt, also nannte ich die neue Firma Ecoalf.

Was für ein wunderbares Vermächtnis. Bitte helfen Sie uns, Ihr Geschäftsmodell etwas besser zu verstehen: Aus welchen Rohstoffen stellen Sie Kleidung her?

Wir recyceln sechs verschiedene Materialien. Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie viele unterschiedliche Qualitäten von Plastik es gibt. Fischernetze beispielsweise sind aus Nylon 6.6, der höchsten Qualitätsstufe. Für sie braucht es nur sieben chemische Schritte vom Rohmaterial bis zum Kleidungsstoff. Bei Rohöl hingegen sind es 17 Schritte. Für eine Daunenjacke brauchen wir rund 80 PET-Flaschen. Ausserdem arbeiten wir mit einer Firma in Taiwan zusammen, die Kaffeesatz einsammelt, ihn trocknet und mit Plastik vermischt – dieser Mix hat sehr gute Eigenschaften und braucht wenige Chemikalien. Der Stoff, den man daraus gewinnt, ist geruchsabweisend, trocknet schnell und bietet UV-Schutz. Wir investieren viel in Baumwoll-Recycling, denn Baumwolle braucht unglaublich viel Wasser in der Produktion und ist entsprechend wenig nachhaltig. Schliesslich recyceln wir normale Wolle und wir stellen Flipflops aus gebrauchten Lastwagen-Reifen her.

In Finanzkreisen ist derzeit viel die Rede von Impact Investing, von Anlagen, die neben der Erzielung einer finanziellen Rendite auch positive soziale oder ökologische Effekte anstreben.

Ich finde es sehr wichtig, dass Investoren Anlagemöglichkeiten vorfinden, mit denen sie sowohl einen Gewinn als auch andere positive Effekte erzielen können. Die Credit Suisse leistet in diesen Bereichen wirklich Pionierarbeit. Alle Unternehmen brauchen Geld, um sich entwickeln zu können – und gerade für jene, die Nachhaltigkeit zu einem zentralen Bestandteil ihrer Strategie machen und sich den damit verbundenen Herausforderungen stellen, ist es wichtig, dass für Investoren Möglichkeiten bestehen, ihr Geld gezielt und langfristig auf nachhaltige Art und Weise anzulegen.

Was sind Ihre Hoffnungen für die Zukunft?

Ich glaube daran, dass die Chancen gut stehen, die Welt zu retten. Umweltschützer erzählen mir, dass sie in Feldversuchen 90 Prozent des Meereslebens in fünf Jahren wiederherstellen konnten. Wir sollten also optimistisch sein, aber uns unverzüglich an die Arbeit machen – es gibt keine Alternative, keinen Planeten B.