Neue Impact-Investing-Geschäftsmodelle verändern Bildung
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Neue Impact-Investing-Geschäftsmodelle verändern Bildung

Branchenexpertin Julia Balandina Jaquier erklärt, inwiefern Impact Investing einen neuen Geschäftsansatz darstellen kann und zudem skalierbare und nachhaltige Anlagen in Bildung ermöglicht.

Wird Impact Investing bald schon zum Mainstream?

Es gibt bereits viele ermutigende Hinweise dafür. Aber realistisch betrachtet haben wir noch einen langen Weg vor uns, bevor wir behaupten können, dass Impact Investing zum Mainstream geworden ist. Zuversichtlich stimmt mich, dass das Angebot an Anlageprodukten in die Breite und Tiefe wächst. Für sämtliche Anlageklassen und Impact-Themen sind wirkungsorientierte Anlagechancen mit unterschiedlichen Risiko-, Rendite- und Impact-Profilen erhältlich. Neben den Impact-Pionieren beginnen nun auch grosse traditionelle Investmenthäuser, grosse Impact-Investing-Fonds aufzulegen. Diese bieten vielleicht ein flacheres Impact-Profil, sind aber dennoch sehr wichtig: Sie sorgen dafür, dass dieser Bereich an Legitimität gewinnt, bieten eine breitere Chancenstreuung und eignen sich daher auch für konservativere Anleger. Meine grösste Hoffnung besteht darin, dass die kleineren, katalytischen und disruptiven Impact Investments, die von Impact-Pionieren getätigt werden, erfolgreich skaliert werden, denn nur so lassen sich die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen umsetzen.

In welchem Bereich kann Impact Investing in puncto Bildung am effizientesten sein?

Derzeit wird viel darüber diskutiert, wie sich Technologie nutzen lässt, um kostengünstige und qualitativ hochwertige Angebote im Bereich Schul- und Berufsausbildung bereitzustellen. Privatschulen für Kinder aus einkommensschwachen Familien in Schwellenländern sowie Charter Schools in den USA stossen in diesem Zusammenhang auf grosses Interesse. Daneben kann man Bildung auch breiter fassen. Wenn Sie als Impact Investor zur Verbesserung der Bildung beitragen möchten, weil Sie glauben, dass Bildung der Multiplikator schlechthin ist, so können Sie auch nach den Ursachen suchen, warum viele Menschen vom Bildungswesen nicht erreicht werden. Sie werden dann zum Beispiel finden, dass fehlende Stromversorgung oder fehlende sanitäre Einrichtungen mit verantwortlich sind. Um Ihre Impact-Ziele zu erreichen, können Sie anschliessend zum Beispiel in Solarsysteme für Zuhause oder in Sanitärlösungen investieren.

In welchen Bereichen kann Impact Investing Ihrer Meinung nach philanthropische Investitionen ergänzen?

Ich denke, diese Kapitalquellen ergänzen sich sehr gut. Impact Investing kann neue Kapitalquellen mobilisieren und damit eine positive gesellschaftliche Wirkung erzielen. Wenn eine gesellschaftliche Herausforderung mithilfe einer Geschäftslösung effektiv angegangen werden kann, sollte die Finanzierung über Impact Investing erfolgen, um philanthropische Mittel für schwerwiegendere Probleme freizusetzen. Stipendien und konzessionäre Finanzierung spielen jedoch ebenfalls eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Mittel für die Frühphase wirtschaftlich tragfähiger Innovationen zu generieren, um die Machbarkeit nachzuweisen und Risiken zu mindern.

Wie ist die Einstellung von Millenials gegenüber Impact Investing im Vergleich zu der anderer Altersgruppen?

Ich glaube, dass es bei den Millenials sehr viel Impact-Investing-Potenzial gibt. Sie zeichnen sich durch ein ganzheitliches Denken aus und geben sich nicht mit der traditionellen Sichtweise zufrieden, dass philanthropische Engagements und die Schaffung und Verwaltung von Vermögen getrennt voneinander sind. Zudem möchten sie schon früh im Leben etwas bewegen. Ein weiteres vielversprechendes Segment sind Vermögensinhaberinnen, die sich von dem Konzept, die Verwendung von Vermögen an den eigenen Werten auszurichten, besonders angesprochen fühlen. Der umfassende generationenübergreifende Vermögenstransfer an Millenials und Frauen könnte bedeutende Auswirkungen auf Impact Investing haben.