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Hohe Energiepreise als Wegbereiter für neue Energien

Credit Suisse Global Investor Focus «Energie»Die Ölpreise haben in den letzten Jahren markant angezogen, und Analysten rechnen mit anhaltend hohen Niveaus. Dies wird einen steigenden Verbrauch bei den konventionellen Energien wie Erdgas, Kernenergie und Kohle bewirken, aber auch neuen Energien wie Wind- und Sonnenenergie sowie Erdwärme Auftrieb geben. Die Analysten der Credit Suisse sind aber der Meinung, dass das verarbeitende Gewerbe am deutlichsten auf die hohen Energiepreise reagieren wird, und zwar mit Innovationen. Dies könnte neue Autos mit geringerem Kraftstoffverbrauch bedeuten, ein Rückgang bei Kunststoffen und anderen Materialien aus Ölprodukten oder Produkte für eine höhere Energieeffizienz von Gebäuden. Die hohen Energiepreise werden sich vor allem auf die Sektoren Luftfahrt und Transport, aber auch Lebensmittel und Verpackung auswirken. China wird infolge des Infrastrukturausbaus noch stärker vom schwarzen Gold abhängig werden. Dies sind die wichtigsten Erkenntnisse des von der Credit Suisse publizierten Global Investor Focus «Energie».

Nach Einschätzung der Analysten der Credit Suisse wird das verarbeitende Gewerbe in Form von Innovationen am stärksten auf die hohen Energiepreise reagieren, da die zunehmende Verknappung der Ölreserven eine geringere Ölabhängigkeit der Herstellungsprozesse unumgänglich machen wird. Auch das Kyoto-Protokoll liefert Impulse für diese Veränderungen, legt es doch die Richtlinien hinsichtlich der künftigen Emissionsrechte in der Europäischen Union und dem Rest der Welt fest.

Anleger können von der Verbrauchszunahme konventioneller Energien profitieren
Die erste substanzielle Veränderung wird vom zunehmenden Verbrauch konventioneller Energien ausgehen. Erdgas profitiert bereits vollumfänglich von den steigenden Ölpreisen. Grössere Erdgasunternehmen mit umfangreichen nachgewiesenen Reserven gelten als relativ sichere Anlagen. Flüssigerdgas (LNG) bietet neue Möglichkeiten und verfügt über das Potenzial für einen technologischen Durchbruch, falls es - wie in den USA geplant - in grossem Stil entwickelt wird. Risikofreudigere Anleger könnten deshalb am Aufbau von Engagements im LNG-Bereich interessiert sein.

Kohle dürfte ebenfalls eine deutliche Zunahme der Nachfrage verzeichnen. Anleger können an der steigenden Energienachfrage aus China partizipieren, zumal dieses Land nach wie vor ein Drittel der weltweiten Kohleproduktion verbraucht und damit zwei Drittel seines Energiebedarfs deckt. China wird im Laufe der nächsten Jahre sogar noch stärker vom Öl abhängig werden. Das Infrastrukturnetzwerk im Reich der Mitte ist stark ausgebaut worden: Der Bau von Strassen für den Transport von Menschen und Gütern hat in den letzten zehn Jahren zweistellige Wachstumsraten verzeichnet - ein Trend, der sich so bald nicht abschwächen dürfte.

Die Kernenergie wird das Misstrauen der Öffentlichkeit voraussichtlich überwinden und in den nächsten Jahren ein Comeback feiern. Diese Energieform dürfte von ihren konkurrenzfähigen Preisen (Produktionskosten von EUR 24/MWh, gegenüber EUR 31 für Erdgas und EUR 32 für Kohle) sowie von ihrer geringen Umweltverschmutzung profitieren.

Alternative Energien bieten Anlegern neue Gelegenheiten
Indessen sind es die neuen Energien, die über das grösste Potenzial verfügen: Die hohen Ölpreise und die mit der Verschmutzung durch konventionelle Energien einhergehenden Kosten machen alternative Quellen wieder konkurrenzfähig. Verschiedene Aktien alternativer Energieunternehmen haben in letzter Zeit eine starke Performance erzielt, da die Anleger zunehmend für das Thema sensibilisiert sind. Die meisten Branchentitel haben seit Anfang 2005 zweistellige Kurssteigerungen verzeichnet.

Die Windenergie, die in Deutschland schon heute 5% des Energieverbrauchs deckt, wird für die Befriedigung des Bedarfs an neuen Energien sehr wahrscheinlich eine Schlüsselrolle spielen, vor allem angesichts des Baus von Offshore-Windmühlen, die rund um die Uhr dem Wind ausgesetzt sind. Leichtere und widerstandsfähigere Materialien machen die Entwicklung von Windmühlen in grossem Stil möglich. Zudem wird diese Energieform in Europa staatlich stark gefördert. So beabsichtigt zum Beispiel Deutschland, bis 2010 10% des Energiebedarfs mit Windkraft zu decken. Anleger sollten Unternehmen im Auge behalten, die Windturbinen-Generatorsysteme für die Erzeugung erschwinglichen Stroms für Privathaushalte und kleinere Industrieanwendungen herstellen.

Die Sonnenenergie dürfte dank neuer Siliziumgeräte, einer besseren Leitfähigkeit und neuer Technologien wie der Photovoltaik zu einer wichtigen ergänzenden Energieform für Privathaushalte werden. Dieser Bereich ist durch eine Vielzahl kleiner Unternehmen gekennzeichnet, und Anleger sollten sich auf Anbieter mit Wertschöpfungspotenzial, wie zum Beispiel Siliziumentwickler, konzentrieren. Installationsunternehmen sind das rentabelste Segment entlang der Sonnenenergie-Versorgungskette.

Auch die Erdwärme wird voraussichtlich eine Blüte erleben, da neue Technologien tiefere Bohrungen erlauben und dieser Prozess bei hohen Ölpreisen eher rentabel wird. Erdwärmesysteme werden Privathäuser von Grund auf verändern. Die Erwärmung von Wasser unter der Erdoberfläche - und das anschliessende Hochpumpen des Wassers in Heizkörper - stellt die wirtschaftlichste der bislang bekannten Heizmethoden dar. Ziel ist ein so genanntes Null-Emissions-Haus, das mit Erdwärmesystemen, Solarpanels und intelligenter Technologie betrieben wird. Nur wenige Unternehmen bieten Anlagemöglichkeiten ausschliesslich in geothermische Aktivitäten, da entsprechende Projekte in der Regel durch grosse Versorgungsunternehmen ausgeführt werden.

Auch Aktien im Bereich Biomasse beginnen, eine Performance zu zeigen. Kraftstoff für PKWs und LKWs aus einem Gemisch von Benzin und Biodiesel aus Zuckerrohr war in den 80er Jahren in Brasilien das grösste Projekt zum Einsatz von alternativen Energien. Heute werden in Brasilien 90% der Fahrzeuge mit diesem Kraftstoff betrieben, und das Land trägt sich mit Exportgedanken.

Traditionelle Maschinen- und Anlagebauunternehmen werden von Infrastrukturprojekten und dem Bau von Turbinen für neue Energien profitieren. Darüber hinaus bieten auch kleinere Unternehmen Potenzial, die erst seit kurzem am Markt präsent sind und in Bereichen wie Sonnenenergie, Biodiesel-Verarbeitung oder Herstellung von Wellenkraftanlagen aktiv sind. Allerdings haben diese Titel eine höhere Volatilität.

Luftfahrt, Automobile, Lebensmittel und Verpackung am stärksten betroffen
Die hohen Energiepreise werden voraussichtlich den Luftfahrtsektor am schwersten belasten. Die angeschlagenen traditionellen Fluggesellschaften dürften auf Grund von Überkapazitäten und schlechtem Kostenmanagement grösste Mühe bekunden, die hohen Energiepreise zu verkraften. Die Billigflieger sind zwar etwas konkurrenzfähiger, aber kleinere Billiganbieter werden grössere Schwierigkeiten haben als gut etablierte Discount-Fluglinien.

Auch der restliche Transportsektor wird Veränderungen durchlaufen, insbesondere der Automobilsektor, wo Hybrid-Modelle zurzeit einen Siegeszug feiern. Wahrscheinlich werden immer mehr Fahrer Hybrid- gegenüber konventionellen Autos den Vorzug geben. Dafür sprechen nicht nur der niedrige Benzinverbrauch, sondern auch die technologische Entwicklung und eine Welle des Umweltbewusstseins, die zur Verlagerung der Verbrauchernachfrage von SUVs auf energieeffizientere Modelle beiträgt.

Der Verpackungssektor ist stark von Kunststoffen abhängig. Da die Möglichkeiten für Glasverpackungen beschränkt sind, könnten neue Verpackungstechnologien, zum Beispiel mit Materialien auf Stärkebasis, die nächste Revolution in dieser Branche auslösen. Die Ölkosten spielen auch in der Lebensmittelbranche eine Rolle, machen sie doch bis zu 20% des Verkaufspreises im Detailhandel aus. Sie fallen in Form von Kosten für ölbasierte Düngemittel, industrielle Reinigungs- und Kochprozesse sowie vor allem als Transportkosten an. Der Ölpreisanstieg wird voraussichtlich die Vormachtstellung der grossen Lebensmittelkonzerne festigen, da diese die höheren Transportkosten eher an die Detailhändler weitergeben können. Die traditionellen Detailhändler werden indessen die höheren Kosten eher nicht auf den Endverbraucher abwälzen, da hier Billiganbieter für einen hohen Konkurrenzdruck sorgen. Dies könnte sich wiederum leicht positiv auf die Konkurrenzfähigkeit lokaler Landwirte auswirken.