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Zukünftige Arbeit erfordert auch zukünftige Kompetenzen. Das Engagement der Credit Suisse für junge Menschen

Weltweit suchen fast 200 Millionen Menschen Arbeit, die Automatisierung fördert die Angst vor stagnierenden Löhnen und Jobverlust. Manuel Rybach, globaler Leiter Corporate Citizenship & Foundations bei der Credit Suisse, spricht mit Guy Ryder, Chef der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), über Arbeit, die Lücke zwischen benötigten und vorhandenen Kompetenzen und die digitale industrielle Revolution.

200 Millionen Menschen sind heute ohne Arbeit. Gleichzeitig gehört Vollbeschäftigung bis 2030 zu den Nachhaltigkeitszielen der Uno, wofür es laut der ILO-Entwicklungsagenda 600 Millionen neue Arbeitsplätze in den nächsten zehn Jahren braucht. Wie ist das zu schaffen?

Das ist eine riesige Herausforderung, erst recht wenn man den Anspruch hat, dass die neuen Jobs sinnvoll und grün sind. Und wir müssen zwei strukturelle Probleme zugleich lösen: die Folgeschäden der globalen Wirtschaftskrise reparieren und ausserdem gute Arbeitsplätze für jene zig Millionen junger Menschen schaffen, die jedes Jahr neu auf den Arbeitsmarkt strömen. Neue Jobs hängen stark von einer gesunden Umwelt und den damit verbundenen Dienstleistungen ab.

Was bedeutet das konkret?

Bis 2030 könnten wir weltweit allein 24 Millionen neue Arbeitsplätze durch die Förderung einer grüneren Wirtschaft schaffen. Im Dienstleistungsbereich werden die meisten neuen Jobs entstehen, während landwirtschaftliche und herstellende Berufe weiter zurückgehen. Hier müssen umfassende politische Anstrengungen die Dienstleister unterstützen, um die Qualität der Arbeitsplätze und die Produktivität zu steigern.

Wo sehen Sie die grössten Schwierigkeiten?

Es sind viel mehr qualifizierte Kräfte notwendig als vorhanden. Einige Länder haben Umweltaspekte und Nachhaltigkeit in ihre Ausbildungsrichtlinien integriert, aber die meisten Bildungssysteme tragen diesen Aspekten noch zu wenig Rechnung. Die ILO empfiehlt, für einen fairen Übergang zu einer grünen Wirtschaft rechtliche Grundlagen zu erarbeiten und soziale Aspekte sowie menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu berücksichtigen.

Sie sagen, dass Technologie weder gut noch schlecht ist, sondern vor allem richtig eingesetzt werden muss. Wie gelingt das?

Die digitale Ökonomie muss nachhaltig sein und braucht angemessene Arbeitsplätze, die den Menschen Würde verleihen. Die Frage ist also: Wie können wir die menschliche Dimension in einer Arbeitswelt erhalten, in der mehr und mehr Roboter operieren? Derzeit beklagt weltweit ein Drittel aller Arbeitgeber, keine entsprechend qualifizierten Kräfte für offene Stellen zu finden. Tatsache ist ja, dass es menschliche Gehirne sind, die diese Maschinen entwickeln. Wir müssen also die technologischen Veränderungen antizipieren und die Ausbildungs- und Qualifikationslücken auf dem Arbeitsmarkt schliessen. Gute Qualifikationen geben jedem Land bessere Möglichkeiten, zu wachsen und sich an neue Technologien anzupassen. Statt Wachstum, das grosse Teile der Gesellschaft ausschliesst, kann so integratives Wachstum mit einer gut ausgebildeten und lernbereiten Arbeitnehmerschaft entstehen.

Die bisherigen Stufen der industriellen Revolution trafen jeweils die Arbeiterschicht besonders hart. Die Automatisierung spüren nun aber auch Angestellte im Dienstleistungssektor. Welche politischen und sozialen Folgen könnte das haben?

Genau, anders als früher geht es nicht mehr nur um Arbeitnehmer in der Produktion, Industrie und Handwerk. Insbesondere repetitive und physische Tätigkeiten sowie Routineaufgaben mit hohem Wiederholungsfaktor werden verschwinden. Zugleich gewinnen kognitive Fähigkeiten, soziale Kompetenzen und Kreativität im Rahmen von komplexen Aufgaben an Bedeutung. Um auf diesen Wandel zu reagieren, brauchen wir neue empirische Analysen.