«Roger ist so erfolgreich, weil er kommuniziert»
Artikel und Stories

«Roger ist so erfolgreich, weil er kommuniziert»

Wer erfolgreich sein möchte, tut gut daran, mit den richtigen Leuten zusammenzuspannen. Was auf die Credit Suisse und ihre Kunden zutrifft, gilt auch für unseren Markenbotschafter Roger Federer und sein Team. Wodurch unterscheidet er sich von anderen Tennisspielern? Warum ist er so erfolgreich – sowohl im Sport als auch abseits des Tenniscourts? Sein Manager Tony Godsick kennt die Antworten und teilt sie mit uns.

Roger Federer und Tony Godsick

In den Medien werden Sie häufig als der Mann hinter Roger Federer bezeichnet. Stimmen Sie dem zu, oder wie würden Sie Ihre Rolle sonst beschreiben?

Tony Godsick: Manchmal bin ich der Mann hinter ihm, manchmal neben ihm, manchmal vor ihm. Das hängt ganz vom jeweiligen Thema ab. Was er mir jedoch immer wieder sagt, ist: Wir sind Partner. Er wollte nie, dass ich ein Jasager bin. Ich glaube, unser gemeinsamer Erfolg basiert auf der Tatsache, dass Roger kommuniziert. Ich kann ihn immer und überall auf der Welt erreichen. Wir sprechen miteinander, mindestens einmal pro Tag. In meinem Geschäft gibt es viele Agenten, die sich für den Erfolg des Spielers verantwortlich fühlen. Ich nicht. Ich habe das grosse Glück, mit einem unglaublichen Menschen zusammenzuarbeiten, der sich Zeit nimmt und selbst Interesse an seinen geschäftlichen Angelegenheiten zeigt. Es gibt so viele Spieler, die sagen: «Du bist der Agent, ich bin der Sportler. Lass mich in Ruhe, und sorge dafür, dass Geld reinkommt.» Roger ist völlig anders. Er beteiligt sich und schafft so im eigenen Interesse sehr viel Wert.

Vielleicht bin ich da naiv, aber ich hätte gedacht, das sei normal für einen Sportler.

Das ist es nicht. Roger zeigt Wissensdurst und ist sehr neugierig, er möchte im Bilde sein und sich einbringen. Das ist selten und macht ihn enorm menschlich. Er hat in seinem Leben so viele Interessen und Dinge, die andere Tennisspieler nicht haben. Er hat vier Kinder, kein anderer Top-Tennisspieler der Welt hat vier Kinder. Er wird von unterschiedlichsten Aktivitäten auf Trab gehalten und ist in dieser Hinsicht absolut einzigartig. Aber nochmals: Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation. Die Tatsache, dass ich mit ihm so häufig über alles sprechen kann, was wir tun, erleichtert meine Arbeit. Ich denke, dass dies einer der Gründe ist, die ihn abseits des Tenniscourts so erfolgreich machen.

Sie sind seit 2005 Manager von Roger Federer. Was unterscheidet ihn von anderen Spielern, abgesehen natürlich von all seinen Rekorden?

Er nimmt sich Zeit für seine Fans und sagt kaum je nein, wenn ihn jemand um ein Autogramm bittet oder ein Foto machen will. Er fühlt sich dafür verantwortlich, den Tennissport zu fördern. Er spielt nicht nur weltweit, sondern nimmt sich überall, wo er gerade ist, auch die Zeit, als Botschafter für den Sport zu agieren. Und er spielt gerne auf der ganzen Welt, was ebenfalls selten ist. Es gibt viele, die sagen: «Ich spiele nur an bestimmten Orten. Ich bin ungern so lange in Europa, oder ich will nicht so viel Zeit in den USA verbringen.» Bei Roger gibt es so etwas nicht. Er ist bescheiden, liebenswürdig und geduldig. Und wenn Sie mal Zeit mit seiner Mutter und seinem Vater verbringen, wissen Sie auch sogleich, woher er das hat. Roger hat wundervolle Eltern und kann ihnen dankbar sein, dass sie ihn zu einem so bodenständigen Menschen erzogen haben.

Jeder mag Roger Federer. Er ist erfolgreich, bescheiden, diszipliniert, ein Familienmensch, ein Gentleman, ein toller Kommunikator und ein Vorbild. Er ist kein Rockstar, denn die zertrümmern bekanntlich Hotelzimmer, dafür aber der Traum eines jeden Managers. Könnten Sie sich einen besseren Spieler wünschen?

Es gibt viele Leute in meinem Geschäft, die sich die Hälfte ihrer Zeit darum kümmern müssen, dass der Sportler rechtzeitig zu Terminen auftaucht und in der Öffentlichkeit weder sich selbst noch seine Familie, den Sport oder die Marken, mit denen er zusammenarbeitet, blossstellt. Um all dies muss ich mich nicht sorgen. Rogers Beziehung zu Mirka, die seine gesamte Karriere begleitet hat, ist hierbei äusserst hilfreich. Sie war selbst Tennisspielerin und versteht, was es bedeutet, ein Weltklasse-Profi zu sein. Mirka war nie eine dieser Partnerinnen, die sagen: «Wir müssen hier den roten Teppich abschreiten und uns dort ins Lampenricht rücken.» Stattdessen haben beide eine gemeinsame Mission: Rogers bestmögliche Leistung als Tennisspieler abzurufen. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass ich mit Roger arbeiten darf, denn ich muss nicht den Babysitter spielen. Bei einem Sportler wie Roger ist das schlicht kein Thema.

Welche von Rogers Eigenschaften kommen ihm besonders zugute, um Menschen und Meinungsführer für eine gute Sache zusammenzubringen?

Er ist zugänglich. Sie können sich mit ihm über jedes Thema unterhalten. Er ist immer daran interessiert, zu hören, was andere zu sagen haben. Und er spricht genauso gern mit dem Hotelmitarbeiter, bei dem er eincheckt, wie mit einem Regierungschef. Da macht er keinen Unterschied. Er behandelt Leute, die auf einer anderen sozialen Ebene stehen als er selbst, nicht einfach wie Luft. Im Gespräch mit ihm merken Sie, dass er wirklich an Ihnen interessiert ist. Er ist entwaffnend. Wenn er jemanden kennenlernt, sagt er: «Hallo, ich bin Roger.» Manche Leute denken dann vielleicht: «Ja, ja, ich weiss, dass du Roger Federer bist.» Aber dahinter verbirgt sich keine Koketterie. Er geht wirklich davon aus, dass man ihn nicht automatisch kennen muss. So ist er einfach: bescheiden und höflich. Er ist wirklich jemand, der immer einen wertvollen Beitrag leistet, sei es zu einer Beziehung, einem Thema, einer geschäftlichen Transaktion oder anderen Dingen.

14 Jahre sind eine lange Zeit. Wie hat sich Ihre Beziehung mit Roger Federer in all den Jahren verändert?

Ich denke, dass sich unsere Beziehung am meisten verändert hat, als er Vater wurde. Seitdem muss ich behutsamer vorgehen, wenn ich ihn in Anspruch nehmen will, denn er ist nun mit Wichtigerem beschäftigt: mit dem Aufziehen seiner Kinder. Er muss Familie, Training, Freizeit, Turniere, Verpflichtungen gegenüber Sponsoren usw. unter einen Hut bringen. Im Verlauf der letzten 14 Jahre ist sein Portfolio an Partnern beständig angewachsen. Er arbeitet mit den besten Partnern, die man überhaupt haben kann, aber es ist eine veritable Puzzle-Arbeit. Wie bringt man alles so im Kalender unter, dass am Ende alle zufrieden sind? Bei der Planung gibt es immer enorm viel herumzujonglieren.

Was ist die schwierigste Aufgabe beim Managen von Roger Federer?

Rechtzeitig Antworten von Roger zu erhalten. Das ist ein Dauerthema, denn wir funktionieren ja als Team. Wenn ich einen Termin mit ihm vereinbaren muss, sagt er nicht einfach: «Ja.» Er sagt: «Okay, Tony, ich melde mich bei dir, wenn ich darüber mit meinem Fitnesstrainer Pierre gesprochen habe.» Wenn Pierre sagt, dass er das Fitnessprogramm rund um den vorgeschlagenen Termin aufbauen kann, muss das technische Team bestehend aus Ivan Ljubičić und Severin Lüthi sagen, ob sich der Termin mit dem Training vereinbaren lässt. Und schliesslich muss Mirka bestätigen, dass der Termin mit dem Familienleben in Einklang gebracht werden kann. Erst dann meldet sich Roger wieder bei mir und sagt: «Alles klar.» Die Terminplanung ist also bei Weitem die schwierigste und herausforderndste Aufgabe, die ich jemals hatte. Das geht so weit, dass ich bisweilen auch mein eigenes Leben danach ausrichte – vielleicht nicht immer die beste Entscheidung –, weil ich selbst ja schliesslich nicht vier Kinder habe und auch ganz sicher nicht für Wimbledon trainiere.

Sie managen einen Schweizer Spieler. Was empfinden Sie für das Land?

Ich reise elf oder zwölf Mal pro Jahr geschäftlich in die Schweiz. Und, Mannomann, jedes Mal, wenn ich in der Schweiz lande, sei es in Zürich, Genf oder sonstwo, freue ich mich wahnsinnig, wieder hier zu sein. Ich liebe die Effizienz des Landes, ich liebe die Sicherheit des Landes, ich liebe die Schönheit des Landes. Man kann eine Runde im Zürichsee schwimmen und zwei Stunden später auf Skiern einen Alpengletscher herabfahren. Und wenn es heisst, dass der Zug um 11.02 Uhr im Skigebiet ankomme, dann ist man auch um 11.02 Uhr dort. Wenn Roger alleine die Bahnhofstrasse herunterspaziert, braucht er keinen Leibwächter. Die Schweizer sehen ihn und sagen: «Ach, da ist unser Roger Federer», aber sie belästigen ihn nicht. Kehrt er nach einem Sieg heim, so lautet der Tenor: «Super, Roger!» Schulterklopfen. «Toll gemacht. Wir alle mögen dich. Aber jetzt komm zurück und sei für eine Weile einfach wieder ein ganz normaler Schweizer.» Und genauso sehr, wie die Schweizer Roger lieben, liebt er die Schweiz. Er ist sehr stolz auf das Land und sagt bisweilen: «Ich spiele immer für die Schweiz: Mein Name steht auf den Anzeigetafeln immer neben der Schweizer Flagge. Also spiele ich immer für mein Land.»

Lesen Sie in Kürze auch den zweiten Teil unseres Interviews mit Tony Godsick.