Plastikverschmutzung. Höchste Zeit, das Problem mit innovativen Geschäftsideen anzupacken.
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Plastikverschmutzung. Höchste Zeit, das Problem mit innovativen Geschäftsideen anzupacken.

Nahrungsmittel, Kosmetik und Haushaltsprodukte werden nicht selten in Plastikbehältern verkauft. Diese sind nahezu unzerstörbar, obwohl sie bloss auf eine einmalige Benutzung ausgelegtsind. Können wir einen umweltfreundlichen Ersatz finden?

Es schien eine tolle Idee zu sein: flexible Verpackungen, die in jeder Form produziert werden können, die leicht und doch beständig sind, einfach zu transportieren und billig. Und dank denen wir unsere Nahrungsmittel länger aufbewahren können. Also wurden Plastikverpackungen schnell und in allen Branchen übernommen, was zu enormen Abfallmengen führte.

Die üblicherweise verwendeten Plastikbehälter, -flaschen, -tuben, -folien usw. sind biologisch nicht abbaubar und es gibt keine systemischen Modelle für das Recycling von Kunststoffen im grossen Umfang. Also sammelt sich Plastikabfall in Deponien an – ohne sich zu zersetzen. Eine quasi-permanente Verschmutzung der Umwelt ist eine unvermeidliche Konsequenz davon.

Die unaufhaltsame Zunahme von Plastik

Plastik ist das am schnellsten zunehmende menschengemachte Material auf der ganzen Welt. In den letzten 33 Jahren hat Plastik schneller zugenommen als alle anderen Rohstoffe, und die Hälfte der jemals hergestellten Kunststoffe wurde in den letzten 13 Jahren produziert.

Weltweite Produktion von Plastik 1950–2015 (in Tonnen)

2

Mio. – 1950

380

Mio. – 2015

Die Hauptverantwortung für diese unaufhaltsame Zunahme und mittlerweile 40 Prozent des weltweiten Kunststoffverbrauchs liegt bei der Verpackungsbranche. Der Wechsel von wiederverwendbaren zu Einweg-Artikeln beschleunigte die Zunahme noch weiter. Praktisch, aber auch verschmutzend und teuer. Laut einer Schätzung des Weltwirtschaftsforums (WEF) kosten sie uns jedes Jahr zwischen 80 und 120 Milliarden Dollar: Das ist der materielle Wert der von uns nach einer einmaligen Benutzung weggeworfenen Plastikverpackungen.

Die Plastikabfall-Krise ist da

Bis 2015 wurden rund 6300 Millionen Tonnen Plastikabfall erzeugt. Rund 9 Prozent davon wurden rezykliert, 12 Prozent wurden verbrannt und 79 Prozent sammelten sich in Deponien oder in der Natur an. Weil viele Länder sich darauf verliessen, ihren Abfall einfach exportieren zu können, wurde das lineare Modell von brauchen und wegwerfen mehr als zwei Jahrzehnte lang nicht in Frage gestellt. Einkommensstärkere Länder führen bis zu 70 Prozent ihres Plastikmülls in Entwicklungsländer in Ostasien und im Pazifikraum aus, die noch keine Abfallmanagementsysteme eingerichtet haben.

Die Zeit der Abfallausfuhr geht nun jedoch langsam dem Ende entgegen. 2017 trat in China ein Einfuhrverbot für bestimmte Arten von Kunststoff in Kraft, das von anderen Ländern in der Region kopiert wurde. Diese Einschränkungen waren ein deutlicher Weckruf an Adresse der exportierenden Länder und ein Anreiz, etwas zu ändern.

Welche Lösungen gibt es für die Plastikverschmutzung?

Die verstärkte mediale Berichterstattung zur Abfallkrise und das zunehmende Bewusstsein in der Öffentlichkeit haben das Problem in den Mittelpunkt gerückt. Regierungen und supranationale Gremien haben mit dem Erlass von Vorschriften zur Kunststoffherstellung und -nutzung begonnen.

Unternehmen werden ihre Produkte, Verpackungslösungen und Abfallmanagementsysteme überdenken müssen. Die Kreislaufwirtschaft kann eine wichtige Veränderungskraft sein. Sie basiert auf dem Prinzip, wichtige Materialien so lange wie möglich zu verwenden oder zirkulieren zu lassen. Das Ziel besteht darin, aus Ressourcen den maximalen Wert zu gewinnen, so lange sie verwendet werden. Danach sollen die Produkte und Materialien zurückgewonnen und regeneriert werden.

Soziale Unternehmer haben das Feld bereits erschlossen und verschiedene Geschäfte initiiert, von der Umwandlung von Plastikabfall in neue Produkte wie Stoffe bis hin zur Suche nach Alternativen für Verpackungen wie beispielsweise ein widerstandsfähiges und gleichzeitig wasserlösliches Material. Es gibt auch einen Trend hin zu Biokunststoffen und aus abgeschiedenen Treibhausgasen hergestellten Kunststoffen.

Es ist zweifelsohne eine schwierige, aber zugleich spannende Zeit für materialwissenschaftliche Innovationen im Bereich der Kunststoffherstellung, Technologieverbesserungen in der Abfallverarbeitung und die Entwicklung von Technologien, die neue Möglichkeiten schaffen.